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23.07.2016
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Weihbischof Dieter Geerlings.

Weihbischof Dieter Geerlings schaut auf die Möglichkeiten der Kirche in der Unterstützung von Flüchtlingen.

Interview mit Weihbischof Dieter Geerlings

"Wir werden tun, was wir können"

Bistum. Der münstersche Weihbischof Dieter Geerlings ist Mitglied der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Im Interview mit kirchensite.de äußert er sich zum Einsatz der Kirche für die Flüchtlinge aus dem syrischen Kriegsgebiet.
 
kirchensite.de: In vielen Bistümern wird konkret über die Schaffung von Wohnraum für syrische Flüchtlinge gesprochen. Was geschieht im Bistum Münster?
 
Weihbischof Dieter Geerlings: Auch wir im Bistum machen uns Gedanken, wie wir helfen können. So haben wir unter anderem in einer Dechantenkonferenz bereits intensiv über das Thema gespro-chen. Wir haben uns gefragt, wo es in den Pfarrgemeinden Räumlichkeiten gibt, die man nutzen kann. Alle waren sich einig, dieses Thema in den Gemeinden vor Ort zur Sprache zu bringen.
 
kirchensite.de: Warum gibt es noch kein konkretes Projekt?
 
Geerlings: Zunächst einmal kenne ich im Bistum Münster derzeit kein geeignetes Objekt für eine große Unterkunft wie etwa das Benediktinerkloster in Weingarten im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Denn es können nicht einfach nur Räume angeboten werden, sie müssen dafür auch die notwendige Versorgungsstruktur haben. Wir können die Flüchtlinge ja nicht in einen kalten Raum ohne sanitäre Anlagen stecken. Zum anderen bin ich dagegen, ein frühzeitige Alarmstimmung zu verbreiten. Bis-lang sind in Nordrhein-Westfalen offiziell lediglich etwa 500 Flüchtlinge angekommen. Die Kom-munen sind gesetzlich dazu verpflichtet, für sie zu sorgen. Wenn die Zahlen steigen und die Kom-munen an ihre Grenzen kommen, wollen wir helfen. Wenn es darauf ankommt, werden wir für die Menschen in Not tun, was wir können.
 
kirchensite.de: Das wirkt zurückhaltend.
 
Geerlings: Es ist keine Zurückhaltung, aber die Hilfe muss auch Sinn machen. Wir müssen mit Augenmaß handeln, also erst dann konkret werden, wenn die Hilfe angefragt wird. Es braucht dann vor Ort viele Menschen, die einen solche Einsatz mitgestalten und -tragen. Der Bischof kann ja nicht einfach verordnen, dass Räume zur Verfügung gestellt werden. Es muss Menschen geben, die sich der Sache annehmen. Denn viele weitere Aufgaben müssen dann, auch ehrenamtlich, in den Pfarr-gemeinden gestemmt werden. Betreuung, Organisation, Bürokratie – da wird im Ernstfall viel zu tun sein. Wir sollten also nicht losrennen, sondern genau schauen, wo und wie unsere Hilfe ge-braucht wird.
 
kirchensite.de: Was kann die Kirche darüber hinaus tun?
 
Geerlings: Sie bringt in die politische Diskussion immer wieder ihre Vorstellungen eines humanen Umgangs mit den Kriegsflüchtlingen ein. Das geschieht auf vielen Ebenen und in vielen Formen. Wir setzen uns in Initiativen verschiedenster Art dafür ein, dass diesen Menschen geholfen wird. Bis hin zur grundsätzlichen Fragen in der Asyldebatte. Zudem sind wir mit der Caritas International in vielen Projekten im Krisengebiet selbst tätig. Wenn in einigen Städten in Syrien nur noch weniger als ein Prozent der Mitarbeiter im Gesundheitswesen vorhanden sind und die gesamte Krankenver-sorgung zerstört ist, kann man ahnen, wie wichtig das ist. Auch in den Flüchtlingslagern im Nahen Osten sind die Mitarbeiter von Caritas International im Einsatz.
 
kirchensite.de: Was können Christen noch tun?
 
Geerlings: Neben der konkreten Unterstützungen der Flüchtlinge in der direkten Umgebung, etwa beim Einkauf oder bei der gesundheitlichen Versorgung, sind auch Gesten wichtig. Wir sollten zei-gen, dass wir an ihrem Schicksal teilhaben, dass sie willkommen sind, kein Ballast für uns. Da kann schon das Gespräch bei einer Tasse Kaffee wichtig sein.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedGeerlings: Mehr Kriegsflüchtlinge aufnehmen (20.09.2013)
  2. undefinedDeutsche Bischöfe fordern weitere Aufnahmen von Flüchtlingen (25.09.2013)
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Dieter Geerlings

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
24.10.2013

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