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11.12.2018
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Bischof Norbert Strotmann mit seiner Schwester.

Gern stöbert Bischof Norbert Strotmann mit seiner Schwester in Fotobüchern, die Eva-Maria Strotmann für ihren Bruder am Computer selbst gemacht hat.

Bischof Norbert Strotmann

Vom Missionar zum Bischof von Lima

Hörstel-Riesenbeck / Peru. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich der 67-jährige Norbert Strotmann im Gespräch während seines Urlaubs in seinem Heimatort Hörstel-Riesenbeck. Schon als Kind habe er Abenteuerbücher über Lateinamerika aus der Pfarrbücherei verschlungen. Denn als Sohn des Küsters und Organisten wuchs er im Schatten der Riesenbecker St.-Kalixtus-Kirche auf. Nach dem Abitur bei den Hiltruper Missionaren trat er in den Orden der Herz-Jesu-Missionare ein und reiste 1972 zum ersten Mal nach Peru.

"Mit einem Koffer von 20 Kilogramm, der zur Hälfte mit dicken Wälzern bestückt war." Denn während der Regenzeit – "da ist im Hochland nichts los" – beendete er seine Doktorarbeit in Theologie und erhielt 1974 in Innsbruck die Promotion. Zudem schloss er ein Studium der Soziologie in Bielefeld ab.

"Ich hatte direkt einen Draht zu den Menschen und war fasziniert von ihrem Lebensmut und der Lebensfreude – trotz bitterer Armut." Bis heute widmet sich der 1973 in Puquio zum Priester geweihte Ordensmann dem Auftrag, für die Menschen da zu sein. Ganz nach seinem Lebensmotto "Fides per caritatem" – Glaube wirksam in Liebe. "Und ich spürte sofort, dass es das Allerdümmste ist, Analphabeten für ungebildet zu halten", betont der Geistliche. 2010 bekam er sogar die Ehrendoktorwürde zweier renommierter US-Universitäten in Connecticut und Massachusetts für seine überragenden akademischen und sozialen Leistungen. Nachdenklich fügt er hinzu: "Ich habe in Beichtgesprächen mit Einheimischen zuweilen mehr gelernt als durch manchen wissenschaftlichen Vortrag."

Den Riesenbeckern hielt er die Treue, und einige kennen "Norbert" noch von früher. Wie der Hörsteler Bürgermeister Heinz Hüppe, der von ihm als Jugendlicher Nachhilfe in Latein bekam und ihn wegen seiner Menschlichkeit und Bescheidenheit schätzt: "Er nimmt jeden ernst – ob König oder einfacher Mann."

Zu Anfang gab es per Luftpost immer wieder Sendungen aus Peru mit Kassetten und Dias, die den Daheimgeblieben einen Einblick über Strotmanns Arbeit gaben. Mittlerweile besucht er jedes Jahr im Sommer für einige Wochen seine Schwester Eva-Maria. Die beiden sind von klein auf an eng verbunden und telefonieren immer sonntags miteinander. "Ich versuche, ihm die Zeit hier in Deutschland so angenehm wie möglich zu machen", berichtet die 69-Jährige. "Damit er etwas Erholung bekommt bei all dem Stress, den er hat."

Doch von Urlaub kann eigentlich keine Rede sein. Denn auch in Deutschland ist viel zu tun: So zelebriert der Bischof immer wieder Gottesdienste in seiner Heimatgemeinde und sagt: "Die Eucharistie ist keine Belastung oder Unterbrechung. Sie ist Teil meines Lebens." Auf Einladung hält er Vorträge und feiert Messen, so etwa jüngst beim Libori-Fest im Erzbistum Paderborn.

Denn er ist ein gefragter Experte. Als Soziologe und Bischof des 1,5 Millionen zählenden Bistums Chosica am Rand der peruanischen Hauptstadt kennt er Lateinamerika wie kaum ein Zweiter – aus Theorie und Praxis. Und nicht zuletzt versucht er, in Deutschland Spenden zusammenzutragen. "Ohne Unterstützung geht es nicht", sagt er. "Denn ich muss die Kosten für die gesamte Diözesanstruktur allein aufbringen." 70 Prozent der Katholiken sind aus den Andenprovinzen zugewandert. Die Armut ist groß. Die meisten haben keine gesicherte Arbeit und halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Doch das Lachen komme nie zu kurz. So kursiert  unter den Gläubigen ein Witz, den der Geistliche zum Besten gibt: "Da heißt es immer: ›Wir haben die sicherste Diözese in Peru, weil an der Spitze ein Pastor Alemán steht.‹ Im Spanischen ist dies der Ausdruck für Schäferhund." Der Bischofssitz des Oberhirten liegt in dem Armenviertel Huaycán. In Peru ist dies ein "pueblo joven" – ein junges Dorf. Es entwickelte sich seit 1983, als immer mehr verarmte Bauern und Landarbeiter mit ihren Familien aus den Bergen zuwanderten, die sich in der Megacity ein besseres Leben erhofften. Und wenn er vor seine Kathedrale tritt, sieht er vor allem Sandhügel mit selbst zusammengebauten Hütten, Steinhäuser im Rohbau und Tankwagen, die das Wüstenviertel mit Wasser beliefern.

Die pastorale Arbeit in dem 1993 gegründeten Stadtrand-Bistum ist hart. Auf einen einzigen Geistlichen kommen durchschnittlich 50 000 Gläubige. Sein neues Pastoralkonzept setzt auf die Einbindung von Laien. "Zudem schicke ich meine Priesteramtskandidaten in die Schulen, damit sie für die Berufung werben." Seiner Ansicht nach ist der beste Missionar unter Jugendlichen der Jugendliche selbst. Die Freiwilligen wolle er dazu befähigen, durch ihre alltägliche Sensibilität "das Schöne unseres Glaubens" weiterzugeben. Darin liege die größte Kraft, um sprichwörtlich Berge zu versetzen.

Die westliche Welt könne viel von Lateinamerika lernen, ist Strotmann überzeugt. Vor allem, den Nächsten wieder mehr zu schätzen. "Der Mensch hat einen Wert an sich – ohne Zutaten wie Geld, Haus und andere materielle Dinge." Das ungebremste Fortschrittsstreben, sinniert er weiter, habe das "Wohin wollen wir eigentlich?" vollkommen aus den Augen verloren. Es gehe nur noch um ein Bewahren der Besitzstände. Zwischenmenschlichkeit, Anteilnahme und Solidarität blieben auf der Strecke.

Führungen durch Slums

Er führe seine Gäste in Peru gern durch die Gassen der Slums, in denen Kinder barfuß und mit zerrissener Kleidung vor Glück juchzend mit einem Autoreifen oder einer Puppe, die sie aus der "ersten Welt" geschenkt bekommen haben, spielen. "Dann höre ich oft: ›So viel Frohsinn und Gelassenheit sind wir bei unseren Kindern nicht gewohnt‹."

In Riesenbeck wurde das 40-jährige Priester- und 20-jährige Bischofsjubiläum mit einer Festmesse gefeiert. "Doch Norbert wollte am liebsten gar keine Belobigungen", erzählt Bürgermeister Hüppe. "Er macht nicht viel Aufheben um sich." Und beim anschließenden Empfang sei er offen auf die Gäste zugegangen und habe das Gespräch mit den Menschen aus der Heimat offensichtlich genossen.

Vor einigen Wochen flog der Bischof zurück nach Lima. Voller Zuversicht – obschon dort viele Herausforderungen auf ihn warten. "Das hat mich die Bevölkerung, für die ich zuständig bin, gelehrt. Die hat ungeheuer viel Hoffnung im täglichen Leben." Das sei aber keine leichtsinnige naive Hoffnung, "sondern eine, die sich selbst niemals aufgibt". Philosophisch endet Strotmann: "Wer die Andentäler kennt, weiß, wie es hoch- und runtergeht, und dass nach dem Abstieg wieder der Aufstieg kommt."

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  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Text: Heike Sieg-Hövelmann | Foto: Heike Sieg-Hövelmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
10.10.2013

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