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11.12.2016
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Die "Kleinen Schwestern vom Lamm" vor der Gandenkapelle in Kevelaer.

Die "Kleinen Schwestern vom Lamm" vor der Gandenkapelle in Kevelaer, von links die Schwestern Benoite, Marie-Lise, Anne-Marie, Félicité und Marie-Estelle. Außer Benoite werden alle Schwester nach Münster kommen.

"Kleine Schwestern vom Lamm" kommen nach Münster

"Es kommen noch drei Klosterschwestern zum Abendbrot"

Kevelaer / Münster. Am Freitag (04.10.2013) werden sie in Münster ankommen. Wie, ist noch nicht ganz klar. "Wir beten darum, dass wir ein Auto finden", erklärt Schwester Alma, Konventsleiterin der "Kleinen Schwestern vom Lamm", am Telefon. Sie hält sich gerade zu einer Priesterweihe im Schwesternkonvent in Wien auf. Andere Ordensfrauen werden aus Kevelaer anreisen.

Ein "Plus" fürs Bistum

Einen eigenen Wagen haben die Nonnen dieses von der dominikanischen und franziskanischen Spiritualität der Armut und Mission inspirierten Bettelordens nicht. Ebenso wenig andere Besitztümer. "Wir leben ganz aus der Vorsehung, ganz aus dem Herrn", sagt Schwester Alma. Das Bistum Münster hat ihnen das ehemalige Wohnhaus des verstorbenen Altbischofs Reinhard Lettmann am Überwasserkirchplatz zur Verfügung gestellt. Von dort aus wollen die sieben Ordensfrauen ihrer ganz eigenen Form des Gebets und der Verkündigung nachgehen. Die fünf Französinnen und zwei Österreicherinnen werden künftig in Münster und Kevelaer tätig sein. "Wir sehen uns innerhalb der Kirche und der Pfarreien als 'Zusatz', als 'Plus'", sagt die 34-jährige Schwester Angela, die ebenfalls nach Münster kommen wird.

 Regionalbischof Stefan Zekorn freut sich auf ihr Kommen: "Die Schwestern hatten schon seit längerem den Wunsch geäußert, in Münster zu wirken. Seit zwei Jahren wird überlegt, wie das geschehen kann und wo ein passender Platz für sie ist, der auch noch zentral liegt. Sie sind ja auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, oder sie trampen auch mal."

Erbitten und empfangen

Ein Umbau des Hauses samt  seiner kleinen Kapelle durch das Bistum ist nicht vorgesehen. "Die Schwestern haben einen einfachen, sehr evangeliumsnahen Lebenstil", erläutert Zekorn. Der Frauenorden sei entstanden, weil einige französische Dominikanerinnen sich gefragt hätten: Wie können wir das ursprüngliche Ideal des Bettelmönchs Dominikus leben? "Für mich und viele Menschen in Kevelaer waren das Bitten um Brot zuerst ungewohnt", gesteht Zekorn, der die Schwestern aus seiner Zeit als Rektor der Wallfahrtskirche St. Marien kennt. Dort haben die Ordensfrauen bereits seit dem 15. Oktober 2007 eine Niederlassung. "Die Schwestern leben aus dem Erbitten und Empfangen als einer tieferen Lebens-Dimension. Letztlich bekommen wir Menschen das Wesentliche im Leben ja als Geschenk", sagt Zekorn.

 Altbischof Reinhard Lettmann hatte die Ordensfrauen bei einem Aufenthalt in Rom kennen und schätzen gelernt und nach Kevelaer eingeladen. Glück für Münster, denn inzwischen sind auch andere Diözesen auf das besondere Wirken der Gemeinschaft aufmerksam geworden. Noch sei man zu klein, um in einem weiteren deutschen Bistum tätig zu werden. Doch Schwester Alma ist zuversichtlich. Nach ihrer Erfahrung steht die Zahl der Berufungen in Beziehung zur Dauer der Präsens des jungen Ordens in einem Land: "In Frankreich haben wir viele Berufungen, da sind wir schon seit 30 Jahren auf Mission." In Österreich, wo man seit 1996 wirke, seien sechs Schwestern eingetreten. Die gesamte Gemeinschaft umfasst mehr als 130 Schwestern. "Unsere älteste ist 95, unsere jüngste 18 Jahre", sagt Schwester Alma.

"Auch wenn ich verletzt bin, höre ich nie auf zu lieben", nennt Schwester Angela den Kern der Gemeinschaftslebens. Das umfasse alle Bereiche des Alltags, sagt sie. "Wenn die Beziehung zu einem Mitmenschen schwierig ist, wollen wir weiterlieben – aus dem Herrn heraus."

Die Schwestern leben ausschließlich von Spenden – nicht zuletzt von Essensgaben. Jeden Tag bitten sie – ganz in der Linie des Wanderpredigers und Bettelmönchs Dominikus und, wie Schwester Alma betont, gemäß der Vaterunser-Bitte – um "das tägliche Brot". Bei ihren Bettelgängen von Haustür zu Haustür begegnen sie Menschen aller Couleur. "Für uns ist dieses Bitten eine arme und demütige Weise, das Evangelium zu verkünden. Das sehen wir als ein Privileg, das ist unsere Berufung", sagt die 44-jährige Ordensfrau.

Den Menschen nah

Diese Radikalität werde auf unterschiedliche Weise beantwortet: Manchmal gebe man ihnen ein Glas Wasser, manchmal komme man in ein gutes Gespräch. Einmal habe ihnen ein Mann, der sich als "ungläubig" und kirchenfern bezeichnete, ein Mittagessen bereitet. "Als wir gingen, bat er uns, für seine Mutter zu beten", freut sich Schwester Alma. Ein andermal habe ein Ehepaar gerade das Abendessen vorbereitet, als sie an der Tür klingelten. "Da habe der Mann in die Küche gerufen: 'Es kommen noch drei Klosterschwestern dazu!'"

Solche Erfahrungen beeindrucken die Schwestern. Mit vollem Magen stehen die Bittenden übrigens nicht vor der Tür: "Dann haben wir richtig Hunger", sagt Schwester Angela und ergänzt, "aber wir übergeben dem Herrn ganz die Sorge um unser Leben".

Bei früheren Besuchen in Münster knüpften die Schwestern bereits Kontakte zu Studierenden. Bisher hatten sie sich dafür in Studenten-Wohnungen getroffen und Einzelgespräche auch mal auf einer Parkbank geführt. "Mit dem neuen Haus können wir nun selbst einladen", freut sich Schwester Alma. Zurzeit arbeiten die Schwestern und Helfer an der Fabrikation von Tischen, Stühlen, Hockern und Betten für Münster. Gestrichen werden die einfachen Holzmöbel in Eigenarbeit.

Auch unter den münsterschen Obdachlosen habe man Freunde gewonnen, sagt Schwester Alma. Die Ordensfrauen suchen bewusst die Orte der Armen auf, essen in Suppenküchen oder gehen zur Bahnhofsmission. "Die Psalmen, das Tagesevangelium, dem wir viel Zeit widmen, die Texte der Kirchenväter und vierstimmige Gesänge prägen unsere besondere Liturgie", sagt Schwester Angela. Zur Eucharistiefeier wolle man in die umliegenden Kirchen gehen.

Projekte oder der Einsatz in einer Pfarrgemeinde sind aber nicht geplant. "Die Schwestern gehen keiner Katechese nach, sie verdienen sich nichts dazu. Sie führen ein kontemplatives Leben und beten auf eine besonders meditative und schöne Weise das Stundengebet. Sie wollen mit Menschen ins Gespräch kommen und die Bibel mit ihnen teilen", fasst Zekorn das Charisma der Gemeinschaft zusammen.

Eigene Färbung

Viele klassische Orden seien in den letzten 20 Jahren aus Münster weggegangen, etwa die Jesuiten und Franziskaner, sagt der Weihbischof. Auch die zum Bistum zugehörigen Orden seien kleiner geworden. "Deswegen bin ich froh und dankbar über das Kommen der kleinen Schwestern. Sie bringen, wie die neuen geistlichen Gemeinschaften, ihre eigene Färbung in die Wirklichkeit des Bistums ein und bereichern so das kirchliche Leben."

"Wir leben unser Leben und sind frei für die Menschen", sagt Schwester Alma – frei, ohne auf die Uhr zu schauen: "Eine Mutter zählt auch nicht die Stunden, die sie mit ihren Kindern verbringt."

Die Gemeinschaft vom Lamm:

Bei der "Gemeinschaft vom Lamm" handelt es sich um einen relativ jungen Orden. Ihm gehören die "Kleinen Schwestern vom Lamm" und die "Kleinen Brüder vom Lamm" an.  Seit 1996 ist Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, der verantwortliche Bischof der Gemeinschaft diözesanen Rechts. Zur "Familie vom Lamm" zählen neben Schwestern und Brüdern auch Laien, Unverheiratete, Familien, Jugendliche, Kinder und Diözesanpriester. Die Gemeinschaft wurde am 6. Februar 1983 von Erzbischof Jean Chabbert, Bischof von Perpignan in Frankreich, errichtet. Am 16. Juli 1983 wurde sie vom Ordensmeister, Bruder Vincent de Couesnongle OP, als "zur Familie des heiligen Dominikus angehörend" anerkannt. Die Ordensleute sind sowohl von der Spiritualität des heiligen Dominikus, als auch des heiligen Franziskus geprägt.
Während sich Franziskus zur radikalen Armut verpflichtete, ist der um 1170 in Calerunga in Spanien geborene und ebenfalls einer angesehenen Adelsfamilie entstammende Dominikus vor allem als Bettelmönch und mitreißender Wanderprediger hervorgetreten. In Nachfolge der beiden großen Heiligen verpflichten sich die Schwestern und Brüder zur radikalen Armut, zur Gemeinschaft mit den Armen, zur betenden Kontemplation und zur verkündigenden Mission des Evangeliums. Zurzeit umfasst der Orden etwa 130 Schwestern und 30 Brüder. Diverse Gründungen finden sich in Frankreich, Spanien, Österreich, Polen, den USA, Argentinien und Chile. In Deutschland ist die Gemeinschaft in Kevelaer und künftig in Münster vertreten.  Hauptsitz der Gemeinschaft ist St. Pierre bei Fanjeaux, in dessen Nähe der heilige Dominikus wirkte. Die Schwestern tragen ein mittelblaues Ordenskleid, einen dunkelblauen Schleier, bis zur feierlichen Profess ein Holzkreuz und danach eine hölzerne Medaille mit der Darstellung des Lamms.

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Text: Karin Weglage | Foto: Orden in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
03.10.2013

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