Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Bistum aktuell
19.02.2019
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Schwester M. Ludwina Sälzer.

Schwester M. Ludwina Sälzer.

Der Orden von Schwester M. Ludwina hält seit 1936 Anbetung

Die Anliegen vor Gott tragen

Münster-Hiltrup. Wer ins Kloster eintritt, zieht sich damit noch lange nicht von der Welt zurück. Es gibt sogar Orden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, in die Welt hinein zu gehen und dort zu wirken. Bei der Rückkehr in die Klostergemeinschaft bleiben die Sorgen und Nöte der Welt nicht außen vor. Immer schon haben sich die Orden dem fürbittenden Gebet für alle möglichen Anliegen, die an sie herangetragen werden, gewidmet.

Wer ins Kloster eintritt, stellt damit durch seinen Glauben und die Überzeugung von seiner Berufung eine besondere persönliche Bindung zu Gott her. Es gibt sogar Orden, die sich ganz der Anbetung verschrieben haben. Anbetung und Besinnung auf Gott halten aber auch die tätigen Ordensleute für unerlässlich, um ihren Dienst gemäß ihrer Überzeugung ausüben zu können. Eine besondere Form der Anbetung ist für Katholiken das Gebet vor dem in einer Monstranz ausgesetzten Allerheiligsten, der geweihten Hostie.

Hier beginnt eine Geschichte in der Geschichte der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, deren Mutterhaus in Münster-Hiltrup direkt neben dem vom Orden getragenen Herz-Jesu-Krankenhaus liegt. Seit dem Osterfest des Jahrs 1936 findet täglich zehn Stunden lang in einer kleinen Kapelle innerhalb der Mutterhauskirche Anbetung vor dem Allerheiligsten statt. Viermal im Jahr gibt es auch Zeiten mit nächtlichen Anbetungen. Mindestens zwei der Missionsschwestern beten nach einem festen "Dienstplan" immer zwei Stunden lang.

Eine von ihnen ist Schwester M. Ludwina Sälzer MSC, Jahrgang 1935. Sie erzählt, wie es zur bischöflichen Erlaubnis der täglichen Anbetung kam. Kein Geringerer als Clemens August Graf von Galen, der damalige Bischof von Münster, hatte sie erteilt. Die Generaloberin, Mutter Electa (1879-1941), war 1936 zu Besuch beim Bischof, der sie im Lauf des Gesprächs fragte, ob er ihr einen Wunsch erfüllen könne. Ohne Zögern bat sie um die Erlaubnis für tägliche Aussetzung und Anbetung des Allerheiligsten in der Kapelle des Mutterhauses. Der Bischof war skeptisch. Sr. Ludwina erzählt weiter: "Er fragte: Können Sie das als tätige Ordensgemeinschaft denn durchhalten? Und Mutter Electa antwortete: Wir haben es schon lange vor dem geschlossenen Tabernakel geübt. – So begann am 12. April 1936 die tägliche eucharistische Anbetung."

Die Augen der zerbrechlich wirkenden, aber agilen Ordensfrau leuchten: "Unsere Intentionen waren immerwährender Dank, Anbetung des Herzens Jesu und das Gebet für die Kirche, den Papst, die Diözese und den Bischof, für alle Menschen und unsere Ordensgemeinschaft."

Der Orden der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu war im Jahr 1900 von Pater Hubertus Linckens MSC in Münster-Hiltrup als Entsprechung zur Gemeinschaft der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu gegründet worden. Der Orden ist in 17 Ländern mit 750 Schwestern tätig. Zur Zeit leben im Mutterhaus in Hiltrup 136 Missionsschwestern in kleinen Kommunitäten. Viele sind schon älter. Von ihnen weiß Schwester Ludwina: "Gerade für die Schwestern, die nicht mehr im aktiven Dienst sind, ist dieses Gebetsapostolat wichtig."

Gruppen, die im Mutterhaus Exerzitien abhalten, werden selbstverständlich eingeladen, an der Anbetung teilzunehmen. Schwester Ludwina gestaltet nicht selten besondere Andachten für sie in der Anbetungskapelle.

Sie weiß um viele Lebenssorgen, die die Menschen umtreiben. Als Lehrerin hat sie, nach drei Jahren an einer Sonderschule in Dormagen, 27 Jahre lang in Coesfeld gewirkt. Sie hat einige naturwissenschaftliche Fächer unterrichtet, zunächst aber nicht Religion. Das hatte – zusätzlich zu ihrem fröhlichen Wesen – ihre Kollegen so beeindruckt, dass sie zu hören bekam "Eine Nonne und kein Reli ...!" Aber sie absolvierte dann doch ein Zusatzstudium und gab fortan auch Religionsunterricht. Da sie es auch nützlich fand, sich mit Musik ein wenig auszukennen, eignete sie sich im Lauf der Jahre auf diesem Gebiet vieles im Selbststudium an. Sie war eine so beliebte Lehrerin, dass sie auch nach 15 Jahren Ruhestand noch Besuch von ehemaligen Schülern und Einladungen zu deren Familienfeiern bekommt.

Nach ihrer Pensionierung stand für Schwester Ludwina fest: "Ich möchte so gern draußen bleiben." Draußen, also in der Welt. Sie suchte nach einer Beschäftigung an einem Ort, den sie mit dem Fahrrad erreichen konnte, da sie keinen Führerschein hat.

Der damalige Pfarrer der St.-Anna-Gemeinde in Münster-Mecklenbeck, Felix Lenfers, hatte von der tatendurstigen Ordensfrau gehört und sie eingeladen. Ihr Versuch, sich die Gemeinde einmal "inkognito" anzusehen, gelang nicht ganz, denn sie wurde von Felix Lenfers mit offenen Armen begrüßt. Zuvor hatte sie die wöchentlichen Informationen der Gemeinde gelesen und den Eindruck gewonnen, dass es für sie Betätigungsfelder gebe. Seither erteilt sie Religionsunterricht in der Peter-Wust-Grundschule und kümmert sich um die Senioren der Gemeinde, die immer donnerstags im Haus St. Benedikt Gottesdienst feiern.

Was sie in Schule und Gemeinde erfährt, nimmt sie mit in ihr Gebet in der Anbetungskapelle. Sie weiß um die Kraft des fürbittenden Gebets und ermutigt auch die Kinder der Grundschule dazu. So ist sie immer bereit, persönliche Gebetsanliegen, die die Kinder ihr vortragen, in die Fürbitten der Schulgottesdienste einzubinden. Gerührt erzählt Schwester Ludwina, dass kürzlich ein Drittklässler zu ihr kam, weil seine Großmutter in "ihrem" Krankenhaus sei und er sich so um sie sorge. Sie versprach, die Großmutter zu besuchen, und schlug vor, ihr einen Brief von ihrem Enkel mitzubringen. Den hat sie dann mit ihrem Fahrrad mit wehendem Schleier nach Hiltrup gefahren.

Die zugewandte und so offene wie bescheidene Ordensfrau trägt aber nicht nur alle Gebetsanliegen der Schüler und Senioren vor Gott, sondern sie kann selbst auch immer wieder im Gebet auftanken: "Die eucharistische Anbetung ist eine Quelle der Kraft für den Tag." Die will sie mit den Menschen teilen, die sich ihr anvertrauen und denen sie begegnet.

Schwester Ludwina erinnert sich an ihre erste Zeit in Hiltrup. Nach ihrem zweiten Staatsexamen hatte sie sich für ein Leben im Kloster entschieden. Damals bedeutete das noch, sich von ihrer Familie für immer zu verabschieden. So litt sie in der ersten Zeit sehr unter Heimweh. Trost suchte und fand sie in der Anbetungskapelle, in die sie sich oft zurückzog. Seit vier Jahrzehnten ist der Kontakt zur Familie erlaubt, und sie nimmt regen Anteil am Leben ihrer Geschwister und deren Kinder und Enkel. Nun sind schon 56 Jahre seit ihrer Profess vergangen, und Schwester Ludwina ist in Hiltrup ganz zuhause. Mehr als zwei Drittel der 77 Jahre, die die eucharistische Anbetung der Missionsschwestern schon währt, hat sie mitgebetet.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Eucharistie
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Anbetung
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Text: Claudia Maria Korsmeier | Foto: Claudia Maria Korsmeier in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
07.08.2013

    1. Dossier: Eucharistie

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand