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02.10.2014
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Referent Ulrich Laws.

Referent Ulrich Laws.

Tagung fragt: "Trauern und sterben Kinder anders?"

"Sterbende Kinder suchen vor allem nach Normalität"

Bistum. Anna starb mit zehn Jahren an Leukämie, Dominik erlag mit 14 Jahren der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Auf ihrem leidvollen Weg begleitete Ulrich Laws, Pfarrer an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln, die beiden und viele andere Kinder sowie deren Familien. "Ich möchte sterbenden und gestorbenen Kindern eine Stimme geben", leitete er seinen Vortrag ein beim 11. Nordwestdeutschen Hospiztag am Dienstag (04.06.2013) in Münster. Das Treffen in der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus befasste sich mit der Frage "Trauern und sterben Kinder anders?".

Ihr Kind ist unheilbar krank – dieser Satz reißt Familien ins Bodenlose. Nichts trifft eine Mutter und einen Vater härter, als wenn ihr Kind ernsthaft erkrankt und sterben muss. Schätzungen zufolge werden jährlich in Deutschland etwa 3.000 Eltern mit dieser unfassbaren Diagnose konfrontiert. Ihren Schmerz könne niemand lindern, berichtet der Theologe aus seiner Erfahrung. Zur Akzeptanz der Situation gehöre das Durchleben des Schmerzes.

"Sie wollen alles auskosten"

"Sterbende Kinder und Jugendliche suchen vor allem nach Normalität. Das bedeutet für sie Stabilisierung", sagte Laws. Oft hätten sie konkrete Wünsche an das Leben, das ihnen noch bleibt. Wenn sie sterben, spürten sie den Verlust der Zukunft. "Daher wollen sie alles auskosten, etwas erleben. Da ticken sie wie alle anderen Kinder und Jugendlichen auch."

So bettelte ein sechsjähriger Junge: "Noch einmal möchte ich Fußball spielen." Und Ärzte und Pflegeteam erfüllten den Wunsch mit einem Match auf der Station. Die Eltern von Dominik unternahmen mit ihm eine Reise in die Türkei, wo er immer gern gewesen war. Auf einer Ansichtskarte ließ der 14-Jährige das Klinikteam wissen: "Ich bin gesund, es geht mir gut." Der Junge habe über Jahre gegen die Krankheit angekämpft. Obwohl er um seinen Zustand bestens Bescheid gewusst hätte, habe er sich geweigert, über Sterben und Tod zu reden. "Ich kann mich damit nicht aufhalten", habe er gesagt. "Ich brauche jetzt alle Kraft zum Leben." Die Beispiele zeigten: Kinder blieben auch angesichts der Endlichkeit dem Leben sehr nah – anders als Erwachsene.

Kann ich mich auf Gott verlassen?

"Wieso lässt Gott Tiere und Menschen sterben?" Auf diese Frage von Anna antwortete der Geistliche bewusst nicht mit tröstenden Worten wie "Das wird schon wieder". Denn er hatte die "Botschaft hinter der Nachricht" erkannt. Anna wollte wissen: Was geschieht mit mir, wenn ich sterbe? Kann ich mich da auf Gott verlassen? Anna war Messdienern, bevor sie erkrankte. Es habe sich ein intensives Gespräch entwickelt.

Sobald Kinder Fragen des Lebens stellen, sollten Trauerbegleiter sensibel, offen, authentisch reagieren – ihnen auf Augenhöhe begegnen. Selbst wenn sich keine Antworten finden ließen, seien der Austausch und das Sich-Öffnen für Gefühle wie Ohnmacht,Wut und Hilflosigkeit wichtig. Oft entstünden dann in den Kindern Hoffnungsbilder auf ein "Mehr" nach dem Leben auf Erden. Kinder, die sterben müssten, reiften schneller in ihrer geistigen Entwicklung. "Sie finden erstaunliche Formulierungen und äußern tiefgründige Gedanken, auf die ein Erwachsener gar nicht kommen würde."

Endlichkeit annehmen – dem Leben begegnen

In der Annahme der Endlichkeit dem Leben zu begegnen – das habe er von sterbenden Kindern erlernt und zum Credo seines Wirkens erhoben, berichtete Laws. Für die Trauerarbeit bedeute dies, mit der "unabänderlichen Wirklichkeit" angemessen umzugehen. So spürten todkranke Kinder die Belastung, die ihr Sterben für ihre Familie darstellt. Sie machten sich Sorgen um ihre eigene Zukunft, aber auch um die der Familie. Es sei ein langer Weg, den drohenden Verlust zu akzeptieren. Doch das Zulassen entlaste die Kinder. So habe es Annika sehr geholfen, als ihre Eltern mit ihr vereinbarten: "Wenn du gehen willst, dann darfst du gehen, aber erlaube uns, darüber traurig zu sein."

Anna ließ sich drei Tage vor ihrem Tod beim Kinderfestder onkologischen Abteilung bunt schminken. Auf ihrer Stirn leuchteten bedrohliche Blitze – womöglich ein Sinnbild des Schreckens über ihre Erkrankung und den nahen Tod. "Doch als sie sich umdrehte, lachte mir ein Smiley auf ihrem Hinterkopf entgegen." Anna, so vermutet der Pfarrer, wollte offenbar jedem sagen: "Lebe und freue dich."

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