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24.05.2016
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Überführung Lettmann

Empfang im Paradies: Bischof Felix Genn und das Domkapitel am Sarg des verstorbenen Reinhard Lettmann.

Reinhard Lettmann in den St.-Paulus-Dom überführt

Durch die "Himmelspforte" in "seine Kathedrale"

Bistum. Es ist ruhig. Für diesen Augenblick steht das Leben auf dem Domplatz in Münster still. Hier, wo sich im Schatten des St.-Paulus-Doms noch bis vor wenigen Stunden die Menschen auf dem großen Wochenmarkt drängelten, bewegt sich in diesem Moment keiner mehr. Sie haben ein Spalier gebildet. Sie warten auf Bischof Lettmann, sie warten auf wichtige Stunden des Abschieds. Es ist Mittwoch (24.04.2013), kurz vor 18 Uhr.

Der Weg des Leichenwagens geht vom Bischofshaus zum Haupteingang des Doms. In einem benachbarten Vorhof blüht ein großer Magnolien-Baum. Jene Blüten, die auch Bischof Lettmann als Boten des Frühlings so liebte. Die warme Luft hat in diesem Jahr lange auf sich warten lassen. Reinhard Lettmann kann sie nicht mehr atmen. Der Verstorbene wird für die Feierlichkeiten zu seinem Abschied in den Dom von Münster überführt.

Mehrere hundert Gläubige

Die Kardinalsglocke im Westturm der Kathedrale läutet – wie zu jeder vollen Stunde seit dem Tod des Bischofs am Dienstag (16.04.2013). Der dumpfe Klang erreicht die Menschen, die vor und im Dom auf Reinhard Lettmann warten. Sie sind zu Hunderten gekommen, um ihn auf diesem Weg zu begleiten. Der Leichenwagen stoppt vor dem Eingang zum großen Westportal – vor dem "Paradies".

Bischof Felix Genn, das Domkapitel und die Klarissen am Dom nehmen den Verstorbenen in Empfang. Ein berührender Moment an einem symbolträchtigen Ort. Als Zugang zum Dom ist das Paradies gleichsam "Porta Caeli" – "Himmelspforte". Eingerahmt von den zwölf Aposteln wacht die Statue von Jesus Christus über der Doppeltür zum Dom-Inneren.

Mit Weihrauch und Weihwasser segnet Bischof Genn den Verstorbenen. Dann ein Lied mit viel Bedeutung: "Eine große Stadt ersteht". Sie singen von der einenden Kirche und vom himmlischen Jerusalem, das vom Licht Gottes erhellt wird. Bischof Lettmann begleitet es auf seinem Weg zur letzten Ruhestätte.

Klare Zeichen

Hier wird ein toter Bischof in den Dom überführt, in die Mutterkirche des Bistums, dorthin, wo er als Bischof zelebrierte. Die Zeichen sind klar: Direkt vor dem Sarg sein Primizkelch, seine Mitra und sein Bischofsstab. Die Krümme zeigt nach unten. Der Verstorbene wird von einer langen Prozession begleitet.

Der Weg geht durch den Kreuzgang in die Marienkapelle. Dorthin, wo Lettmann in seiner Zeit als Bischof von Münster ungezählte heilige Messen begonnen hat. Heute warten Kerzen und Blumengestecke auf ihn. Seinen Platz findet er durch das Spalier des Domkapitels vor dem Altar. Die Ehrenwache bezieht Position neben dem Sarg. Die Mitra steht auf dem Deckel.

Ein Weg der Hoffnung

Ein kurzer Gottesdienst mit Lesung, Gesang und Gebet folgt. Das gemeinsame Vaterunser hallt durch den Kreuzgang. Und ein Marienlied: "...durch diesen Glanz der Gnaden sind wir aus Todes Schatten, kommen zum wahren Schein." Zeilen über die zentrale Hoffnung des Glaubens. Die findet sich auch in den Psalmen wieder, die gebetet werden: "Wie liebenswert ist deine Wohnung" (Psalm 83). "Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern" (Psalm 121).

"Gott, du weißt, wie er für dich und die Menschen gewirkt hat", sagt Bischof Felix Genn in einem abschließenden Gebet. Gott kenne den Einsatz des verstorbenen Bischofs, wie auch dessen Erfolge und sein Versagen. "Führe alles zum Guten und schenke ihm den Lohn für seinen Dienst – in deinem Lichte lass ihn schauen, was er im Glauben bezeugt hat." Eine tiefe Zuversicht, mit der Lettmann seinen Weg angetreten hat.

Für einen Augenblick verharrt Bischof Genn im stillen Gebet vor dem Sarg. Dann ist die Liturgie zu Ende. Der Abschied aber geht weiter. Felix Genn und das Domkapitel haben Platz gemacht für die vielen Menschen, die gekommen sind, um "Lebewohl" zu sagen. Lang ist die Schlange, die sich im Kreuzgang vor der Tür zur Marienkapelle bildet. Die Momente der Einzelnen vor dem Sarg können deshalb nur kurz sein. Doch es sind innige Moment, in Erinnerungen, im Gebet, auch in Tränen – bis spät in den Abend.

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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
24.04.2013

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