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17.01.2018
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Regina Laudage-Kleeberg.

Zwischen Koran und Bibel: Nur wer den anderen kenne, könne gemeinsam leben, sagt Regina Laudage-Kleeberg.

Regina Laudage-Kleeberg und die neue Fachstelle im Bistum

Christen und Muslime: Das Gespür für den anderen

Bistum. Zu Beginn war es lediglich ein zurückhaltendes Interesse, das ihr den Dialog mit Musliminnen und Muslimen näher brachte. Sie sei in "Gostanbul" zur Schule gegangen, sagt Regina Laudage-Kleeberg augenzwinkernd. So habe man den Stadtteil Gostenhof in Nürnberg scherzhaft genannt, in dem sie das Gymnasium besuchte. "Weil so viele Menschen dort lebten, die aus anderen Ländern zugezogen waren." Im Unterricht hätten meist türkischstämmige Jungen in der Bank hinter ihr gesessen. "Dass ich nicht verstand, über was sie sich unterhielten, hat mich immer sehr geärgert."

Türkisch hat sie mittlerweile gelernt. Das lag auch an einem Rat, den ihr der Vater nach ihrem Abitur gab, als es um die Wahl des Studienplatzes ging. Sie wollte Theaterwissenschaften studieren und Volkswirtschaftslehre. "Das eine, weil ich es cool fand, das andere, um Geld zu verdienen." Ihr Vater, Professor für Mittelalterliche Geschichte, aber gab ihr einen anderen Tipp: "Studiere das, was dich wirklich interessiert, und mache das sehr gut."

Und so wählte sie die Religionswissenschaft als Studienfach. Zum einen gefiel ihr die vielseitige Ausrichtung des Studiums. "Es gab Ansätze in der Philosophie, in der Geschichte, in verschiedenen Sprachen ...", zählt sie auf. Viel wichtiger aber sei ihr diese Wahl gewesen, weil es "irgendwie auch eine Wissenschaft vom Menschen" sei. "Religion geht jeden etwas an – auch wenn er seinen Glauben nicht genau formulieren kann", sagt die 26-Jährige. Das habe sie immer dann gespürt, wenn sie von ihrem Studienfach berichtete. "Die Leute haben sofort von sich und ihrer Einstellung zu Glaubensfragen erzählt, oft mit dem Tenor: Ich finde Religion echt gut, aber irgendwie kann ich nicht glauben."

Türkische Sprache öffnet Türen

Ein Studium mitten im Leben der Menschen – und auch mitten in ihrem Leben. Denn nach und nach entdeckte sie dabei ihre Neugier gerade für die anderen Weltreligionen. Besonders das Judentum hatte es ihr angetan, ab dem vierten Semester lernte sie auch Hebräisch. Doch auch die aktuelle Diskussion rund um den Islam in Deutschland der vergangenen Jahre ließ sie aufhorchen. "Am Anfang war die Auseinandersetzung mit dem islamischen Glauben eine ganz praktische Entscheidung", gibt sie zu. "Denn ein Magister in Religionswissenschaft ist im Grunde ein klassischer Taxi-Fahrer-Abschluss." Fachkräfte für den Dialog mit den Muslimen in Deutschland wurden aber immer mehr gesucht.

Zu dieser rationalen Entscheidung kamen schnell emotionale Erlebnisse. Gerade die türkische Sprache habe ihr viele Türen geöffnet, hinter denen sie herzlich empfangen worden sei. "Die Menschen freuten sich ihres Lebens, wenn sie meine wenigen Worte in ihrer Landessprache hörten – das war die größte Anerkennung für sie."

Aus ihrem Interesse wurde immer mehr Begeisterung für die Begegnung mit den Muslimen. Die brachte sie unter anderem auch für ein Semester nach Istanbul. Wo sie immer mehr erleben konnte, wie weit die öffentliche Wahrnehmung des Islam in Deutschland gerade in den Jahren nach den Anschlägen auf das World-Trade-Center 2001 von der Wirklichkeit des muslimischen Lebens entfernt war. "Es waren zwei Stränge", erklärt sie. "Auf der einen Seite die oft aggressive mediale Aufarbeitung internationaler Ereignisse rund um den radikalen Islamismus, auf der anderen Seite eine Glaubensgemeinschaft mit ihren vielfältigen religiösen und kulturellen Werten."

Gefahr der Ausgrenzung

Eine solche Differenzierung kam in der Breite aber nicht an. Und sie sei auch heute noch "verwaschen", sagt Regina Laudage-Kleeberg. In den Köpfen hätten sich leider Stereotype festgesetzt, die "absoluter Quatsch" seien. Sie kennt Studien, in denen deutlich werde, dass mehr als die Hälfte der Deutschen die Muslime als rückständig und gewaltbereit einschätzten. "Die Gefahr dabei ist die Ausgrenzung dieser Menschen – und das ist das Schlimmste, was ihnen passieren kann."

Genau um das zu verhindern, sitzt sie mit so viel Begeisterung als Referentin in der neuen Fachstelle "Christen und Muslime" im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Zwar nur mit einem Stellenumfang von 25 Prozent, aber mit viel Unterstützung ihrer erfahrenen Helfer. "Eigentlich gibt es die Fachstelle schon lange", sagt sie mit Blick auf das jahrzehntelange Engagement von Pfarrer Dr. Ludger Kaulig aus Ahlen und Propst Rainer Irmgedruth aus Beckum. "In meiner Funktion bin ich hier, um ihre Arbeit zu unterstützen und zu vernetzen."

Es gehe ihr darum, eine "Sensibilität für den Islam Realität werden zu lassen". In den einzelnen Feldern der Seelsorge, wie etwa in der Schule, in den Krankenhäusern oder in im Seniorenbereich, genauso wie in den Pfarrgemeinden. Dort müsse Wissen, Wahrnehmung und Kommunikation gefördert werden. Zum Opferfest schrieb sie den Pfarrern im Bistum einen Brief, dass diese ein Grußwort an die Muslime in der Gemeinde schreiben könnten. "Eine Gratulation zu diesem viel wichtigeren islamischen Fest als das bekanntere Zuckerfest kann viel in Bewegung bringen."

Es solle dabei nicht um eine Vermischung der Religionsgemeinschaften gehen, unterstreicht Laudage-Kleeberg. "Sondern um ein Herausarbeiten von Unterschieden mit gleichzeitigen Verständnis dafür." Darin müsse man auch aushalten können, dass dort jemand sei, der eben nicht an die Geburt Jesus von einer Jungfrau glaube. Nur so könne eine gemeinsame Gesellschaft entstehen und nicht die "oft propagierte Parallelgesellschaft".

Sie nennt ein markantes Beispiel für die weit verbreitete "ängstlich-ablehnende Einstellung" gegenüber den Muslimen. Fast jeder könne sich dabei an die eigene Nase fassen, sagt sie. "Wenn man eine Ordensfrau mit Schleier sieht, denkt man als erstes, dass sie einen guten Draht zu Gott hat – wenn Deutsche aber eine verschleierte Muslimin sehen, denken sie, sie werde von ihrem Mann unterdrückt."

"Haltlose Vorurteile"

Sie kennt viele dieser Vorurteile, "die einfach haltlos sind". Sie kenne aber auch die Angst vieler Menschen vor dem Stolz der Muslime, ihren Glauben zu leben. "Da ist jemand religiös tief verankert." Vielleicht wecke das bei nicht wenigen eine tiefe Sehnsucht nach so einem Halt und mache die eigene Unsicherheit ohne festes religiöses Fundament deutlich. "Eine Auseinandersetzung mit einem anderen Glauben ist auch immer eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben."

Nicht nur deshalb sei Kirche in dem Dialog mit den Muslimen eine wichtige Akteurin. "Von unserer Grundidee müssen wir uns für eine Gesellschaft stark machen, in denen alle Menschen gleichberechtigt ihren Platz haben und keiner ausgegrenzt wird." Und auf die Frage, wie das gelingen könne, habe gerade die Bibel konkrete Vorschläge, sagt Laudage-Kleeberg und greift zum in Holz gefassten Bibelvers auf ihrem Schreibtisch: "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12,21)." Wobei mit dem Bösen nicht die Muslime gemeint seien, macht sie sofort deutlich. "Sondern die Angst vor ihnen."

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedNeue Referentin in der Fachstelle "Christen und Muslime" (05.09.2012)
  2. undefinedWie unsere Nachbarn glauben: Ein Muslim (16.01.2013)

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bistum-muenster.de (Fachstelle Christen und Muslime)

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
30.01.2013

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