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25.06.2018
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Necati Bilgin.

Blickrichtung Mekka: Necati Bilgin vor der Gebetsnische in der türkisch-islamischen Ditib-Moschee in Gladbeck, Kreis Recklinghausen.

Wie unsere Nachbarn glauben

Fünf Gebete und fünf Säulen

Gladbeck. "Wir glauben an denselben Gott." Von dieser Gemeinsamkeit zwischen Christen und Muslimen ist Necati Bilgin überzeugt. Er erinnert daran, dass der Islam auch in Jesus einen Propheten des einzigen Gottes sieht. Und diesen benennen die Muslime weltweit in arabischer Sprache: Allah.

Der Glaube an Allah prägt Bilgins Alltag: "Ich versuche zu beten." Der 34-Jährige betont das nicht ohne Grund, denn einfach ist das nicht. Während Christen mitunter einfach kurz innehalten und beten, womöglich ohne sich zu bekreuzigen, ist das Gebet der Muslime im Vergleich aufwändiger.

Fünfmal am Tag sollen Muslime beten. Dieses Gebot ist eine der fünf "Säulen" des Islam. Die erste ist das Bekenntnis zu Allah und zu Mohammed, seinem Propheten, die weiteren sind das Gebet, das Fasten, das Almosengeben und die Pilgerfahrt nach Mekka.

Das Gebet soll möglichst mit einer Waschung beginnen – genauso wie die private Lesung im Koran. Bei der rituellen Waschung werden je dreimal Mund, Nase, Gesicht und Arme mit einer Handvoll Wasser benetzt. Je einmal kommen auch der Kopf, die Ohren und die Füße mit Wasser in Berührung. Dieses aufwändige Ritual ist im Alltag nicht vor jedem Gebet zwingend, wohl aber, wenn ein Muslim seit der letzten Waschung die Toilette benutzt hat, oder wenn er aus anderen Gründen "unrein" ist.

Nach dem Waschen breiten Muslime einen Gebetsteppich aus, wenden sich in Richtung der Stadt Mekka und beginnen das Gebet. Auf das "Allahu akbar" folgt die erste Sure des Korans, "al-Fatiha", ein Lob- und Bittgebet. Danach betet jeder Muslim weitere Koranverse seiner Wahl in der Stille.

Die Gebetszeiten richten sich nach der Sonne, sie werden für jeden Tag festgelegt. Vor Sonnenaufgang sind vier Suren vorgesehen, nach Höchststand der Sonne zehn, am Nachmittag acht, kurz nach Sonnenuntergang fünf, abends 13 Suren. Nichts also, was "mal eben" erledigt wäre, auch wenn es einen "Pflichtteil" für den Alltag gibt, wenn ein Muslim etwa bei der Arbeit oder auf auswärtigen Terminen ist: zwei, vier, vier, drei und vier Suren.

Doch auch dieses "Pflichtgebet" will eingeplant sein: "Ich bete zum Beispiel in der Mittagspause", beschreibt Bilgin. Dann halte er oft sowohl das Mittags- wie das Nachmittagsgebet, was erlaubt sei. Auch an Arbeitstagen will er sich nicht vom Gebet abhalten lassen: "Ich schaffe das schon."

Nicht leicht einzuhalten ist das Freitagsgebet. Um teilzunehmen, braucht es einen kooperativen Chef: "Wenn er es erlaubt, lege ich meine Mittagspause so, dass ich die Moschee besuchen kann", sagt Bilgin. Das habe nicht bei allen bisherigen Vorgesetzten geklappt.

"Das Freitagsgebet kann man nicht allein abhalten", erläutert er. "Man braucht einen öffentlich zugänglichen Raum, einen Imam und mindestens drei Gläubige." Wenn er nicht am Freitagsgebet teilnehme, "dann fehlt es mir. Wenn ich dabei bin, weiß ich, dass ich etwas Gutes und Richtiges tue."

Zwei- oder dreimal pro Woche greift Bilgin privat zum Koran. "Da versuche ich selbst, das Geschriebene zu verstehen." Obwohl Deutsch und Türkisch Muttersprachen des 34-Jährigen sind, liest er den Koran im arabischen Original, zusätzlich auf Türkisch. "In der Freitagspredigt weist mich dann noch der Imam auf Dinge hin, die wichtig sind."

In der Gladbecker Ditib-Moscheegemeinde wird versucht, in jeder Woche den Koran einmal komplett zu lesen. "Jeder, der mitmachen möchte, liest zu Hause etwa 20 Seiten."

Neben dem Glaubensbekenntnis und dem Gebet steht als "dritte Säule" des Islam das Fastengebot. Im Ramadan dürfen Muslime zwischen Sonnenauf- und -untergang weder essen noch trinken. Da sich der Islam nach dem Mondkalender richtet, kann der Fastenmonat mitten im Sommer liegen, bei Sonnenaufgang vor fünf und Untergang nach 21.30 Uhr.

"Allah gibt mir Kraft"

Und bei 30 Grad Hitze? "Wenn mein Körper vorbereitet ist, schaffe ich das", sagt Bilgin. Natürlich sei es beim ersten Mal hart, und wer zum Beispiel durch Krankheit geschwächt sei, müsse nicht fasten. Aber: "Ich halte den Ramadan ein. Allah gibt mir Kraft dazu."

Das Almosen ist die "vierte Säule" des Islam. "Zuerst bin ich verpflichtet, meiner Familie, auch entfernten Verwandten zu helfen", erläutert Bilgin. "Wer keine Familie hat, kann sich in in vielen Moscheen an Spendenaktionen beteiligen, etwa für Muslime in Not in anderen Ländern."

Die "fünfte Säule" schließlich ist die Fahrt ins saudi-arabische Mekka zum Opferfest, dem höchsten islamischen Feiertag. Jeder Muslim soll mindestens einmal im Leben dort gewesen sein. Necati Bilgin war 2006 in Mekka: "Das war ein berührender Moment, mit so vielen Muslimen gemeinsam an unserem heiligen Ort zu sein. Dort, wohin die Muslime seit Jahrhunderten pilgern."

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