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10.12.2018
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Kapuzinerkloster.

Glauben im Zuhören "aufflackern lassen": Hildegard Beusker, Pater Norbert Poeschel, Eva Rösner und Pater Romuald Hülsken vom Gesprächs-Team im Kapuzinerkloster in Münster.

Wie Gott zu den Menschen kommt (4)

In der Krise gesucht, in der Not gefunden: Glaube

Münster. Das ist nicht einfach. Auch wenn das Faltblatt der Kapuziner in Münster genau mit diesem Wort wirbt: "Einfach mal mit jemandem sprechen." Die Einladung gilt zwei Mal die Woche, nachmittags, das ganze Jahr. Ein Team mit acht Gesprächspartnern steht hinter der Klosterpforte für alle Menschen bereit, die sprechen wollen. "Einfach mal" das offene Ohr suchen, einen Menschen finden, der fernab von allen Zwängen dasitzt und zuhört.

"Es bleibt trotzdem ein mutiger Schritt, sich zu öffnen", weiß Hildegard Beusker. Die Lehrerin arbeitet sei vielen Jahren in einer Praxis für psychosoziale Beratung und Familientherapie. Mehrmals im Monat sitzt sie im Kapuzinerkloster und trifft Menschen, die diesen Schritt wagen. "Es sind schwelende Sorgen, keine zugespitzten Krisen, in denen sie kommen." Unsicherheiten im Leben führten sie an einen Punkt, der einen tieferen Blick einfordere. "Letztlich geht es dann um Sinn- und Wertfragen."

Es sind konkrete Alltagsprobleme, "handfeste" Sorgen, die aber im Alltäglichen nicht mehr bewältigt werden können. "Ein Unwohlsein tief drinnen hat sie auf die Suche geschickt." Die gesamte Bandbreite des menschlichen Lebens sei thematisch vertreten, Partnerschaftsprobleme sehr häufig.

Dass Antworten in einem Kloster gesucht werden, sei oft ein bewusster Schritt, weiß Pater Norbert Poeschel. Auch er gehört zum Team der Gesprächspartner und sieht in dem Angebot einen wichtigen "Lückenschluss". "Zum einen ist es keine Therapie, keine langfristig angelegte Gesprächsstrategie oder eine geplante Beratungssituation, sondern zumeist ein punktueller Kontakt, um sich Dinge von der Seele zu reden – das gibt es so sonst kaum." Zum anderen werde das Gespräch bewusst in den Räumen eines Klosters gesucht, weil dort ein Ort vermutet werde, "in dem irgendwie auch der Glaube eine Rolle spielt".

250 Menschen nehmen das Angebot im Jahr wahr, einige kommen von weither. Die Möglichkeit, aus diesem Gespräch mehr werden zu lassen, besteht, sagt der Pater: "eine längere geistliche Begleitung, die Chance, im Anschluss zu Therapie-Angeboten weiterverwiesen zu werden oder in Beratungsstellen Hilfe zu finden." Das Gespräch habe aber in der Regel nicht den Charakter, eine langfristige Krisenbewältigung anzustoßen. Vielmehr stehe für die Menschen die Möglichkeit im Vordergrund, in einem gewissen Abstand zum eigenen Umfeld und in einer hilfreichen Anonymität die belastenden Dinge beim Namen zu nennen.

Nicht selten reichen diese 60 Minuten, um die entscheidenden Hürden zu nehmen. "Denn wer wertschätzend und offen zuhört, kann bei den Menschen viel in Bewegung setzen", sagt Eva Rösner. Die Diplompsychologin gehört ebenfalls zum Gesprächsteam. Durch diese immer weniger gegebenen Möglichkeit, könne der Gast sortieren, Einschätzungen neu finden und sein Handel überdenken. "Oft können sie dadurch schon durchatmen und die Probleme neu angehen."

Entscheidend sei dabei für viele Gäste das Wissen, dass dort jemand sei, der glaube. "Die meisten haben einen religiösen Hintergrund und fragen sich, wie sie ihre Situation meistern können – auch mit Blick auf Gott", sagt Hildegard Beusker. Dabei reiche allein die Atmosphäre. "Wir müssen nicht thematisieren, Maßnahmen erarbeiten oder Ratschläge geben – die Menschen kommen nicht, um etwas zu hören, sie haben ihr eigenes Thema." Auch Gott müsse man nicht explizit "ins Spiel" bringen: "Wir sitzen zu zweit zusammen – in einem Kloster – da sind wir uns stillschweigend einig, dass auch Gott dabei ist."

Deshalb sind die Gespräche immer auch Glaubensgespräche. Vielleicht noch etwas mehr, wenn die fünf Kapuziner im Team angesprochen werden. Einige fragen, ob sie zum Abschluss ein gemeinsames Gebet sprechen können. Aber auch das "Gott segne dich" zum Abschied kann ein Strahlen in ein Gesicht bringen.

Wenn die Menschen gehen, haben sie meist nicht viel zu hören bekommen. "Es ist keine Katechese", sagt Pater Norbert. "Wir schlagen ihnen nicht die Bibel um die Ohren." Es gebe schon in anderen Situationen  viele "Wahrheiten", die aber mit dem eigenen Leben nur wenig zu tun hätten. "In unseren Gesprächen ist das anders."

Allein im Zuhören als Mensch mit christlichem Hintergrund stecke eine große Ausstrahlung, sagt Beusker. "Wir bieten damit einen Raum, in dem Christsein erlebbar wird." Die Antwort auf die häufige Frage an sie, warum sie dieses ehrenamtliche Angebot mache, verdeutliche das: "Wir machen im wohltuenden Sinn Ernst mit der Nachfolge Jesu." Der Kern des christlichen Glaubens, die Nächstenliebe, werde nicht erklärt, aber spürbar. Und öffne die Tür für einen neuen Hintergrund, vor dem Lebensfragen wieder neu gestellt und beantwortet werden können.

Pater Norbert hat erlebt, wie weit das führen kann. Als ein werdender Vater ihm mit großer Sorge von seinem Kind berichtete, das schwer krank zur Welt kommen würde, schenkte ihm der Kapuziner einen kleinen Engel zum Abschied. Ein Zeichen, das der Vater mitnahm in die schweren folgenden Wochen. Mittlerweile ist das kranke Kind operiert und erfreut sich guter Gesundheit. Die Familie fand neuen Zugang zum Glauben und engangiert sich mittlerweile intensiv in der Pfarrgemeinde. Und der Engel wandert immer noch über die Station für herzkrankte Kinder, auf der auch der Sohn Hilfe fand. Für Pater Norbert eines seiner eindrucksvollsten Erlebnisse in der Seelsorge: "Hier wurde Glaube in der Krise gesucht und in der Not gefunden."

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kapuziner.de

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
20.12.2012

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