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15.11.2018
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Paul Deselaers.

Paul Deselaers im Garten seines Pfarrhauses in Greven-Gimbte. Nach 28 Jahren ist er nun als Spiritual im Priesterseminar verabschiedet worden.

Paul Deselaers als Spiritual im Priesterseminar verabschiedet

Hörendes Geleit

Bistum. Wenn er spricht, spricht er so leise, so verhalten, dass selbst sein Sprechen noch nach Hören klingt. Auch wenn keiner etwas sagt in dem kleinen Raum mit zwei betagten Schränken, einer Kniebank, einer Osterkerze von 1984, zwei Stühlen und Blick in den herbstlich bunten Garten – auch dann bleibt Schweigen leicht und Stille weich.

Rings um diesen ruhigen Raum herum ist Pfarrhaus, und drumherum ist Gimbte, ein idyllisches Dörfchen zwischen Münster und Greven, Heimat für weniger als 1.000 Menschen. 600 von ihnen sind katholisch, zu den zwei Messen am Wochenende kommen knapp 200. Ganz ordentlich, gut überm Bistumsdurchschnitt und doch "alles andere als heile Welt". Der Pfarrer, der das sagt, sagt auch, er sei das "ehrenamtlich", seit zehn Jahren. Leise sagt er das, mit einem selbstironischen Lächeln. Der Pfarrer ist Paul Deselaers, der Mann mit der hörenden Stimme. "Hauptamtlich" war er Spiritual im münsterschen Priesterseminar, über 28 Jahre lang. Am vergangenen Sonntag (04.11.2012) verabschiedeten ihn Bischof, Regens und Studierende aus diesem Amt, und der Regensburger Alttestamentler Christoph Dohmen hielt einen Vortrag über die "begründete Hoffnung zu leben". Am Ende einer Dienstzeit kein Resümee, sondern ein weisendes Programm. Ohnehin: "Ruhestand" als neue Lebensstation mutete unpassend an für einen 65-jährigen Geistlichen, der aus der Stille lebt.

28 Jahre als Spiritual – das sind 28 Jahre Begleitung für werdende Diakone und Priester, für viele von ihnen auch lange Zeit und und immer wieder nach ihrer Weihe. Paul Deselaers gab Einkehrtage und Exerzitien für ganze Jahrgänge von Kaplänen und Pfarrern, nicht nur im Bistum Münster. Das wird er weiter machen, allein seine Verpflichtungen im Alltag des Priesterseminars Borromaeum sind nun beendet. Eine ordentliche Portion Wehmut fühlt er von "tiefer Dankbarkeit" überflügelt: "Ich habe immer mit jungen, begabten Leuten zu tun gehabt, die sich völlig ungeschminkt mit ihren Fragen an mich gewandt haben." Deselaers spricht von "unverschämtem Glück", mit Menschen wie Franz Kamphaus und Johannes Bours zusammengearbeitet zu haben – der eine wurde später Bischof von Limburg und war Leiter des Priesterseminars, der andere Spiritual, als Paul Deselaers 1984 von Bischof Reinhard Lettmann zu seinem Nachfolger ernannt wurde – nach drei Jahren als Subregens.

Und was bekommst du?

Was macht so ein "Spiritual"? Paul Deselaers, 1947 als drittes von sechs Geschwistern in Geldern geboren, erinnert sich an Kinderzeiten. Wie das war, wenn der Freund zum Einkaufen geschickt wurde, seine Bestellung abgab und anschließend auch der kleine Paul gefragt wurde: "Und du, was bekommst du?" – "Dann", erinnert sich Paul Deselaers, "sagte man: ›Ich bin nur mit.‹ Genau das ist meine Aufgabe als Spiritual: mit sein." Da lächelt er, dass man meinen könnte, Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten, sei so leicht wie der Gang mit einem Freund zur Wursttheke.

Paul Deselaers wird ernst: "Ich glaube, dies ist derzeit einer der wichtigsten Dienste in der Kirche: Menschen in Einzelgesprächen die Erfahrung unverbrauchbarer Rückendeckung und Orientierung in vertieftem Vertrauen  zu ermöglichen." Wo kirchliche Selbstverständlichkeiten weithin zerbrochen seien, müsse jeder persönlich Entscheidungen treffen – die Priester nicht ausgenommen.
 
Als Deselaers 1984 Spiritual wurde, "waren noch viel mehr religiös sozialisiert, es gab begeisterte Entdeckerfreude im Glauben bis zu weltkirchlicher Weite". Heute kämen Kandidaten später auf den Weg, manchen falle es schwer, dann noch den Blick zu weiten. "Viele fragen sich, ob sie das Amt gut ausfüllen. Damals hingegen war die Herausforderung: Was alles kann ich in diesem Amt bewirken?"

Umso wichtiger ist es Paul Deselaers, "im Hören und Sehen Spuren der Geschichte Gottes mit jedem einzelnen Menschen zu erahnen, die er womöglich selber noch nach gar nicht erkannt hat". Der Pfarrer von Gimbte erinnert an den Pfarrpatron, Johannes den Täufer: "Menschen sind zu ihm gekommen, aber nicht geblieben. Johannes zeigt, wie sie ihre Möglichkeiten leben können. Er verweist auf einen anderen." Das sei auch sein Dienst wie es der Dienst jedes Priesters sei, sagt Deselaers: "Ich bin ›mit‹ ihnen im Zeigen auf Christus." Klar ist auch: In diesem Hinweisen steckt zugleich Herausforderung, Konfrontation.

Das alles bleibt, auch nach seiner Verabschiedung aus seinem Dienst am Priesterseminar an Münsters Domplatz. Am Tag danach hatte er Gespräche zu führen mit Menschen, die sein hörendes Geleit brauchten. Nachmittags kamen Gimbtes Firmlinge. Worauf freut sich Paul Deselaers nach 28 Jahren in der Priesterausbildung? Er lächelt. Und sagt, so kräftig er kann: "Auf jeden neuen Tag."

Buchtipp:

Paul Deselaers
"Weisheit aus der Bibel"
260 Seiten, gebunden, 16,99 €
Herder-Verlag, ISBN 978-3-451-30667-9.

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Text: Markus Nolte | Foto: Markus Nolte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
08.11.2012

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