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27.05.2016
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Thomas Söding.

Thomas Söding fährt als Berater zur Bischofssynode nach Rom.

Interview mit Professor Thomas Söding zur Bischofssynode

"Globale Alphabetisierungskampagne"

Münster. Thomas Söding, in Münster lebender katholischer Neutestamentler an der Universität Bochum, ist zum Berater der bevorstehenden Bischofssynode über die Neuevangelisierung im Vatikan berufen worden. Mit kirchensite.de sprach er im Vorfeld des Treffens vom 7. bis zum 28. Oktober 2012 über seine Aufgaben und Erwartungen.

kirchensite.de: Was bedeutet Neuevangelisierung?

Professor Thomas Söding:  Der Kern ist klar: Neuevangelisierung kommt von dem Wort Evangelium – frohe Botschaft, gute Nachricht. Jesus bringt im Neuen Testament eine neue Botschaft. Es ist etwas Neues passiert: Jesus ist gekommen, hat gelebt, ist gestorben und auferstanden. Das ist einfach neu und diese Neuheit muss verbreitet werden.

kirchensite.de: Was ist der Unterschied zur Missionierung?

Söding: Die Grenzen zwischen Neuevangelisierung und Mission sind fließend. Klassisch kennt man "Mission". Da werden diejenigen mit dem Evangelium bekannt gemacht, die vorher gar nichts davon wussten. Heute haben aber auch viele Getaufte die Worte des Evangeliums wieder vergessen oder noch nie richtig gehört. Trotzdem besteht die Hoffnung, bei der Neuevangelisierung an vergessene Glaubenserlebnisse und -wissen anknüpfen zu können. Ich sehe die Neuevangelisierung als eine globale Alphabetisierungskampagne des Glaubens.

kirchensite.de: Was wird Ihre Aufgabe in Rom sein?

Söding: Meine fachliche Expertise ist gefragt. Auf der Synode liefern alle Bischöfe in einer bunten Folge  ihre Beiträge zum Thema. Die Diskussion muss eingeordnet und kritisch reflektiert werden. Dafür gibt es ein paar Experten, die sich auf wesentliche Aspekte des Themas konzentrieren. Als Bibelwissenschaftler achte ich speziell darauf, wie das Buch der Bücher gesehen und die Bibelarbeit gefördert wird. Das wichtigste Buch, das man lesen können sollte, wenn man eben tatsächlich im Glauben unterwegs ist, ist halt die Bibel. Übrigens ist das auch ökumenisch wichtig.

kirchensite.de: Was erwarten Sie für Ergebnisse?

Söding: Es ist wichtig, dass das Thema auf der Tagesordnung steht. Wenn man sich die Themen, die Papst Benedikt XVI. den Bischofssynoden gestellt hat, anschaut, wird klar, wohin die Reise geht. Das Thema "Eucharistie" hat er von Johannes Paul II. übernommen. Dann kann "Das Wort Gottes" und jetzt kommt die "Neuevangelisierung", also die Verkündigung. Das macht für mich Sinn. Ich erwarte einen riesigen Austausch von extrem unterschiedlichen Eindrücken und Meinungen aus allen Bereichen der Weltkirche. Wir werden erkennen, dass die Neuevangelisierung kein alleiniges Problem des alten Europas ist. Schließlich erwarte ich am Ende eine Reihe von ganz klaren programmatischen Festlegungen der katholischen Kirche. Etwa: Wir wollen gebildete Christen! Wir wollen Leute, die sich ihre eigenen Gedanken über den Glauben machen, damit sie aus vollem Herzen bejahen können! Wir wollen, dass wir die Bibelarbeit voran bringen! Die Gefahr, die viele sehen, ist die Uniformisierung. Die Chance, eine offene Schwachpunktanalyse vorzunehmen und klare Optionen für einen mündigen Glauben zu entwickeln, halte ich für größer.

kirchensite.de: Geht es auch um praktische Vorgaben?

Söding: Von Vorgaben halte ich nicht viel, von Vorlagen schon mehr. Letztlich kommt es auf das Engagement vor Ort an. Von den zentralen Beratungen kann ein Impuls ausgehen – mehr nicht. Wie dieser aufgenommen wird, wird auch von Land zu Land sehr unterschiedlich sein. In Deutschland werden sich konkrete Fragen entwickeln: Welche Qualität hat die Jugendarbeit? Wie geht man mit dem Wort Gottes in der Bibel um? Wie können die Laien künftig stärker zum Zeugnis des Glaubens befähigt und motiviert werden?

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