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20.06.2013
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Der Gebärdenchor "Singende Hände" aus Aachen "plauderte" die Lieder vor.

Der Gebärdenchor "Singende Hände" aus Aachen "plauderte" die Lieder vor.

Gehörlosenwallfahrt

Mit der Gottesmutter "plaudernd" vereint

Kevelaer. Nervtötend dröhnt ein Rasenmäher über das Forum Pax Christi in Kevelaer, wo gerade 200 Menschen aus Deutschland und den Niederlanden den Kreuzweg beten. Doch keiner der Pilger fühlt sich gestört. Gehörlose aus den Bistümern Münster, Aachen, Essen und Den Bosch haben sich zu ihrer Wallfahrt in den niederrheinischen Gnadenort aufgemacht. Die 30 Pilger aus der Diözese Münster begleitete der Präses der Gehörlosenseelsorge, Norbert Schulze Raestrup.

Bischof Antonius Hurkmans (s‘Hertogenbosch) zelebrierte die Eucharistiefeier. In seiner Predigt, die Pfarrer Schulze Raestrup in Gebärdensprache übertrug, betonte der Bischof, dass es schon etwas Besonderes sei, wenn sich gehörlose Pilger aus Deutschland und den Niederlanden zum gemeinsamen Beten treffen. Der Bischof wies auf die besondere Rolle Marias im Heilswerk Christi hin. Sie sei die Mutter der Kirche und aller Christen.

"Sie will den Menschen, die nicht sprechen können, zuhören", betonte er. Während der Messe saßen Deutsche und Niederländer getrennt, um den jeweiligen Dolmetscher gut sehen zu können. Die Gebärdensprachen unterscheiden sich, sodass sich Deutsche und Niederländer wie in der hörenden Welt nicht ohne weiteres verstehen können. Es gibt sogar unterschiedliche Dialekte. So gebärden süddeutsche Gehörlose das Wort "Name" anders als norddeutsche.

Begleitet wurde die Messe durch die "Singenden Hände", einen Gebärdenchor aus Aachen. Statt zu singen wurde eben "geplaudert", wie Gehörlose das Reden mit den Händen bezeichnen. "Gebärdenchöre sind ein wichtiger Teil der Gehörlosenkultur", sagte Chormitglied Sigrid Kleinen. Drei Lieder gab es zu sehen, Kirchenlieder aus dem "Gotteslob", die der Aachener Gehörlosenseelsorger Diakon Josef Rothkopf am Ambo für die hörende Minderheit vorlas. Rothkopf ist der einzige gehörlose Diakon Deutschlands.

Man kennt sich unter Gehörlosen. Klar, dass die Wallfahrer ihre Mitreisenden herzlich begrüßten. Die Themen seien die gleichen wie überall, wenn Bekannte zusammentreffen, sagte Dolmetscherin Renate Peters: das Fernsehprogramm, das Wetter, die Familie und natürlich die Fußball-Europa-Meisterschaft. Die Teilnehmer entstammten eher reiferen Jahrgängen. Das verwundert nicht. "Gehörlosigkeit nimmt immer mehr ab", sagte Sozialarbeiter Ludger Kreienborg von der Caritas aus Münster. Dank der modernen Medizin könnten gehörlos Geborene oft durch ein Implantat von vornherein hören lernen, wenn der Hörnerv funktioniere.

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