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27.09.2016
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Pfarrer Jochen Reidegeld.

Pfarrer Jochen Reidegeld.

Stellvertretender Generalvikar Reidegeld: Betroffenen Glauben schenken

400.000 Euro an Missbrauchsopfer gezahlt

Bistum. Mehr als 400.000 Euro hat das Bistum Münster bislang an 85 Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche gezahlt. Dies teilte der stellvertretende Generalvikar Pfarrer Jochen Reidegeld auf kirchensite.de-Anfrage mit.

Im Jahr 2010 wurden 27.754 Euro ausgezahlt; dabei gingen zwei Summen direkt an Opfer, drei weitere Summen wurden unter anderem für wissenschaftliche Aufarbeitung gezahlt. Im vergangenen Jahr wurden 348.298 Euro gezahlt, insgesamt waren es 76 Einzelzahlungen. Im laufenden Jahr gab es bislang sieben Auszahlungen in Höhe von insgesamt 28.000 Euro.

Plausibilität der Vorwürfe prüfen

Der stellvertretende Generalvikar beschäftigt sich mit den Entschädigungsforderungen von Opfern: "Grundsätzlich glauben wir den Opfern, wenngleich wir natürlich die Plausibilität der Vorwürfe prüfen müssen, weil wir auch gegenüber den Priestern eine Verantwortung haben." Aber im Zweifel werde man den Betroffenen Glauben schenken und versuchen zu helfen, hatte Reidegeld seinerzeit gegenüber Kirche+Leben erklärt.

Die Kirche zahlt Opfern sexueller Übergriffe bis zu 5.000 Euro, wenn diese ihre Ansprüche wegen Verjährung vor Gericht nicht mehr durchsetzen können. Zusätzlich übernimmt die Kirche die Kosten für eine Psychotherapie. In besonders schweren Fällen kann auch eine höhere Entschädigungssumme gezahlt werden.

Tiefe Persönlichkeitsverwundungen

Obgleich Kritik an der Höhe der Zahlungen von einigen Opfern kam, hält Reidegeld die Entscheidung für richtig: "Wir wollten schnell handeln, damit die Betroffenen, die bereits sehr viel Leid erfahren haben, nicht noch länger warten müssen." Menschen seien durch Mitarbeiter der Kirche oder durch Ordensmitglieder in ihrer Intimsphäre verletzt und verwundet worden. "Ihr Vertrauen wurde missbraucht. Das kann man nicht ungeschehen oder wiedergutmachen", stellt Reidegeld heraus.

Auch die Zahlungen könnten niemals das Leid ausgleichen: "Man kann tiefe Persönlichkeitsverwundungen nicht als Schadensfall gegenrechnen. Es kann nur eine Anerkennung und kleine Geste sein für das große Unrecht, das den Opfern widerfahren ist. Damit wollen wir die Ernsthaftigkeit unserer Haltung unterstreichen." Man wolle Opfern helfen, "dass sie die Chance erhalten, nach und nach ihrem Opferschicksal zu entwachsen und eine neue innere Freiheit und neue Lebensperspektiven zu gewinnen".

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