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23.05.2012
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Lebensmittel.

Europaweit steigen die "Wegwerfraten" von Lebensmitteln. Ein Grund dafür liegt darin, dass Konsumenten zu viel eingekauft haben oder die Ware nach einiger Zeit verdorben ist.

Die Wegwerfgesellschaft

Verschwendung von Lebensmitteln

Bistum. Geschätzte 20 Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Diese Verschwendung ist auch ein ethisches Problem.

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll. Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt den Esstisch erreicht: Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot wird als "überflüssiges" Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht 500.000 Lkw-Ladungen pro Jahr.

Der Filmemacher und Journalist Valentin Thurn hat das Ausmaß dieser Verschwendung international recherchiert – in den Abfall-Containern der Großmärkte, Lagerhallen und Supermärkten. "Alles muss jederzeit verfügbar sein, Lebensmittel müssen perfekt aussehen. Wenn diese nicht den Normen entsprechen, landen sie im Müll", sagt er bei einer Diskussion mit Mitgliedern der Katholischen Landfrauen-Bewegung (KLFB) in Coesfeld.

Thurn spricht über das Thema "Die globale Lebensmittelverschwendung". Mit seinem Dokumentarfilm "Taste the Waste" (frei übersetzt "Kostet den Abfall") und seinem Buch "Die Essensvernichtung" hat er für Aufsehen gesorgt. "Überwältigende Mengen einwandfreier Nahrungsmittel, teilweise noch original verpackt, oft auch mit noch gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum, werden vernichtet. Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr allein in Deutschland weggeworfen", sagt er.

Der Filmemacher Valentin Thurn prangert in seinen Dokumentarfilmen das Wegwerfen von Lebensmitteln an.

Die schockierenden Fakten empören auch die Katholischen Landfrauen, die das Thema als moralische Herausforderung empfinden. "Christen beten: "Unser tägliches Brot gib uns heute". Doch heute scheinen Lebensmittel keinen Wert mehr zu besitzen", sagt Margret Sundrum, Sprecherin des Diözesanleitungsteams der KLFB. Deshalb müsse über den Stellenwert von Lebensmitteln verstärkt gesprochen werden.

Auf der Suche nach den Ursachen der Lebensmittelverschwendung hat Thurn mit Supermarktmanagern, Bäckern, Großmarkt-Inspektoren, Ministern, Bauern und EU-Politikern gesprochen.

"Alle sind irgendwie daran beteiligt", sagt er und erläutert das Dilemma: Alles soll jederzeit verfügbar sein, Supermärkte bieten durchgehend die ganze Warenpalette an. Bis spät in den Abend muss das Brot in den Regalen frisch sein. Zu jeder Jahreszeit gibt es Erdbeeren.

Und alles muss perfekt aussehen: Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel, eine Delle im Apfel – sofort wird die Ware aussortiert. Joghurtbecher landen schon zwei Tage, bevor ihr Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, im Müll. "Wenn die Hälfte der bereits produzierten Lebensmittel zu Abfall wird, wirkt sich das verheerend auf das Weltklima aus", sagt Thurn. Unmengen an Energie, Wasser und Dünger werden verschwendet. "Das trifft die Landwirtschaft hierzulande und weltweit."

Thurn sieht in der erster Linie die Handelsketten und Supermärkte in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, der Verschwendung Einhalt zu gebieten. Ein Vorwurf, den im Gespräch Karin Eksen, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbands Westfalen-Münsterland, zurückweist. Sie betont die Rolle der Verbraucher: "Der Handel reagiert auf die Nachfrage der Verbraucher. Dieser erwartet zu jeder Zeit volle Regale. Wenn ein Supermarkt bestimmte Produkte nicht mehr im Regal hat, wechselt der Kunde das Geschäft." Der Handel versuche immer wieder, auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren.

Eksen macht deutlich, dass kein Händler gern etwas wegwirft: "Für den Händler ist die Ware bares Geld. Schon allein deshalb hat er kein Interesse, Lebensmittel zu vernichten." Die Vertreterin des Einzelhandelsverbands gesteht aber ein, dass viele Verbraucher zu sehr auf das Mindesthaltbarkeitsdatum schauten, auch bei Produkten, die unbedenklich verzehrt werden könnten: "Über die Haltbarkeit von Lebensmittel müsste besser informiert werden."

Info

Das Katholische Bildungswerk (KBW) in Stadtlohn veranstaltet in der Fastenzeit eine Themenreihe über den verantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln unter dem Leitwort "Unser täglich Brot gib uns heute". Informationen beim KBW Stadtlohn, Gertrud Roth, Telefon 02563 / 8112.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterInterview mit Landwirt und KLB-Referent Ulrich Oskamp (20.02.2012)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKLFB-Sprecherin Sundrum beklagt fehlende Wertschätzung für Lebensmittel (20.02.2012)
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Katholische Landfrauenbewegung (KLFB)
  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Katholische Landvolkbewegung (KLB)

Text: Johannes Bernard | Fotos: fotolia, Johannes Bernard in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
20.02.2012

    1. Interview mit Landwirt und KLB-Referent Ulrich Oskamp
    1. KLFB-Sprecherin beklagt fehlende Wertschätzung für Lebensmittel

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