
Hugo Uebbing (l.) ist Moderator des Diözesanrats. Das Foto zeigt ihn im Gespräch mit Bischof Felix Genn, der den Vorsitz im Diözesanrat hat.
"Durch einen echten Dialog zu Kompromissen kommen"
Interview mit Diözesanrats-Moderator Hugo Uebbing
Bistum. Bischof Felix Genn legt Wert darauf, dass die wichtigen Themen des Bistums im Diözesanrat besprochen werden. In der Satzung für den Diözesanrat im Bistum Münster heißt es: "Der Diözesanrat ist das oberste synodale Mitwirkungsgremium, durch das die Gläubigen des Bistums ihrer allgemeinen und besonderen Berufung entsprechend an der Leitung des Bistums durch den Bischof teilnehmen." – kirchensite.de fragte bei Hugo Uebbing, dem Moderator des Diözesanrats, nach, wie das Gremium arbeitet und wie es Einfluss nehmen kann.
kirchensite.de: Was bedeutet das eigentlich: "synodales Mitwirkungsgremium"?
Hugo Uebbing: Lassen Sie mich es anhand der Zusammensetzung erklären: Der Diözesanrat ist ein Gremium, das aus sehr unterschiedlichen Personen besteht. Die Hälfte besteht aus Personen aus allen Teilen des Bistums; das sind zum großen Teil die Vertreter der Regionen, und das sind allesamt Laien. Auf der anderen Seite gibt es die Bistumsleitung und Vertreter verschiedener Gremien: Priesterrat, Diakonrat, Pastoralreferentenrat, Ordensrat.
kirchensite.de: Sehr vielfältig.
Uebbing: Genau: ein vielschichtiges Gremium, das aber, wie das Kirchenrecht sagt, das gesamte Bistum repräsentieren soll.
kirchensite.de: Ist es ein kompliziertes Gremium?
Uebbing: Auch das kann man sagen: Es ist im Grunde von seiner Zusammensetzung her ein kompliziertes Gremium.
kirchensite.de: Aber die Zusammensetzung allein macht es doch nicht kompliziert?
Uebbing: Ein großes Problem besteht darin, dass die Mitglieder unterschiedliche Vorkenntnisse haben. Ein Teil der Hauptamtlichen wird unter anderem durch die Bistumsleitung regelmäßig über aktuelle Fragen informiert. Das fehlt den Vertretern der Regionen, weil sie keine adäquaten Vorkenntnisse haben; das erschwert es, auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren. Sie bringen aber stattdessen vielfältige Erfahrungen aus dem Leben der Gemeinden mit.
kirchensite.de: Unterschiedliche Vorkenntnisse aber auch verschiedene Vor-Ort-Erfahrungen können dann dazu führen, dass eben die ehrenamtlich tätigen Laien schon mal eine andere Auffassung haben als die Bistumsleitung. Wie gehen Sie damit um?
Uebbing: Das gehört zu meinem Verständnis von Kirche: Dort wo unterschiedliche Menschen sind, gibt es unterschiedliche Meinungen, unterschiedliche Sichtweisen. Und wie es im sonstigen Leben auch ist, kann man nur durch einen echten Dialog zu Kompromissen und zu Verständigung kommen. Das setzt eine gewisse Gesprächskultur voraus, an der arbeiten wir.
kirchensite.de: Wie?
Uebbing: Seitdem wir einen Hauptausschuss haben, glauben wir, dass wir da positive Schritte in diese Richtung gemacht haben …
kirchensite.de: Moment, was ist der Hauptausschuss?
Uebbing: Im Hauptausschuss sind Mitglieder der Bistumsleitung, die stellvertretende Moderatorin, Frau Imke Sievers, die Geschäftsführerin des Diözesanrates, Frau Ise Kamp, drei gewählte Mitglieder und ich als Moderator. Dort werden die Sitzungen vor- und nachbereitet.
kirchensite.de: Und dies hat zu einer besseren Arbeit beigetragen?
Uebbing: Die Sitzungen werden sorgfältig geplant und strukturiert: So diskutieren wir nicht mehr nur im Plenum, sondern auch in Untergruppen. Da kann dann etwa ein Delegierter aus Wesel dem Bischof sagen, was die Menschen in den Gemeinden dort denken. Das ist der Versuch, Meinungsverschiedenheiten in einem echten Dialog zumindest zu Gehör zu bringen.
kirchensite.de: Nun gibt es Menschen, die ein Problem damit haben, vor einer größeren Gruppe zu reden. Gibt es so etwas im Diözesanrat auch?
Uebbing: Natürlich. Deshalb versuchen wir, durch bestimmte Diskussionsformen dies zu entkrampfen. Auch Bischof Felix Genn trägt dazu bei, wenn er vor Beginn jeder Sitzung alle Delegierten persönlich per Handschlag begrüßt. Das senkt schon so manche Hemmschwelle im Gespräch.
kirchensite.de: Nichts Menschliches ist der Kirche fremd. Wie erleben Sie unter diesem Gesichtspunkt das synodale Mitwirken im Diözesanrat?
Uebbing: Grundsätzlich gelingt es, ein faires Miteinander zu gestalten – und Kontroversen sind in sich auch nicht schlecht. Die Entstehung des Papiers zur Sendung der Kirche von Münster, das ja als Präambel für den Diözesanpastoralplan gedacht ist, kann ein gutes Beispiel sein: Zunächst gab es eine Vorlage seitens der Bistumsleitung. Die ist im Grunde genommen vom Tisch gewischt worden. Am Ende stand ein neuer Text, der Ideen des Ursprungspapiers berücksichtigt hat, aber durch viele neue Gedanken angereichert wurde. Das Ergebnis lässt sich sehen. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen.
kirchensite.de: Welche Chancen, aber auch welche Grenzen zeigt die synodale Verfasstheit des Diözesanrats?
Uebbing: Das Zweite Vatikanische Konzil hat noch einmal neu das allgemeine Priestertum aller Gläubigen herausgestellt. Das ist die Basis für synodales Mitwirken von Christen in unserer Kirche. Seit 50 Jahren bemühen wir uns – unter Berücksichtigung der hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche – demokratische Umgangsformen zu etablieren. Dies geht mit dem synodalen Gedanken konform.
kirchensite.de: Aber die Kirche wird dadurch nicht zur Demokratie?!
Uebbing: Das ist auch nicht damit gemeint. Schauen Sie: Der Bischof kann als Leiter des Bistums Grenzen setzen. Er muss auf den Diözesanrat nicht hören. In der vom Bischof in Kraft gesetzten Satzung des Diözesanrats steht aber, dass der Diözesanrat an der Leitung des Bistums durch den Bischof teilnimmt. Das geht deutlich über ein reines Beratungsgremium hinaus. Unsere Verfasstheit hat auch noch einen Mehrwert gegenüber einer reinen Demokratie: Bischof Felix Genn hat am Anfang der Legislaturperiode gesagt: "Wir müssen schauen, dass wir wichtige Entscheidungen auch als geistliche Entscheidungen durchführen, denn das unterscheidet uns von einem Parlament." Daran halte ich fest.
kirchensite.de: Wichtigstes Beratungsthema in diesem Jahr ist der neue Pastoralplan für das Bistum. Was erwarten Sie?
Uebbing: Es besteht der große Wunsch, dass dieser Pastoralplan breit im Bistum verankert ist. Das geht nur, wenn auch die Menschen vor Ort, in den Gemeinden und auf der mittleren Ebene sowie den verschiedenen Räte mitreden und dass sie Eingaben machen können. Dann kann ein Papier entstehen, das eine Basis und ein Fundament hat. – Ein Blick in die Gesellschaft zeigt uns ja auch, dass man heute die Menschen mitnehmen und beteiligen muss, wenn man etwas verändern möchte. Das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" ist für mich da ein beredtes Beispiel.
kirchensite.de: Was heißt das konkret für das neue diözesane Pastoralkonzept?
Uebbing: Ich erhoffe mir, dass möglichst viele Eingaben kommen und es uns gelingt, sie so einzuarbeiten, dass sich Viele darin wieder finden. Aber der Pastoralplan darf auch nicht zu umfangreich werden, weil ihn sonst kaum einer liest.
kirchensite.de: Wie können Sie selber Einfluss darauf nehmen?
Uebbing: Zunächst ist es wichtig, dass der Prozess ergebnisoffen ist. Der Entstehungsprozess soll möglichst transparent sein, denn dann denken die Menschen mit und bekommen das Gefühl, dass man sich dort einbringen kann. Wichtig erscheint mir aber auch, dass wir uns in etwa an den vorgesehenen Zeitplan halten: Es sollte also möglichst Ende des Jahres, spätestens aber Anfang 2013 der Plan stehen.
kirchensite.de: Wie sollten sich nach Ihrer Auffassung Verbände, Pfarrgemeinderäte und die mittlere Ebene der Kreisdekanate an der Entstehung des Pastoralplans beteiligen?
Uebbing: Der Entwurf ist im Internet einzusehen. Jeder, der möchte, kann sich damit beschäftigen, auch jeder Pfarrgemeinderat. Für die Delegierten aus der Kreisebene wird wahrscheinlich die mittlere Ebene die entscheidende sein. Dort soll man diskutieren, die Ergebnisse bündeln und nach Münster schicken, damit wir als Diözesanrat damit arbeiten und entscheiden können.
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