
Man mus manchmal genau hinsehen, aber dann kann man entdecken: Randfiguren fordern heraus und konfrontieren mit ihren Lebensentwürfen.
"Randfiguren" im Blick
Neue Reihe von Bibelarbeiten in kirchensite.de startet
Bistum. Kennen Sie Rhode? Sie war eine Magd; heute würde man sie vielleicht Hausangestellte nennen. Als der Apostel Petrus von einem Engel auf wundersame Weise aus dem Gefängnis geführt wird und an die Tür von Freunden klopft, ist diese Magd Rhode überglücklich. Doch statt direkt das Tor zu öffnen, berichtet sie zunächst den Hausherren, dass Petrus vor der Tür steht – wider den schlimmsten Sorgen.
Um derartige Personen am Rande biblischer Erzählungen geht es in der neuen Reihe der Bibelarbeiten, die im Jahr 2012 im Onlinemagazin kirchensite.de veröffentlicht werden. Fast alle Bibelstellen zu diesen "Randfiguren" stammen aus der Apostelgeschichte. So wird etwa die Jüngerin Tabita in den Blick genommen, die Petrus vom Tod auferweckte oder Phoebe, die in Korinth vielleicht eine christliche Gemeinde betreut hat, oder Simon, der das Wirken der Apostel zwar für Trickserei hält, ihnen aber das Patent dafür abkaufen will, weil er Profit wittert. Die Palette der "Randgestalten" und ihrer Charaktere ist bunt. Und doch wollen die Bibelarbeiten jedes Mal auf unterschiedliche Weise deutlich machen, was eigentlich Inhalt des Evangeliums ist.
Professor Thomas Söding und Pfarrer Robert Vorholt. |
Identifikation mit "Randfiguren" ist leichter
Verantwortet werden sie vom Katholischen Bibelwerk im Bistum Münster. Im Interview erläutern der Bibelwerksleiter, Professor Thomas Söding (Münster), und Privatdozent Pfarrer Robert Vorholt (Dülmen), warum sie das Thema "Randfiguren im Zentrum der Verkündigung" gewählt haben.
Söding meint, dass über die "Großen" laufend gesprochen werde: Petrus, Paulus, auch Maria. "Aber die haben alle ganz klein angefangen. Und bei Jesus kommen die Kleinen groß raus." Es gebe viel zu entdecken, wenn man nicht nur die Prominenten im Blick habe. Und er glaubt, dass eine Identifikation mit "Randfiguren" leichter sei. Überdies möchte der Professor für Bibelauslegung Entdeckungen im Neuen Testament ermöglichen, die Überraschungen in sich bergen.
Nachdenken über die eigenen Glaubensentscheidungen
Vorholt sieht in den "Randfiguren", die das Neue Testament "manchmal ganz plötzlich und oft nur kurz aufscheinen lässt", Prototypen. Sie forderten heraus und konfrontierten mit ihren Lebensentwürfen, weil sie eine Entscheidung getroffen haben, die mit Gott und also auch mit ihrem Leben zu tun hat. "Das soll die Leserinnen und Leser ihrer Geschichten natürlich nicht kalt lassen. Stattdessen bieten gerade diese Randgestalten bei aller Unterschiedlichkeit im Detail die Möglichkeit, Maß an ihnen zu nehmen – in Zustimmung oder Kritik, Bewunderung oder Mitgefühl." So leiteten diese Figuren zum tieferen Nachdenken über die eigenen Glaubens- und Lebensentscheidungen an.
Auf die Frage, was sich von den "Randfiguren" lernen lasse, meint Söding: "Ich brauche mich nicht aufzuplustern. Mein Glaube ist klein, meine Leistung ist klein, mein Lebensradius ist klein. Gott macht es groß und weit. Wenn ich am Rand stehe, bin ich nicht abgeschrieben. Gott hat mich ins Herz geschlossen."
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Interview zu den Bibelarbeiten 2012
Bibelarbeiten in kirchensite.de
Übersicht: Professor Thomas Söding
Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
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