
Bischof Berislav Grgic von Tromsö.
Sonntag der Nordischen Diaspora
Bischof von Tromsö schreibt Katholiken im Bistum Münster
Bistum / Tromsö. Die Kollekte in den Sonntagsmessen am Wochenende (04. / 05.02.2012) kommt dem Ansgar-Werk im Bistum Münster zugute. Es unterstützt die Katholiken in der skandinavischen Diaspora.
In der Prälatur Tromsö in Norwegen, zu der auch das Nordkap gehört, leben 4.500 Katholiken auf einer Fläche 28 Mal so groß wie das Erzbistum Köln. Zum Sonntag der Nordischen Diaspora schreibt Bischof Berislav Grgic den Katholiken im Bistum Münster. Er ist in Tromsö fast auf den Tag genau so lange im Amt wie Bischof Felix Genn im Bistum Münster. Grgic, der persönliche Beziehungen ins Münsterland hat, schreibt:
Liebe Wohltäter der nordischen Diaspora!
Für mich persönlich ist es eine große Ehre, dass ich diesen Brief an Sie richten kann. Ich wurde am 29. Juni 1986 in Banja Luka (Bosnien-Herzegowina) zum Priester geweiht. Zwei Jahre später ging ich nach Rom, um dort weiter zu studieren. 1991 kam ich aus Rom zurück und wurde zuerst Spiritual im Priesterseminar in Zadar (Kroatien).
Im gleichen Jahr begann der Krieg in Kroatien und dann auch in Bosnien-Herzegowina. So wechselte ich nach Zagreb, wo ich bis 1995 für den Caritasverband meines Bistums Banja Luka arbeitete. Zu viele Gläubige und auch Priester und Ordensleute wurden während des Krieges aus Banja Luka vertrieben, viele getötet.
Anfang Januar 1996 kam ich nach Norwegen und war Kroatenseelsorger, wohnhaft in Oslo. Nach elf Jahren in Norwegen wollte ich einen Wechsel, eine andere Aufgabe. So kam ich nach Oberhaching, Erzbistum München-Freising, und blieb dort bis Februar 2009, weil ich am 18. Dezember 2008 zum Bischof von Tromsö ernannt wurde. Am 28. März 2009 war meine Bischofsweihe hier in Tromsö.
Schon als Theologiestudent arbeitete ich im Sommer bei den Schönstätter Marienschwestern in Borken im Münsterland. Später, als Priester, habe ich oft in Südlohn und Oeding Vertretungen gemacht. In Ramsdorf lebt mein Bruder mit der Familie.
Ich habe bis jetzt in Tromsö viele gute Tage erlebt. Die Menschen sind offen und gastfreundlich. Etwas freundlicher als in anderen Teilen Norwegens, sagen auch viele Norweger. Es ist toll, im Sommer um zwölf Uhr mittags oder um ein Uhr in der Nacht die Sonne genießen zu können. Es besteht auch ein bisschen die Gefahr, im Sommer ständig zu arbeiten und wach zu bleiben. Im Bistum Tromsö gibt es nur sieben Pfarreien und in allen Pfarreien leben zirka 4.500 registrierte Katholiken.
Ich besuche alle Pfarreien jedes Jahr, spende Firmungen, treffe mich mit Priestern und Vertretern der Pfarrgemeinderäte und mit Gläubigen. In der Pfarrei Bodö haben wir sogar eine katholische Schule. Die Schüle stammen aus vielen verschiedenen Ländern der Welt.
Der Unterschied zu Kroatien, Italien und Deutschland sind die Entfernungen. Sonntags müssen unsere Katholiken bis zu 50 Kilometer zum Gottesdienst, zur Pfarrkirche fahren. In Bayern würden Leute gegen so etwas protestieren. Nach der heiligen Messe gibt es in Norwegen den "Kirchenkaffee", die Leute unterhalten sich noch eine Stunde. Das gemeinsame Zusammensein ist uns wichtig.
Ich sage nicht, dass die Katholiken hier besser sind als in Deutschland oder in Kroatien, nur dass sie viel weiter bis zu ihrer Kirche fahren müssen. Hier muss man viel reisen, unsere Priester und das Volk auch. Sonst ist die tägliche pastorale Arbeit dieselbe wie überall in der Kirche. Die meisten Katholiken sind Einwanderer, sie sind gerne in der Kirche, aber um sich dienstlich und ehrenamtlich zu engagieren, brauchen sie etwas Zeit.
Im Bischofshaus, in dem ich wohne, habe ich eine Kanzlerin (Norwegerin) und eine Haushälterin aus Bayern. In allen Pfarreien machen die Priester Büroarbeiten selbst, nirgendwo gibt es eine Sekretärin oder eine Haushälterin. Unsere Katholiken, besonders unsere katholischen Norweger, haben sehr gute Beziehungen zu den Protestanten. Viele protestantische Christen kommen bei verschiedenen Gottesdiensten (Firmungen, Trauungen, Beerdigungen) zu uns. Viele Katholiken leben in Mischehen. Wie man hier den langen, kalten und dunklen Winter übersteht? Meine lieben Norweger haben mir gesagt: "Man denkt an Sommer." Das kann ich jetzt bestätigen.
Liebe Freunde und Wohltäter in Deutschland: Wir sind eine arme Kirche in einem reichen Land. Wieso? Ein Großteil unserer Katholiken sind nicht reiche Norweger, sondern arme Einwanderer, die uns finanziell nicht viel helfen können. Unsere Kirchen, die Pfarrhäuser und mein Bischofshaus müssen wir neun oder zehn Monate heizen. Wie überleben wir dann? Ich sage Ihnen es ganz ehrlich: Ich denke an deutsche Bischöfe und an euch, unsere Wohltäter, und dann geht es mir und uns gut.
Ihnen in Deutschland gehört unser Lob. Ohne das Geld vom Bonifatiuswerk, vom Diaspora-Kommissariat und von den Ansgar-Werken der Bistümer Münster, Hamburg, Köln, München und Osnabrück wäre es hier ganz kalt und schwierig. Dank Ihrer Hilfe können wir Bischöfe, Priester, Ordensleute und Diakone in allen unseren nordischen Ländern (Norwegen, Dänemark, Schweden, Island und Finnland) ruhig, mutig, gelassen, treu und unermüdlich arbeiten, beten, singen, reisen und sich dem Volk widmen. Dafür herzlichen Dank! Möge der heilige Ansgar, der der erste Bischof Hamburgs war und als "Apostel des Nordens" gilt, euch und uns alle im geschwisterlichen Gebet vereinen, sodass wir weiterhin durch guten Taten verbunden bleiben.
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Text: Bischof Berislav Grgic, jjo | Foto: Jens Joest
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