
Ungewohntes Bild: Der eingerüstete Innenraum des Paulusdomes.
Doch kein "Sensationsfund"
Dombausanierung läuft planmäßig
Bistum. Viel Lärm um (fast) nichts: Was eine münstersche Lokalzeitung in der vergangenen Woche als "Sensationsfund" im St.-Paulus-Dom deklarierte, erweist sich bei näherem Hinsehen allerhöchstens noch als spannend für Archäologen.
Dombaumeister Georg Wendel hatte am Montag (30.01.2012) zu einer Baustellen-Begehung eingeladen und konnte die Schlagzeilen nicht bestätigen: Aus den vermeintlich 1200 Jahre alten Skeletten, die angeblich im Südturm des Domes entdeckt worden sein sollten, wie es das münstersche Lokalblatt schrieb, wurden die Gebeine des Domherrn Johann Rotger Torck (gestorben im Jahr 1686) und eines weiteren Domklerikers sowie einige Gräber, "die mit Sicherheit vor dem Ende des 12. Jahrhunderts angelegt sind". Nichts also mit den Knochenfunden aus den Zeiten des Bistumsgründers Liudger …
Reste einer Annakapelle aus dem 14. Jahrhundert
Ansonsten gehen die Baumaßnahmen planmäßig voran, wie den Ausführungen der beteiligten Mitarbeitern des bischöflichen Bauamtes und der verantwortlichen Architekten zu entnehmen war. Für die münstersche Stadtarchäologie spannend sind Funde, die im Zuge der Sanierung des Fußbodens der Sakristei zutage traten. 1885 war diese errichtet worden. Jetzt fanden sich darunter Reste einer St.-Anna-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert.
Noch besser lasse sich jetzt auch die Baugeschichte des Domes erfassen, wie Stadtarchäologin Aurelia Dickers erläuterte. Dort, wo sich jetzt die Sakristei befindet, untersuchen die Archäologen die Fundamente und finden dort Reste der Kapelle.
Rückschlüsse auf Baugeschichte
Die Arbeiten ermöglichen weitere Rückschlüsse auf den so genannten zweiten Dom, der 1090 geweiht wurde, und den alten Kreuzgang aus dem Hochmittelalter. Zur Beruhigung der Bauverantwortlichen halten sich aber die Verzögerungen durch die archäologischen Untersuchungen in Grenzen.
Was geschieht ansonsten in der Baustelle Paulusdom?
- 45 bis 50 Arbeiter sind Tag für Tag auf der Baustelle beschäftigt.
- 25.000 Kubikmeter Gerüst finden sich derzeit im Innenraum des Gotteshauses – dies entspricht 30 Ein-Familien-Häusern, wie Dombaumeister Wendel beschrieb.
- 10.000 Quadratmeter Putzflächen und rund 3.500 Quadratmeter Natursteinflächen müssen von Hand vom Staub der Zeit gereinigt werden. Danach wird dort eine Kalklasur aufgetragen und der Dom wird in neuem Licht erstrahlen.
- Etwa 15 Kilometer lang werden die Elektrokabel sein, die für die neue Beleuchtung und Beschallung des Domes verlegt werden.
- Der stählerne Glockenstuhl im Südturm wurde demontiert und bekommt einen Nachfolger aus Holz; dies soll auch zu einem besseren Klang der zehn Glocken beitragen.
- Der Eingang an der Astronomischen Uhr wird bald barrierefrei sein.
- Nach wie vor steht der Terminplan: Zum Advent 2012 sollen die Arbeiten beendet werden und der Dom wieder für Gläubige und Besucher offen stehen.
- Insgesamt sollen die Sanierungsarbeiten 13 Millionen Euro kosten.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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