
Olaf Schnoor hat in der Beratung auch die Perspektive der werdenden Väter im Blick.
Einziger männlicher Schwangerschafts-Konfliktberater im Bistum
Vater werden ist auch schwer
Bistum. Zu zweit geht alles einfacher. Besonders in Krisenzeiten kommt man stabiler durchs Leben, wenn man jemanden an seiner Seite hat. Das gilt natürlich auch, wenn die Geburt eines Kindes zur sozialen, organisatorischen oder emotionalen Schieflage wird. Gerade der Partner ist dann gefragt. In dieser Situation gibt es viele Stellen, die einem Paar mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch Angebote speziell für Männer sind rar.
"Dabei ist das Engagement der Männer auch beim Kinderkriegen immer mehr gefragt", weiß Olaf Schnoor. Den Trend, dass auch die Männer immer mehr in das Meistern von Schwangerschaft, Geburt und Baby-Zeit involviert seien, gebe es schon lange. "Die Zeiten, in denen der Mann mit Bier an der Theke wartete, während seine Frau im Kreißsaal lag, sind längst vorbei."Das sei auch bei seinen Klienten so angekommen, erklärt der einzige Mann in der katholischen Schwangerschafts-Konfliktberatung im Bistum Münster. "Wir arbeiten unterhalb der normalen Netzwerke", beschreibt er das Klientel in der Beratungsstelle des Caritasverbands in Rheine.
Die gängigen Angebote wie Elternkreise oder Geburtsvorbereitungskurse werden von diesem Klientel in der Regel nicht besucht. "Die Paare, die hierher kommen, sind oft ohne große Vorbereitung in ihre Situation geraten, haben wenig reflektiert." Und trotzdem sei es immer häufiger auch der Wunsch dieser Väter, mehr über diese Situation zu erfahren, um sich einbringen zu können.
Wenn das Eltern-Werden als Belastung wahrgenommen werde, dann müsse alles getan werden, um es zu meistern, sagt Schnoor. "Keiner darf irgendwie auf die Idee kommen, das Kind des Lebens nicht haben zu wollen." Häufig seien es zunächst finanzielle Fragen, welche die Eltern in die Beratungsräume kommen ließen. Nicht selten würde dann aber deutlich, dass es im organisatorischen und emotionalen Bereich auch jede Menge Sorgen gebe. "Die Finanzen sind in den Gesprächen oft die Eintrittskarte für tiefer gehende Auseinandersetzungen." Dann stehe auch Grundlegendes an, etwa die Rollenverteilung nach der Geburt, die Aufgabenaufteilung oder die Wertschätzung für das Engagement des Partners.
Klassische Vater-Fragen
"Und dabei gibt es auch ganz klassische Vater-Fragen", weiß Schnoor. Etwa die nach der Situation im Kreißsaal: "Ich möchte bei der Geburt dabei sein, aber meine Hilflosigkeit macht mir Angst." Schnoor nennt schmunzelnd einen Satz, den er in diesem Zusammenhang immer wieder von werdenden Vätern hört: "Hoffentlich werde ich nicht ohnmächtig." Bei vielen bestünden Ängste vor Unsicherheiten, die sie gegenüber anderen nicht artikulieren wollen, aus Sorge, das Gesicht zu verlieren. "Wie kann ich mit Schlafentzug umgehen?" "Wo kann ich mich zurückziehen?" oder auch "Wie kann Sexualität in dieser Phase gelingen?"
Dass dann ein Mann als Gesprächspartner bereit stehe, werde als große Hilfe gesehen, sagt Schnoor. "Ich werde quasi als Spezialist für diesen Bereich der Fragen bewertet." Die erste Frage sei in der Regel: "Sind Sie auch Vater?" Das ist der 40-Jährige. Und seine zwei Kinder sieht der Sozialarbeiter und Familientherapeut deshalb auch als "wichtige Zusatzqualifikation".
Als er vor acht Jahren für die Schwangerschafts-Konfliktberatung angefragt worden sei, habe er diese noch nicht gehabt. "Ich habe damals selbst lachen müssen und nicht sofort den Sinn in der neuen Stellenumschreibung gefunden." Als er wenig später Vater geworden sei, habe er aber schnell gemerkt, dass das "hochgradig Sinn" mache. Seither ist er mit fünf Stunden in der Woche in diesem Bereich tätig. 30 weitere arbeitet er in der psychologischen Beratungsstelle des Caritasverbands Rheine. Dass er als Mann in der Konfliktberatung gebraucht wird, belegen dabei auch die Zahlen:
Von den gut 1.000 Klientinnen kommen mehr als ein Drittel mittlerweile mit Partner. Im Jahr 2010 war Schnoor bei etwa 80 Gesprächen als "männlicher Co-Berater" mit dabei. 15 Väter wünschten sich zudem ein Einzelgespräch mit ihm. Zu den vier "Väter-Abenden", bei denen er Filme und Gespräche zum Thema anbot, kamen jeweils zehn Väter.
Zwar gab es im Bistum Münster früher schon vergleichbare Stellen, derzeit aber ist Schnoor der einzige Schwangerschafts-Konfliktberater im gesamten Bistumsgebiet. Die Nische, die er damit besetze, werde aber dankbar angenommen, sagt er. "Auch, weil es um Gefühle geht, die Männer vielleicht weniger gern zeigen können als Frauen." Schwangerschaft, Geburt und Eltern-Sein könnten von den Vätern häufig technisch und organisatorisch problemlos geplant werden. "Wenn es aber darum geht, Emotionen einzugestehen und zu bewältigen, tun sie sich schwerer."
Druck nehmen
Ein "männlicher Gegenpart", zumal einer mit eigener Vater-Erfahrung, sei dann wertvoll, weil damit der gesamten Belastungssituation Druck genommen werden könne. "Ich berate den Vater ja nicht als separaten Klienten, sondern habe immer die Einheit der Familie, das Gelingen des Eltern-Werdens im Blick." Es gehe darum, einen Dialog zwischen den Elternteilen anzustoßen – eine Basis zu schaffen, auf der die Situation gemeistert werden könne. "Es soll vom Ich- zum Wir-Thema werden – sie sollen mit einer gemeinsamen Vorstellung weitergehen können."
Was auch gelingt, gerade wenn der Vater seine speziellen Tipps und Hilfen bekommen hat. Das spannendste und auch schönste Zeichen sei es, wenn die junge Familie mit ihrem Kind später wieder in die Beratungsstelle kämen. "Weil es zeigt, dass sie unsere Hilfe angenommen haben und wertschätzen", sagt Schnoor. "Dann schaffen sie es auch, ihre Situation nicht als Grenzerfahrung in Erinnerung zu behalten, sondern als einen Weg, den man gestalten kann, um Freude zu entwickeln."
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in
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