
Diözesanbaudirektor Georg Wendel.
Diözesanbaudirektor Wendel zum kirchlichen Immobilienmanagement
"Wir haben keinen Masterplan in der Schublade"
Bistum. Wenn Pfarreien sich zusammenschließen, geht es auch um die Frage, wie sie mit vorhandenen Gebäuden umgehen wollen. Münsters Diözesanbaudirektor Georg Wendel erläutert, warum bei der Diskussion um Immobilien Wünsche offen bleiben müssen.
Kirche+Leben: Die Pfarreien stehen angesichts des Fusionsprozesses oft vor der Frage, sich von kirchlichen Immobilien trennen zu müssen. Was raten Sie?
Georg Wendel: Die Aufgaben des kirchlichen Immobilienmanagements orientieren sich einerseits an den Herausforderungen der sich verändernden Seelsorgeaufgaben und andererseits an dem von Bischof Felix Genn noch in Kraft zu setzenden neuen Strukturplan für unsere Kirchengemeinden. Darüber hinaus spielen haushaltskonsolidierende Aspekte eine ebenso wichtige Rolle. Allerdings haben wir dabei im Blick, dass wir insbesondere für die Seelsorgeaufgaben, bei allen Umstrukturierungs- und Sparbemühungen, ein attraktives Flächenangebot für die unterschiedlichen Seelsorgeaufgaben erhalten. Alles in allem muss ich jedoch darauf hinweisen, dass es in den Kirchengemeinden einen erheblichen Überhang an seelsorglichen Nutzflächen gibt. In diesem Spagat gilt es, Lösungen vor Ort in konstruktiver Atmosphäre zu diskutieren und nach vorn zu bringen.
Kirche+Leben: Oft müssen sich die Gemeinden zwischen sakral und säkular genutzten Gebäuden entscheiden. Was hat Vorrang?
Wendel: Dies hängt von verschiedensten Bedingungen ab, sodass ich hier keine pauschale Antwort geben kann. Neben denkmalrechtlichen Aspekten sind die Lage der Grund-stücke und Gebäude in ihren pastoralen und städtebaulichen Zusammenhängen, die energetische Situation und der bauunterhaltungsbedingte Zustand ebenso von Bedeutung wie die Bemessungsgrundlage für die ausgebaute Bruttogrundfläche beispielsweise für Pfarrheime. Dass der Verkauf eines Pfarrhauses in diesem Zusammenhang leichter zu bewerkstelligen ist, wenn die ausbleibende Besetzung einer Pfarrstelle entschieden ist, liegt auf der Hand. Bei Kirchen und Kapellen ist eine Entscheidung gegen einen Standort um ein Vielfaches schwieriger, weil neben dem stadtgestalterischen Eingriff der emotionale Eingriff für die Menschen der Kirchengemeinde noch einschneidender ist.
Kirche+Leben: Inwieweit spielen pastorale Aspekte eine ebenso große Rolle wie finanzielle?
Wendel: Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, spielen pastorale Gesichtspunkte eine gewichtige Rolle. Das Raumangebot muss attraktiv ausgerichtet sein. Insofern sind wir bemüht, einerseits gebäudeoptimierende Maßnahmen umzusetzen und andererseits, wo sich eine Wirtschaftlichkeit nicht mehr darstellen lässt, auch beispielsweise in neue Pfarrheime zu investieren. Das findet seine Grenzen selbstverständlich in den zur Verfügung stehenden Investitionsbudgets der von uns mit zu verantwortenden Bistumshaushaltsmittel. Darüber hinaus gilt es dabei das gesamte Bistum im Blick zu haben, um so für alle Regionen zu ausgewogenen und verantwortbaren Lösungen zu kommen. Dass sich Wünsche der Kirchengemeinden nicht immer zeitnah realisieren lassen, hängt dabei selbstverständlich auch von der jeweiligen Finanzkraft einer Kirchengemeinde ab.
Kirche+Leben: Der Abriss von Kirchen reißt tiefe Wunden. Was wird getan, das zu vermeiden?
Wendel: Einer solchen Entscheidung gehen intensive und mitunter langwierige Beratungsprozesse voraus. Das hängt zum einen mit der emotionalen Auseinandersetzung in der Kirchengemeinde und ihren Gremien zusammen und auf der anderen Seite mit der Vielzahl der Beteiligten. So ist die Kommune mit ins Boot zu holen, da ihr die Planungshoheit und damit die politische Verantwortung für die Stadtentwicklung obliegt. Wir prüfen, inwieweit wir pastorale Nutzungen an Standorten zusammenziehen können. Hier ergeben sich Möglichkeiten der Integration zum Beispiel von Pfarrheimflächen neben dem Erhalt verkleinerter Sakralräume in unseren Kirchen oder Kapellen. Sofern die Gebäudestruktur gute bauliche Voraussetzungen bietet, sind wir um Folgenutzungen profaner Art bemüht. Im Bistum gibt es bereits gute Beispiele an Standorten wie in Bocholt, Dülmen, Herten, Marl oder in Münster.
Kirche+Leben: Gibt es im Bistum eine grundlegende Konzeption im Umgang mit Immobilien?
Wendel: In Abstimmung mit der Hauptabteilung Seelsorge analysieren wir die seelsorglichen Rahmenbedingungen und die Gebäudesituation in den Kirchengemeinden in regelmäßig stattfindenden Gesprächen. Die Bistumsleitung ist in diese Prozesse selbstverständlich involviert. Wir haben keinen Masterplan in der Schublade, der im Bistum dann umgesetzt werden müsste. Dafür sind die zu berücksichtigenden Zusammen-hänge und Strukturen unserer Gemeinden zu komplex. Allerdings sehen wir Prioritäten bezüglich des Erhalts unserer Kirchen und Kapellen. Sind sie doch unser baugeschichtliches Kulturgut. Das lässt sich jedoch nicht für jeden Standort durchhalten, sodass wir gerade in den größeren Siedlungszusammenhängen die Verfügbarkeit von Kirchenstandorten diskutieren.
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