
Als oberstem synodalem Mitwirkungsgremium unter dem Vorsitz von Bischof Felix Genn wurde dem Diözesanrat jetzt ein Entwurf für einen neuen Diözesanpastoralplan vorgelegt.
Sitzung des Diözesanrats am Wochenende
Entwurf für Diözesanpastoralplan vorgelegt
Bistum. Eine Arbeitsgruppe um den münsterschen Seelsorgeamtsleiter Pater Manfred Kollig hat bei der jüngsten Sitzung des Diözesanrats am Freitag (09.12.2011) in Münster einen ersten Entwurf für einen neuen Diözesanpastoralplan für das Bistum Münster vorgelegt.
Die 13-köpfige Runde aus hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern hatte in vier Sitzungen seit dem Frühjahr an dem Papier gearbeitet. Der Entwurf umfasst insgesamt 19 Seiten. In den Sitzungen des Diözesanrats im kommenden Jahr will das oberste Beratungsgremium von Bischof Felix Genn über den Plan debattieren, ihn gegebenenfalls modifizieren und in der Dezember-Sitzung 2012 beschließen.
Diskussionsgrundlage
Pater Manfred betonte bei der Vorstellung des Entwurfs, dass dieser eine Gesprächsgrundlage sein solle. Er sei aus seiner Sicht umfangreicher als nötig und benenne auch mehr Ziele als es realistisch sei. In der nun beginnenden Diskussionsphase sei zu prüfen, ob in der gegenwärtigen Situation der Seelsorge alles Wesentliche benannt sei oder ob Wesentliches fehle. Man habe einen Plan entwickeln wollen, der sich am Evangelium orientiere und die Lebenswelt der Menschen im Blick habe.
Mit dem Seelsorgeamtsleiter stellten Andreas Fritsch von der Fachstelle Gemeindeberatung im münsterschen Generalvikariat und der Weseler Pastoralreferent Raphael Günther den Entwurf vor. Gegliedert ist er in drei Hauptteile: Einer Situationsanalyse folgt die Vorstellung eines biblischen Leitworts und schließlich die Benennung von Optionen und Zielen.
Situationsskizze
Auf vier Seiten beginnt der Entwurf des Pastoralplans mit einer Analyse der gegenwärtigen Situation. "Die Volkskirche ist Vergangenheit", hält der Text fest. Man befinde sich in einem Übergang zu einer "Kirche im und für das Volk". In einer entchristlichen und entkirchlichten Gesellschaft könne man Glaubenswissen und -praxis nicht voraussetzen. Zunehmend werde eine Spannung zwischen Evangelium und Alltagskultur wahrgenommen.
Der Text spricht von einer zunehmenden Verunsicherung, "was als wesentlich für den katholischen Glauben und eine gelebte Gottesbeziehung anzusehen ist". Eine zentrale Dimension heutigen Lebens ist für die Verfasser des Entwurfs der Gewinn an individueller Freiheit. Die Menschen hätten den Anspruch, diese Freiheit auch in der Beziehung zur Kirche als wesentlich anzusehen. Dies habe deutlichen Einfluss auf die Bindung von Menschen an die Kirche und die konkrete Gemeinde vor Ort.
"Megatrends akzeptieren"
Der Entwurf enthält die Mahnung, großflächige wie auch eher lokale Entwicklungen nicht zu ignorieren. Auch könnten diese nicht wesentlich beeinflusst werden, sondern man müsse ihnen Rechnung tragen.
Als "Megatrends" nennt der Plan: "Individualisierung, Globalisierung, Pluralisierung, Ästhetisierung und gestiegenes Bildungsniveau treffen auf lokaler Ebene auf soziokulturelle Trends, die als eine Gegenbewegung zu diesen Megatrends angesehen werden können: eine neue Sehnsucht nach Verankerung und Beheimatung, ein Rückzug in das eigene Zuhause und den eigenen Nahbereich (Cocooning), die Organisation neuer Beziehungsnetzwerke (Clanning) sowie der Wunsch nach Erlebnis und Erfahrung." Diese Trends verstärkten überdies die Differenz zwischen Arm und Reich.
Emmausgeschichte als biblisches Leitwort
Im Folgenden entwickeln die Autoren die Emmausgeschichte, wie sie der Evangelist Lukas (Kapitel 24) aufgeschrieben hat, als biblisches Leitwort. Sie stellen aktuelle Bezüge zu dem Schrifttext her und benennen Impulse aus dem Evangelium.
"Die Emmaus-Erzählung kann alle Menschen, die im Bistum Münster ehren- oder hauptamtlich in der Pastoral mitwirken, in den kommenden Jahren motivieren, orientieren und stärken." Weiter heißt es etwa: "Was auf den ersten Blick nach Scheitern oder Krise aussieht, kann auf den zweiten Blick der Übergang zu einer entscheidenden Veränderung und einem wichtigen Neuanfang im Glauben sein."
Optionen und Ziele
Den größten Teil des Entwurfs machen die "Optionen und Ziele" aus. Diese seien allerdings in den Pfarreien ihrer spezifischen Situation entsprechend zu konkretisieren. Die Pfarrei wird "als ein definiertes Territorium" gesehen. In ihr könne es Gemeinden vor Ort geben, kirchliche Einrichtungen, Verbände, Gruppen und kirchlich geprägte Orte.
Bewusst hat sich das Team um den Seelsorgeamtsleiter Kollig auf die Benennung von fünf Schwerpunkten begrenzt, die es für bedeutsam hält: die lokale Kirchenentwicklung, die Glaubenserneuerung und -vertiefung, die Verbindung von Liturgie und Leben, das Suchen und Fördern von Charismen, die missionarische Konkretisierung. "Wir empfehlen, diese Schwerpunkte als vorrangige Optionen für die Gestaltung der Pastoral anzunehmen und in einem dialogischen Entwicklungsprozess zu konkretisieren", heißt es in dem Entwurf.
Ziele fürs Bistum und die Pfarreien
Der Text entfaltet im Folgenden die Schwerpunkte. Die Arbeitsgruppe Diözesanpastoralplan hat dazu für jede der fünf Optionen je zwei mögliche Zielformulierungen für die Diözesanebene sowie zwei für die Pfarreiebene entwickelt.
So ist für die Autoren die Frage der Präsenz der Kirche vor Ort zentral. Sie schlägt daher etwa eine dauerhafte Koordinierungsgruppe im Generalvikariat zur Unterstützung der lokalen Kirchenentwicklung vor. Im Sinn einer gelebten Gastfreundschaft regt der Plan an, regelmäßig alle drei Jahre alle Pfarreimitglieder von Ehren- oder Hauptamtlichen zu besuchen.
Jährlich Veranstaltungen zur Glaubensbildung von Erwachsenen
Mit Blick auf die Glaubensvertiefung heißt es etwa im Plan: "Das Bistum Münster fördert aus diesem Grund in besonderer Weise alle geeigneten Ansätze (z.B. Kleine Christliche Gemeinschaften-KCG) und methodischen Zugangsweisen (z.B. Bibel-Teilen, Bibliodrama) und entwickelt in diesem Sinne neue praxisorientierte Formate biblisch-theologischer Bildung." Auf Pfarreiebene sollte jährlich eine Veranstaltung zur Glaubensbildung von Erwachsenen durchgeführt werden.
Bei der Verbindung von Liturgie und Leben regt der Text an, die liturgische Bildung von Haupt- und Ehrenamtlichen zu vertiefen. Auf Pfarrebene könnten etwa auch die Namen der Zelebranten und Prediger genannt werden. Neben der Eucharistie als zentralem Ort der Sammlung der gesamten Pfarrei seien auch andere liturgische Formen zu entwickeln.
Qualifizierung von Ehrenamtlichen
Mit Blick auf die Förderung von Charismen schlägt das Autoren-Team eine intensive Qualifizierung von Ehrenamtlichen vor. Hauptamtliche sollten nur Aufgaben übernehmen, die kirchenrechtlich oder in Ermangelung von Alternativen notwendig durch sie erfüllt werden müssten.
Weiter regt der Plan an, Caritas und Pastoral noch stärker zu vernetzen – "in allen Bereichen des kirchlichen Lebens". Vor Ort gehe es dabei um die Einbindung sozialer Einrichtungen. Mit Blick auf die Begleitung von Trauernden und die Beerdigungskultur heißt es etwa in dem Entwurf: "Dabei setzen wir uns in einer wertschätzenden Grundhaltung mit den Wünschen der trauernden Angehörigen und Freunde auseinander, die sich in einer sensiblen Lebenssituation befinden. Wir überlegen, welche kirchlich ungewohnten Formen (z. B. Musikwünsche, Bestattung im Friedwald) wir akzeptieren und mittragen können."
Zum Herunterladen:
Entwurf für einen Diözesanpastoralplan für das Bistum Münster
Verfahrensregelung und Zeitplan zur Umsetzung des Diözesanpastoralplans
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