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23.05.2012
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Das Diözesankomitee tagte am Wochenende im Franz-Hitze-Haus in Münster.

Das Diözesankomitee tagte am Wochenende im Franz-Hitze-Haus in Münster.

Vollversammlung des Diözesankomitees der Katholiken

Laien warnen vor Scheitern des kirchlichen Dialogs

Bistum. Vor einem Scheitern der derzeitigen Gesprächsprozesse zur Kirchenreform hat das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster gewarnt. Am Ende müssten "konkrete Ergebnisse stehen, die den Aufwand rechtfertigen, mit dem dieser große Dialogprozess derzeit geführt wird". Das erklärte die Vorsitzende der Vertretung der rund zwei Millionen Katholiken im Bistum Münster, Notburga Heveling, bei der Herbstvollversammlung des Komitees am Samstag (12.11.2011) in Münster.

Katholiken wie die interessierte Öffentlichkeit werden sich nach Meinung von Heveling nicht damit zufrieden geben, "dass wir in angenehmer Runde Themen diskutiert haben, die seit Jahren vielen Menschen auf den Nägeln brennen". Bischöfe und Laienvertreter "sollten mit dieser Erwartungshaltung redlich umgehen, sonst wird die Frustration am Ende größer sein als zuvor".

Hoffnung auf Pastoralplan – Kritik an Strukturplan

Dankbar zeigte sich die Vorsitzende des Diözesankomitees für die Ausführung von Bischof Felix Genn beim Seelsorgertag (07.11.2011), wonach "Kirche ohne Laien überhaupt nicht Kirche ist". Sie wünschte sich daher "eine intensive Beteiligung" der Laien an der Erstellung des Diözesanpastoralplans, der Schwerpunkte für die Seelsorge der Zukunft setzen soll. Es dürfe nicht so sein "wie bei der Vorlage des Pfarreistrukturplans, wo wir – wie auch die Gemeinden und die meisten Hauptamtlichen – vor vollendete Tatsachen gestellt wurden". Heveling weiter: "Wenn Dialog eine Stilfrage ist, so war dies ein Stil, den man sich auch anders hätte vorstellen können – um es sehr vorsichtig zu formulieren."

Als "außerordentlich positiv" wertete Heveling die Resonanz auf den so genannten "Pfingstbrief" der Laienvertretung. Darin waren die Katholiken ermuntert worden, in Gruppen, Gremien und Verbänden zu Gesprächen zusammenzukommen und sich über die Kirche, über Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen auszutauschen. Die Rückmeldungen zeigten "wie dringend es ist, dass verschiedene Themen endlich angepackt werden". Mit dem Anliegen habe man einen Nerv getroffen. Bislang habe es Rückmeldungen aus zehn Prozent der bistumsweit der 346 Pfarreien gegeben, hieß es bei der Vollversammlung. Hinzu kämen zahlreiche Rückmeldungen von Einzelpersonen. Noch bis März 2012 können Gemeinden auf den "Pfingstbrief" reagieren.

Eurokrise: Eigenen Lebensstil prüfen

Mit Blick auf die andauernde Krise des Euros und der Eurostaaten verlangt das Diözesankomitee, die Länder der so genannten Dritten Welt nicht außer Acht zu lassen. Deren Bürger spürten schon jetzt "deutlich mehr als wir die Folgen der Dauer-Selbstbeschäftigung Europas". Um der Gerechtigkeit willen dürften verantwortliche Politiker nicht nur in den Grenzen der Euro-Zone denken. "In einer globalisierten Welt kann sich Europa nicht isoliert sehen."

Kritisch verwies Heveling auf den Umgang mit den natürlichen Ressourcen und Energien hierzulande. Selbst Nahrungsmittel würden zur Energie-Gewinnung verwandt, Produkte aus so genannten Billig-Lohn-Ländern konsumiert. "All dies zeigt die dramatische Schieflage, vor der wir unsere Augen nicht verschließen dürfen und die auch die Politik nicht ignorieren darf."

Die Vorsitzende der diözesanen Laienvertretung appellierte aber auch an die Christen, ihren eigenen Lebensstil zu überprüfen. In der gegenwärtigen Situation gehe es darum, Maß zu halten. "Unsere Gesellschaft lebt über ihre Kosten – die Folgen unseres Lebensstils baden schon jetzt andere aus und zunehmend wird diese Welle auch uns ergreifen." Mit Blick auf die Menschen in den Entwicklungsländern und auf künftige Generationen müsse ein Umdenken einsetzen.

Beschluss zur Leiharbeit

In einem einstimmig verabschiedeten Beschluss nahm das Diözesankomitee Stellung zum Thema Leiharbeit. Diese sei nur als Mittel zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt hinnehmbar. Wörtlich heißt es in dem Papier: "Leiharbeit darf nicht Instrument für Lohndumping und Spaltung von Belegschaften sein." Der Gesetzgeber müsse eine Gleichbehandlung von Leiharbeitnehmern und den regulär Beschäftigten beim Entgelt und wesentlichen anderen Arbeitsbedingungen in Leiharbeitsfirmen bindend festschreiben. Leiharbeitsfirmen sollten streng überprüft werden.

Die Betriebe dürfen nach Meinung des Diözesankomitees mit Leiharbeitnehmern nur Spitzen abdecken oder kurzfristige Ausfälle kompensieren. Leiharbeit müsse Ausnahme für gegebene notwendige Flexibilitätsanforderungen in den Betrieben bleiben. Und: "Kirchliche und karitative Arbeitgeber müssen in der Behandlung von Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitarbeitnehmern vorbildlich sein."

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Diözesankomitee der Katholiken

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.dioezesankomitee.de

Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener
12.11.2011

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