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23.05.2012
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Während des Gottesdienstes legen die Teilnehmer zu den Fürbitten Kerzen auf das Kreuz.

Während des Gottesdienstes legen die Teilnehmer zu den Fürbitten Kerzen auf das Kreuz.

Ü-30-Gottesdienste

Die Themen des Alltags in die Liturgie einbringen

Kevelaer. Schon früh füllen sich die Bankreihen in der Kapelle des ehemaligen Klosters der Clemensschwestern an der Sonnenstraße in Kevelaer. Noch baut die Musikgruppe "Horizonte" ihre Instrumente auf, und die Vorbereitungsgruppe installiert den Projektor, während die Frauen und Männer in den Bänken Platz nehmen. Sie nutzen die bevorstehenden 30 Minuten, um still zu werden. Die Gruppe wird immer größer. Kurz vor dem Beginn des Gottesdienstes befinden sich mehr als 200 Menschen in den Bankreihen. Sie haben sich den Ü-30-Gottesdienst schon im Vorfeld in den Kalender eingetragen. An diesem Freitagabend hätte es für sie keinen wichtigeren Termin gegeben.

"Ich habe mich schon den ganzen Nachmittag auf den Abend gefreut", sagt Daniela Ameloh, eine 43-jährige Krankenschwester aus Geldern. Sie hat bereits 2010 den Gottesdienst in der Sonnenstraße besucht. "Das Thema "Unser Draht nach oben" spricht mich an. Ich möchte heute abend meinen Draht zu Gott ausbauen. Und der Gesang ist anders als gewöhnlich. Hier singe ich die Lieder gern mit. Auf diese Weise kann ich meine Seele nach einer stressigen Woche baumeln lassen."

Das Kevelaerer Ehepaar Birgit und Bernd Fasen ist ebenfalls zum zweiten Mal dabei. "Die Liturgie im vergangenen Jahr hat uns sehr angesprochen", sagt der 48-Jährige. "Die Themen werden lebendig transportiert." Die Glocke läutet, und Hans Gerd Paus, Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt in Geldern, zieht in das Gotteshaus ein. Die Gruppe "Horizonte" intoniert das Lied "Die Sache Jesu braucht Begeisterte", der Funke springt auf die Menge über, sie singen intensiv mit.

"Wir haben Glück! Der heiße Draht zu Gott ist keine Telefonleitung. Wir haben von Gott die Zusage, dass er immer für uns da ist", beginnt Marcel Robens vom Vorbereitungskreis. Bilder illustrieren die folgenden Kurzgeschichten, in denen Ulrike Halmans und Michaela Sieben von ihren Glaubenserfahrungen erzählen.

Halmans berichtet von ihrem Wüstentrip in Israel, bei dem sie eine enge Verbundenheit zu Jesus gefühlt hat. Sieben erinnert sich an die Hektik der vergangenen Woche, an den Spagat zwischen Beruf und Familie und dass der Blick auf das Kreuz sie ruhiger werden ließ.

Die Vorbereitungsgruppe, bestehend aus sechs Ehepaaren, hat eigene Glaubenserlebnisse, Erfahrungen und Gedanken in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gestellt. "Wir suchen das spannende Thema, das uns und die anderen inte­ressiert und gestalten so die Liturgie." Die Gruppe, bestehend aus Michaela und Clemens Sieben, Daniela und Marcel Robens, Ulrike und Günter Halmans, Andrea und Georg Foitzik, Dorothee und Ludger Essen sowie Ursula und Wilhelm Drießen ist in der kirchlichen Szene Kevelaers bekannt. Seit etlichen Jahren sind sie in der Vorbereitung von liturgischen Feiern aktiv.

"Vor einiger Zeit haben wir uns gesagt, dass die Familiengottesdienste uns nicht mehr ansprechen", erinnert sich Wilhelm Drießen. Auf der Suche nach Alternativen begegnete ihnen eine Idee aus dem Nachbarbistum Essen. In Oberhausen gab es bereits so genannte Ü-30-Gottesdienste. "Das können wir auch", war sich die Gruppe einig. Bei Pfarrer Alois van Doornick und dem damaligen Wallfahrtsrektor Stefan  Zekorn stieß die Anregung auf fruchtbaren Boden. Beide gaben grünes Licht.

"Sie waren froh, dass sich einige über alternative Gottesdienstformen Gedanken machten und die Ideen auch umsetzten", sagt Drießen. Der Name Ü-30-Gottesdienst wurde Programm. "Wir waren aus der Kleinkindphase heraus und wollten eine uns entsprechende Zielgruppe ansprechen", sagt Clemens Sieben. Nach den Vorstellungen von Georg Foitzik sollten die Gottesdienste einen stärkeren meditativen Zug bekommen als beispielsweise die gängigen Sonntagsgottesdienste. "Es musste etwas Neues sein – eine neue Struktur, eine starke thematische Prägung und neues Liedgut –  so wollten wir die Menschen gewinnen", sagt er.

Der "Draht zu Gott"

2010 bereitete die Gruppe ihren ersten Gottesdienst vor. Ein Jahr später folgt der zweite. Den Jahresrhythmus wollen sie beibehalten. "Bei den Vorbereitungstreffen äußert jeder seine Vorstellungen. Wie ein Brainstorming gestaltet sich die Themenfindung. Wir haben uns beispielsweise gefragt, wie der "Draht zu Gott" in unserem Leben aussieht", ergänzt Sieben.

Der Gottesdienst ist bei den Fürbitten angekommen. Jeder hat die Möglichkeit, seine Gedanken an Gott zu formulieren und eine kleine Kerze zu einem Kreuz zu tragen, das vor dem Altar liegt. "Die Texte holen die Menschen in ihrem Alltag ab", sagt Karl van Eickels. Der 57-Jährige hatte aus der Zeitung von dem Angebot gehört. Ihm hilft diese Gestaltung, seinen "Draht zu Gott" zu festigen.

Auch Hans Gerd Paus hat einen entsprechenden Eindruck. "Die Themen des Alltags werden in die Liturgie geholt", sagt er. Auf diese Weise könne man die Menschen auch heute erreichen. Der Beifall der Gottesdienstbesucher nach dem Schlusslied bestätigt den Eindruck.

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