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23.05.2012
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Familie.

Die zunehmende Schaffung von Heimarbeitsplätzen ermöglicht nach Ansicht von NRW-Familienministerin Schäfer flexiblere Arbeitszeiten, die sich an den Erfordernissen der Familie orientieren.

Kleinbetriebe und Großunternehmen schneiden am besten ab

Viele Mitarbeiter finden ihre Betriebe familienunfreundlich

Düsseldorf/Münster/Vreden. Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen halten nach einer Umfrage ihre Betriebe nicht für familienfreundlich. Nach der am Dienstag (11.10.2011) von NRW-Familienministerin Ute Schäfer (SPD) vorgestellten Untersuchung der Universität Münster beklagen die Mitarbeiter, dass von Unternehmensführungen über Familienfreundlichkeit "mehr geredet als gehandelt" werde. Schäfer sprach von einem "Umsetzungsproblem". Zugleich gaben aber 60 Prozent der Befragten an, dass sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an Rhein und Ruhr in den letzten Jahren "deutlich verbessert" habe.

Nach der Studie sind Kleinunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern und Großunternehmen ab 250 Beschäftigten aus Mitarbeitersicht am familienfreundlichsten. Während kleine Betriebe Probleme hinsichtlich Familie und Beruf im unmittelbaren Austausch lösten, hätten viele Großunternehmen die Vereinbarkeitsfrage durch entsprechende Arbeitseinheiten institutionalisiert, sagte die Ministerin. Laut Schäfer ist die münstersche Studie mit dem Titel "Familienbewusstes NRW - Was tun Unternehmen?" bundesweit die erste Untersuchung, die auf einer Befragung von Beschäftigten basiert.

80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen

Die Ministerin beklagte, dass unter den derzeitigen Rahmenbedingungen besonders Frauen vor allem nur in der Teilzeit eine Chance sehen, Familie und Beruf zu vereinbaren. 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten seien Frauen. Dauerhafte Teilzeit sei für Frauen aber "eine Sackgasse, die in Karriereknick und Altersarmut münden kann", so Schäfer. In der Regel ermögliche Teilzeitarbeit keine Beschäftigung auf dem erlangten Qualifikationsniveau.

Deshalb sei die Entwicklung neuer Modelle notwendig, die eine tatsächliche Parallelität von Familie und Beruf ermögliche. Einen Ansatz dazu biete die so genannte "vollzeitnahe Teilzeit" von etwa 30 Wochenstunden. Auch die zunehmende Schaffung von Heimarbeitsplätzen ermögliche flexiblere Arbeitszeiten, die sich an den Erfordernissen der Familie orientierten.

Flexibilisierung der Arbeitszeiten

Neben der Flexibilisierung der Arbeitszeiten verlangte Schäfer einen Ausbau der betrieblichen Kinderbetreuung. Die Studie belege, dass hier "noch zu wenig" geschehe. Nur von jedem vierten Großunternehmen in NRW würden derzeit Betreuungsplätze angeboten. Von den kleineren und mittleren Betrieben stelle gegenwärtig nur jeder zehnte eine Kinderbetreuung sicher.

Einen weiteren Mangel sieht Schäfer aufgrund der Untersuchung beim Angebot von haushaltsnahen Dienstleistungen und Ferienbetreuung durch die Unternehmen. Nur bei der "Notfallbetreuung", die inzwischen von einem Drittel aller Betriebe angeboten werde, sei ein Fortschritt erkennbar.

CDU-Familienexperte Tenhumberg übt Kritik

Der CDU-Familienexperte Bernhard Tenhumberg (Vreden) warf Schäfer vor, der Wirtschaft die Schuld für fehlende Kindergartenplätze in NRW anzulasten. Bei der Zahl der Betreuungsplätze für Unterdreijährige sei NRW bundesweit immer noch Schlusslicht. Dies sei mit "einseitigen Beschimpfungen" an die Wirtschaft nicht zu ändern. Hier müsse die rot-grüne Landesregierung zunächst "ihre Hausaufgaben machen".

Es sei "ein starkes Stück", dass die Ministerin von den Unternehmen die Einrichtung von Betriebskindergärten verlange, die Landesbehörden selbst aber keine solche Einrichtungen unterhielten. "Bevor Frau Schäfer die Keule von der Familienfreundlichkeit nordrhein-westfälischer Unternehmen schwingt, sollte sie wenigstens in ihrem eigenen Hause vorbildlich handeln", erklärte Tenhumberg.

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