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23.05.2012
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Clemensschwestern.

Sie kümmern sich seit zehn Jahren um das Euthymia-Zentrum im Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster: Schwester Annette, Schwester Raphaelis, Schwester Raphaela, die seit Jahren als Aufsicht mit dabei ist, und die heutige Verantwortliche, Schwester Elisabethis (von links).

Eine Heilige des Volks

Selige Schwester Euthymia: Kein Leid ist ihr fremd

Bistum. Viele Menschen kommen tagtäglich ins Euthymia-Zentrum an der Loerstraße im Zentrum Münsters. Die Clemensschwestern, die dort Dienst tun, erleben so, wie groß das Vertrauen in ihre Mitschwester Euthymia ist, die am 7. Oktober 2001 selig gesprochen wurde.

Für Schwester Euthymia musste man noch nie Werbung machen." Was Schwester Annette da lächelnd ins Gespräch wirft, das bestätigen ihre Mitschwestern Raphaelis und Elisabethis ohne zu zögern: Die drei Frauen betreuen seit der Eröffnung vor zehn Jahren das Euthymia-Zentrum in der münsterschen Loerstraße und spüren auch eine Dekade nach der Seligsprechung der Clemensschwester, welch ungebrochene Faszination von ihr ausgeht.

Schwester Raphaelis erinnert sich gern an die Anfänge im neu geschaffenen Verehrungs- und Informationsort im Mutterhaus der Clemensschwestern. "Bischof Reinhard Lettmann segnete im Oktober 2001 das Zentrum; in langer Lichterprozession sind wir dann zur neuen Grab-Kapelle auf dem Zentralfriedhof gepilgert."

Sicher kamen in der direkten Folge der Seligsprechung mehr Pilgergruppen als heute, aber inzwischen gebe es auch weitere Orte der Verehrung und der Erinnerung – etwa in Halverde, dem Geburtsort der Schwester, oder sogar im afrikanischen Ruanda, wo eine Missionsstation nach ihr benannt ist. "Es ist viel von hier ausgegangen."

Schwester Raphaelis hat die Selige übrigens noch persönlich gekannt: "Sie hat uns junge Lernschwestern fasziniert."

Der Hochaltar in der Kapelle des Euthymia-Zentrums.

Seit einem halben Jahr ist nun Schwester Elisabethis mit der Betreuung des Euthymia-Zentrums beauftragt. "Wie meine beiden Vorgängerinnen erlebe ich die Begegnung mit den Menschen als große Bereicherung", sagt sie. Da sind die stillen Beter, die regelmäßig kommen, aber auch jene, die nur kurz hereinschauen, angelockt durch die einladend offen stehende Tür und den gerade wieder auf Hochglanz gebrachten Altar, vor dem Euthymia selbst so oft gebetet hatte.

Das ausliegende Fürbitt-Buch – inzwischen füllen die Blätter zwei dicke Ordner – erzählt ein wenig von dem, was die Menschen hierher zieht: "Es gibt kein menschliches Leid, das nicht zu Euthymia getragen wird."

Viele Tränen werden in der Stille geweint, viele Patienten der Raphaelsklinik nebenan kommen, um zu bitten oder auch zu danken. "Sehr häufig sitzen hier Menschen mit einer ärztlichen Befundakte in den Händen – das berührt mich dann tief. Da kann man nur ahnen, was im Dialog mit der Seligen geschieht", erläutert Schwester Raphaelis, dass sie zwar gern mit den Besuchern ins Gespräch kommt – aber genau wie ihre Vorgängerinnen nur mit jenen, die dazu Signale aussenden. "Viele wollen einfach nur still da sein", weiß auch Schwester Annette.

Doch nicht nur Leid, Ängste und Sorgen tragen die Menschen zu der so wenig spektakulären, dafür umso mehr menschennahen Seligen: "Gerade habe ich eine E-Mail bekommen, dass eine Sängerin sich bei uns Schwestern mit einem kleinen Liedvortrag für Fürbittgebete bedanken möchte", erzählt Schwester Raphaelis, die sich auch um die gleichbleibend großen Mengen an Telefonaten, elektronischer und Briefpost kümmert, die täglich das Zentrum erreichen.

Ein junger Mann bedankte sich unkonventionell für erfahrene Hilfe mit einem Trompeten-Ständchen am Grab von Euthymia. Auch Wallfahrten aus Dankbarkeit erleben die Schwestern: "Einmal kam ein älterer Mann mit dem Fahrrad aus Schermbeck nach Münster, um für die Genesung seiner Frau zu danken."

Ob Schüler- und Studentengruppen – das Zentrum ist seit einiger Zeit ein außerschulischer Lernort – oder Familien an Geburts- oder Hochzeitstagen, Reisegruppen aus ganz Deutschland, Ordensleute oder die Teilnehmer an den Bischöflichen Segnungstagen für Eheleute oder Verwitwete: Sie alle erleben im Euthymia-Zentrum neben der Stille und der kleinen Ausstellung über das Leben der bescheidenen Clemensschwester immer auch ein Stückchen jener Spiritualität, die die Selige getragen hat:

"Daran mitzuwirken durch Anteilnahme, durch Zuhören, durch Unterstützung, Fürbitte oder ein gutes Wort, das macht den Dienst so einzigartig", sagen die drei Ordensfrauen, die ihr Wirken wie ein Geschenk empfinden.

Euthymia-Gedenken

Mit festlichen Gottesdiensten begeht das Bistum Münster gemeinsam mit den Clemensschwestern den zehnten Jahrestag der Seligsprechung von Schwester Euthymia: Am Freitag (07.10.2011) ist um 18.30 Uhr ein Pontifikalamt mit Bischof em. Reinhard Lettmann im St.-Paulus-Dom in Münster. Davor ist um 18 Uhr eine Vigil mit Pfarrer Jochen Reidegeld. – Am Sonntag (09.10.2011) ist um 10 Uhr eine Messe in St. Peter und Paul in Hopsten-Halverde mit Domkapitular Martin Hülskamp, seinerzeit Vize-Postulator im Seligsprechungsverfahren. – Ebenfalls am Sonntag (09.10.2011) ist um 12 Uhr ein Pontifikalamt in St. Vinzentius in Dinslaken mit Weihbischof Wilfried Theising. (göc)

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  4. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.clemensschwestern.de

Text: Heike Hänscheid | Fotos: Heike Hänscheid, Norbert Göckener in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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