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23.05.2012
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Intaktes volkskirchliches Leben

Intaktes volkskirchliches Leben mit nahezu volksfestähnlicher Stimmung: Am 8. Mai 1937 besuchte Clemens August von Galen Goch und spendete dort das Firmsakrament.

Erfolgreicher Aufruf in Kirche+Leben

Kardinal von Galen: Eine Identifikationsfigur

Bistum. Für die Nazis war er zwar ein rotes Tuch, für die Katholiken im Bistum Münster aber dennoch eine Identifikationsfigur: Clemens August Graf von Galen, von 1933 bis 1946 Bischof von Münster. Das zeigen zahlreiche Fotos, die der Dülmener Pfarrer Markus Trautmann gemeinsam mit seinen Mitstreiterinnen Christiane Daldrup, Dülmen, und Verona Marliani-Eyll, Kevelaer, auf der Internetseite www.wie-ein-loewe.de einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert.

Im Frühjahr hatte Trautmann über die Bistumszeitung Kirche+Leben einen Aufruf gestartet, historisches Bildmaterial zur Verfügung zu stellen, "das es noch vielerorts im Münsterland, im Oldenburger Land und am Niederrhein gibt". Auch gehe es darum, Abbildungen von Gedenkstätten und Erinnerungshinweise an den "Löwen von Münster" zusammenzutragen.

Bischof Galen beim Besuch einer Schule; der Schulleiter in Nazi-Uniform. Ironischer Titel: "Staat und Kirche."

Gute Resonanz

Mit der Resonanz sind die Initiatoren zufrieden: "Es gab zahlreiche Einsendungen – überwiegend waren es einzelne Bilder, aber auch ein paar Fotoserien etwa aus dem münsterschen Bistumsarchiv, aus Goch und Wettringen sind darunter." Allerdings: Das Gros der Fotos war in digitaler Form. Trautmann denkt weiter: "Es wäre gut, wenn auch die Papierfotos der Nachwelt erhalten blieben." Doch bislang sehe sich keine Einrichtung beauftragt, die Dokumente und Erinnerungsstücke des Seligen zentral zu sammeln.

Bislang sind es mehr als 400 Fotos in der Galerie Galen, die das Redaktionsteam des Web-Portals den Nutzern präsentiert – einige wenige sind sogar Farbfotos, die für die damalige Zeit ausgesprochen selten waren. Diese Bilder ermöglichen einen Einblick in die damalige Zeit. Offenkundig waren sich die Gläubigen der politischen Brisanz der Reden und Taten ihres Bischofs sehr wohl bewusst – wie etwa die berühmten Predigten im Sommer 1941 unter anderem gegen die "Rassenhygiene"-Maßnahmen der Nazis gegen Behinderte.

"Wir bleiben treu"

"Du bist unser Hirte – wir sind Deine Herde" – dieses über eine Straße gespannte Transparent begrüßte etwa Bischof Galen im Oktober 1942 in Neuenkirchen, wohin er zur Firmung gekommen war. Weitere Fotos zeigen Dutzende geschmückte Räder und ihre Fahrer, die den Bischof an der Ortsgrenze empfangen und in das mit Girlanden reich geschmückte Dorf begleiten. Nicht anders ein Bild aus Weseke (bei Borken): Dort manifestierte ein Transparent die Botschaft "Wir bleiben treu".

Die Galerie zeigt auch ein Foto, das für Furore gesorgt hat. Es wurde aufgenommen bei einer Visitation einer Schule in Emmerich in den 1930er Jahren. Der Schulleiter begrüßte den Bischof damals demonstrativ in Nazi-Uniform. Dabei entstand dieses für die Nazis ungünstige Foto: Es zeigt die beiden von hinten, wobei der kleingewachsene Schulleiter – trotz Mütze – dem hühnenhaften Galen nicht einmal bis zur Schulter reicht. Das Bild wurde später ironisch "Staat und Kirche" betitelt.

Begeisterung bei den Kindern und Freude über den freundlichen Empfang: Clemens August von Galen bei einer Firmreise nach Oeding 1941.

Volksfestähnliche Stimmung

Viele Bilder spiegeln die Beliebtheit des Bischofs und das damals intakte volkskirchliche Leben mit nahezu volksfestähnlicher Stimmung: Reiter begrüßen den Bischof, kirchliche Banner wehen, eine Musikkapelle spielt auf, Menschenmassen sind auf den Beinen, Galen zieht häufig unter einem Baldachin segnend in den Ort ein, Gläubige knien nieder und bekreuzigen sich.

Meist wird Bischof Galen bei seinen Firm- und Visitationsreisen schon an der Ortsgrenze begrüßt und in der offenen Pferdekutsche zur Kirche gefahren. Ein Foto aus dem Jahr 1943 zeigt ihn so auf einer Firmfahrt von Brock nach Westbevern nordöstlich von Münster. Dazu vermerkt das Web-Portal "www.wie-ein-loewe.de": "Diese Kutschfahrt im offenen Landauer war für den Kutscher Große Lembeck nicht risikolos: Die Nazis der Gegend hatten gedroht: 'Wer den Bischof fährt, kommt sofort an die Front!' Aber Landwirt Große Lembeck setzte sich darüber hinweg, und als man sogar noch zwei auf Heimaturlaub befindliche Unteroffiziere als Reitereskorte gefunden hatte, sagte Bischof Galen: 'Wenn den Düwel dat ok nich hebben will – wi daot dat doch!' (Wenn der Teufel das auch nicht will – wir tun es trotzdem.)"

Straßen und Einrichtungen, Gedenktafeln und Verehrungsorte

Pfarrer Trautmann sammelt mit Daldrup und Marliani-Eyll weiter, und sie freuen sich über weitere Zusendungen. Wichtig sind ihnen dabei Hinweise und Fotos, wo heute die Erinnerung an den seligen Kardinal wach gehalten wird: durch die Benennung von Straßen und Einrichtungen, Gedenktafeln und Verehrungsorte.

Entstanden ist das Web-Portal durch ein Buchprojekt von Marliani-Eyll und Trautmann. Sie versuchen mit einem Jugendroman die Erinnerung an den Nazigegner Galen wach zu halten und ihn so für die jüngere Generation interessant zu machen. In dem Buch "Weiße Rosen für den Löwen" gehen sie auf die Verbindung des "Löwen von Münster" mit dem Münchner Widerstandskreis "Weiße Rose" um die Geschwister Scholl ein.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Seliger Clemens August Graf von Galen

Buchhinweis

Verona Marliani-Eyll, Markus Trautmann:
"Weiße Rosen für den Löwen. Eine Geschichte über das Erbe der Vergangenheit und über Jugendliche von heute"
200 Seiten, 9,80 €
Dialogverlag, Münster
Das bestellen ...

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.wie-ein-loewe.de

Text: Norbert Göckener | Fotos: Stadtarchiv Goch, Gerritzen in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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