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23.05.2012
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Diözesanrat beschloss Präambel für neues Pastoralkonzept.

"Gottvergessenheit" sehen die Mitglieder des Diözesanrats nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Kirche. Deshalb will sich das Bistum Münster verstärkt darum bemühen, "die Erinnerung an Gott wach zu halten".

"Die Erinnerung an Gott wach halten"

Diözesanrat beschloss Präambel für neues Pastoralkonzept

Bistum. Ein besonderes Zeichen dieser Zeit ist nach Meinung des Diözesanrates die "Gottvergessenheit". Deshalb will sich das Bistum Münster verstärkt darum bemühen, "die Erinnerung an Gott wach zu halten".

So steht es in der Präambel für ein neues diözesanes Pastoralkonzept, die der Diözesanrat unter dem Vorsitz von Bischof Felix Genn am Wochenende (16.09.2011) verabschiedet hat. Der Text nimmt Bezug auf den Wandel des religiösen Lebens der Menschen und verweist darauf, dass Strukturveränderungen in den Gemeinden und Streit um innerkirchliche Reformen "Enttäuschungen und Verletzungen" hinterlassen hätten.

Der neue Pastoralplan wird derzeit von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Seelsorgeamtsleiter Pater Manfred Kollig vorbereitet. Erste Ergebnisse will die Gruppe dem Diözesanrat im Dezember vorstellen. Der Pastoralplan richtet sich nach Kolligs Darstellung vor allem an diejenigen, die sich in der Seelsorge engagieren: in Pfarreien, kirchlichen Einrichtungen, in Verbänden und Gremien. Es gehe auch darum, diesen Engagierten biblische Leitmotive und -bilder an die Hand zu geben, an denen sie sich in ihrem pastoralen Dienst orientieren könnten, wie er gegenüber kirchensite.de erläuterte.

Titel "Die Sendung der Kirche im Bistum Münster"

Ihm vorangestellt wird die nun beschlossene Präambel, die auf rund drei Seiten in fünf Abschnitte unterteilt ist. Als überschaubare Kurzformel sind darin Ziel und Aufgabe der Seelsorge in der Diözese Münster beschrieben. Sie trägt den Titel "Die Sendung der Kirche im Bistum Münster".

"Gottvergessenheit" sehen die Mitglieder des Diözesanrats nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Kirche. Daher gelte es, "Wege für Menschen aller Milieus zu erschließen, den Gott und Vater Jesu Christi zu finden, besser noch: sich von ihm finden zu lassen und ihm nachzufolgen".

"Neue Kultur des Vertrauens" in der Kirche nötig

Voraussetzung dafür sei, "dass unsere Gemeinden Orte sind, in denen die Aufmerksamkeit für das Geheimnis Gottes geweckt und die Menschenfreundlichkeit unseres Gottes in Wort und Tat bezeugt wird", heißt es in der Präambel. Dies geschehe vor allem im Hören auf das Wort Gottes und in der Feier der Eucharistie, "Hand in Hand mit einer wachen Wahrnehmung der Wirklichkeit, in der die Menschen leben und in der uns Gottes Anruf begegnet".

Der Diözesanrat wünscht sich eine "neue Kultur des Vertrauens" in der Kirche. Denn: "Nur in einem Klima des Vertrauens und gegenseitiger Wertschätzung kann Seelsorge gelingen." Dies könne aber nicht angeordnet werden: "Vertrauen kann nur durch Vertrauen gestiftet werden." In der Präambel wird auf das gemeinsame Priestertum aller Getauften und Gefirmten verwiesen: Dies befähige "Bischöfe, Priester und Laien, in der Verschiedenheit ihrer Dienste am Aufbau des Reiches Gottes und der Heiligung der Welt mitzuwirken".

Ein "Schatz der Kirche"

Als "Schatz der Kirche" werden in der Einleitung zum Pastoralplan die Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten bezeichnet. Es gelte, diese Charismen zu entdecken. Das Einleitungswort fordert zur Wertschätzung dieses Engagements auf.

Die Kirche habe den Auftrag, der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen und der Menschen untereinander zu dienen. Dieser so genannten "Communio"-Gedanke mache die Kirche "unverwechselbar". Und: "In dieser Sendung kann sie von anderen nicht vertreten werden."

Reden – und Schweigen

"Die Kirche ist kein Selbstzweck", heißt es im letzten der fünf Abschnitte. Christen lebten nicht nur für sich selbst, sondern immer auch für andere. "Ein profilierter Lebensentwurf und authentisch wirkende Personen finden auch heute Beachtung." So ruft der Einleitungstext zu gelebter Nächstenliebe und zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sowie die Würde und Freiheit jedes Menschen auf.

Eine wichtige Aufgabe der Seelsorge wird es nach Meinung des Diözesanrates sein, "Christen zu ermutigen, häufiger und selbstverständlicher und mit demütigem Selbstbewusstsein von Gott zu anderen zu sprechen". Die Präambel schließt mit einem Zitat aus der ersten Enzyklika von Papst Benedikt XVI. (Deus caritas est – Gott ist die Liebe): "Der Christ weiß, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen."

41 Stellungnahmen

Pater Manfred erläuterte zu Beginn der Beratung, wie die Präambel entstand: Die Bistumsleitung hatte bei ihrer Klausurtagung Anfang des Jahres einen ersten Textentwurf vorgelegt. Dazu hatten 41 Gremien und Verbände Anmerkungen gemacht, die dann in eine Vorlage einflossen, die im Juni im Diözesanrat diskutiert wurde.

Aus der Beratung dieses Papiers in vier Gruppen entstand durch die Arbeit eines Redaktionsteams dann ein dritter Entwurf, der vom Diözesanrat nun verabschiedet wurde. Der Prozess und die Weise miteinander zu kommunizieren wertete der Seelsorgeamtsleiter gegenüber kirchensite.de als einen "Dialog auf Augenhöhe".

Berichte aus Mannheim, Lübeck, Madrid und München

Überdies berichteten in der Sitzung Teilnehmer des ersten Treffens des von der Bischofskonferenz initiierten Gesprächsprozesses mit 300 Teilnehmern im Juli in Mannheim. "Ein Anfang ist gemacht", stellte die Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, Notburga Heveling, heraus. Sie lobte die angenehme Atmosphäre und den offenen Austausch über Glaubensfragen bei dem Treffen.

Bischof Genn zeigte sich begeistert, in welch kurzer Zeit in kleinen Gruppen in intensiver Form über den persönlichen Glauben gesprochen worden sei. Er hob hervor: "Dialog ist Stil, ist Atmosphäre." Da der Gesprächsprozess ein geistliches Unternehmen sei, müsse mit "Störfeuern" gerechnet werden, und diese müsse man ernst nehmen.

Begeistert berichtete der Bischof von der Seligsprechung der so genannten Lübecker Märtyer Ende Juni; dabei hob er besonders die "ökumenische Verbundenheit" mit der evangelischen Kirche hervor. Ähnlich angetan war Genn vom Weltjugendtag in Madrid im August: "Die Begegnung mit den jungen Menschen aus unserer Diözese hat mich mit dem Bistum mehr verwachsen lassen." Lobende Worte fand Bischof Felix für das jüngste Friedenstreffen der Laiengemeinschaft Sant'Egidio in München: Dies diene dem Austausch und dem friedlichen Zusammenleben der Menschen.

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Text: Norbert Göckener
17.09.2011

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