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23.05.2012
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Nach der Andacht vor der Wallfahrtskirche:  Bischof Felix Genn und Großdechant Franz Jung.

Nach der Andacht vor der Wallfahrtskirche: Bischof Felix Genn und Großdechant Franz Jung.

65. Wallfahrt der Grafschaft Glatz

Bischof Felix Genn: Ihr Glaube ist tief verwurzelt

Telgte. Die Wallfahrtskirche in Telgte war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wachsam vernahmen die Gläubigen, was Bischof Felix Genn ihnen, den Teilnehmern der 65. Wallfahrt der Grafschaft Glatz, zu sagen hatte. Der Bischof von Münster sprach von Schmerzen, die ihnen durch die Vertreibung aus Schlesien zugefügt worden waren, und davon, dass Gottes Worte Frieden brächten. "Das ist eine Herausforderung für unser Herz, in dem nicht immer Frieden ist."

Mehr als 1.500 Katholiken hatten sich am Wochenende auf den Weg nach Telgte gemacht. "Ihre 65. Wallfahrt zeigt mir, wie tief der Glaube in Ihrer Heimat und Ihren Familien verwurzelt ist", merkte Genn in der Schlussandacht am Samstag (27.08.2011) an. Das Motto des zweitägigen Treffens - "Den Spuren Christi folgen" - griff er immer wieder auf. "Es trifft eine Aussage darüber, was Sie in Ihrer Landsmannschaft gemacht haben." Die Glatzer hätten weder Rache noch Vergeltung für ihre Vertreibung gewählt, sondern aus dem Glauben heraus den Schmerz gelebt, so dass Frieden habe wachsen können. Dazu fiel ihm das Gnadenbild von Telgte ein: die Mutter mit dem toten Sohn im Schoß. "Maria schaut einladend, als hätte sie auf ihrem Schoß für noch manch anderen Platz."

Nach der Andacht im Gespräch: Bischof Felix Genn.

"Ich gehöre zu Ihnen"

"Ich bin heute zum ersten Mal als Bischof von Münster in Ihrer Mitte. Ich komme aber nicht als Gast: Ich gehöre zu Ihnen, weil auch ich den Spuren Christi folgen will", versicherte Genn. Er erinnerte an das vergangene Jahr, als Kaplan Gerhard Hirschfelder (1907-1942) im Dom zu Münster selig gesprochen worden war. "Er hat dem gottlosen Regime widerstanden und als junger Priester sein Leben gegeben", rief er den im Konzentrationslager Dachau verstorben Jugendseelsorger der Grafschaft ins Gedächtnis.

"Inzwischen ist Hirschfelder längst zum Brückenbauer zwischen Polen, Tschechen und Deutschen geworden", erläuterte Michael Güttler, Pastoralrat der Grafschaft aus Hörstel, am Rande der Veranstaltung. In der Grafschaft, die jetzt zur Diözese Schweidnitz gehöre, sei Hirschfelder sehr präsent. Auf Anregung von Erzbischof Dominik Duka in Prag, zu dessen Bistum sie bis 1972 gehörte, würden Deutsche, Polen und Tschechen im Frühjahr 2012 sogar eine gemeinsame Wallfahrt unternehmen – als völkerverbindendes Element.

Versöhnung mit Tschechien und Polen

Auch der Bischof hob die Versöhnung mit Tschechien und Polen noch einmal hervor. "Der Mainstream in unserer Gesellschaft sucht ja andere Wege", kritisierte er mit Blick auf das Thema "Präimplantationsdiagnostik". "Es ist nicht so gekommen, wie wir es gewollt haben", bedauerte er. Auch über Kardinal von Galen sei nun ein Buch erschienen, in dem er derart negativ dargestellt werde, dass man sich dagegen erheben müsse. "Kaufen sie das nicht", riet der Geistliche den Anwesenden.

Dank sprach Genn Großdechant Franz Jung für seine "unermüdliche Treue" zu den Gläubigen aus der Grafschaft aus: "Ihre Heimatverbundenheit hat er in die Bischofskonferenz eingebunden", wusste er. "Mir hat sich Ihre Heimat plastisch erschlossen durch die vielen Bücher, die Franz Jung mir gegeben hat. Ich könnte gleich mehrere Reisen ins Glatzer Bergland machen."

"Hören Sie auf das, was Gott redet"

Mit einem Brief setzen sich die Glatzer dafür ein, dass Jung, mit dem sie am Morgen in Telgte noch das Hochamt gefeiert hatten, nach Vollendung seines 75. Lebensjahres im Dezember 2011 sein Amt als Visitator nicht aufgeben muss. Die Beendigung seiner Arbeit als Visitator wäre ein großer Verlust – auch wegen der Aussöhnung mit Polen, hieß es. Felix Genn möge sich dafür bei der Bischofskonferenz stark machen.

"Sind Sie gewiss, dass Ihr christliches Zeugnis für den Humus dieser Erde fruchtbar sein wird", gab Genn den Glatzern mit auf den Weg. Sie bedachten seine Worte – wie mehrfach an diesem Nachmittag – mit Applaus. "Hören Sie auf das, was Gott redet", fügte er hinzu. "Ich kann es Ihnen vorleben - in Ihrem Herzen muss es reifen."

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDokumentiert: Predigt von Bischof Genn bei der Wallfahrt der Glatzer Katholiken (27.08.2011)
  1. undefinedAuf den Spuren Christi: Wallfahrt der Glatzer nach Telgte (25.08.2011)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Wallfahrt
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Andrea Kutzendörfer | Fotos: Andrea Kutzendörfer
28.08.2011

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