
Die Wallfahrt der Tamilen nach Kevelaer beinhaltet viele traditionelle Elemente der Menschen aus Sri Lanka.
Farbenfroh, fromm und politisch
25. Tamilenwallfahrt nach Kevelaer
Kevelaer. Mehr als 15.000 Tamilen haben am Samstag (13.08.2011) an der 25. Tamilenwallfahrt im niederrheinischen Marienwallfahrtsort Kevelaer teilgenommen. Katholiken wie Hindus, die seit dem Aufflackern des Bürgerkrieges 1983 aus Sri Lanka nach Deutschland sowie in die umliegenden Länder geflohen waren, besuchten ein farbenfrohes Pontifikalamt, das der frühere niederrheinische Regionalbischof Heinrich Janssen zelebrierte. Am Rande der Wallfahrt beklagte Prof. Seemampillai Joseph Emmanuel SJ, Präsident des Internationalen Tamilen-Forums, gegenüber kirchensite.de die ungerechte Situation für die Tamilen auf Sri Lanka. Die Situation sei nach wie vor trostlos und der Wunsch der Tamilen nach Gerechtigkeit stärker denn je. Auch wenn 2009 der Bürgerkrieg offiziell beendet worden sei, leide das Volk der Tamilen mehr denn je unter den fehlenden Menschenrechten, sagte er.
Mehr als 40.000 Tamilen seien in den Monaten Februar bis Mai 2009 getötet und mehr als 300.000 in "Konzentrationslager" verschleppt worden. Für die Tamilen sei Kevelaer deshalb der Ort, wo sie Maria ihre Sorgen vortragen könnten, in der Hoffnung dass sie ihnen durch ihre Fürsprache Trost spende. Jeder habe der Wallfahrer habe einen Verwandten in seiner Heimat verloren und bete auf dem Kapellenplatz für ihn.
Durst nach Frieden
"Die Menschen haben Durst nach Frieden", sagte Emmanuel. Deshalb würden die Tamilen weiter für ihre Rechte und den Frieden kämpfen, sagte der ehemalige Generalvikar des Bistums Jaffna auf Sri Lanka. Der Jesuit kennt die Situation des Landes und hat nach wie vor gute Kontakte in seine Heimat. Nach der militärischen Vernichtung der "Tamil Tiger" (LTTE) werde er für die Tamilen außerhalb Sri Lankas kämpfen. Zum Beispiel durch Auftritt vor der UNO, wo er die Lage der Tamilen beschreiben werde. Auch der Provinzial der Salesianer Don Boscos auf Sri Lanka, Pater Pinto, rief die Regierung auf Sri Lanka auf, konkrete Maßnahmen zur Versöhnung der beiden Volksgruppen Tamilen und Singhalesen zu ergreifen. "Eine wirkliche Entspannung ist nicht in Sicht", erläutert er. Die Kirche werde nach seiner Ansicht eine immer größere Schlüsselrolle in dem Konflikt spielen.
Den Durst nach Gerechtigkeit und Frieden stillten die 15.000 Tamilen bei der Wallfahrt im Gebet vor der Kerzenkapelle oder dem Gnadenbild. In farbenfrohen Gewändern reihten sich die Frauen mit ihren Männern und Kindern vor der Gnadenkapelle auf, um an dem Bildnis vorbeizuziehen und zu beten. Vor dem Gnadenbild der "Trösterin der Betrübten" hielten sie Fürbitte für die Menschen in ihrer Heimat.
Diese Wallfahrt, die 1987 von seinerzeit 50 tamilischen Pilgern aus dem Bistum Essen erstmals durchgeführt wurde, hat sich in kürzester Zeit zur größten Einzelwallfahrt in der Marienstadt entwickelt. Nachdem in den ersten Jahren vor allem die in Deutschland und den Niederlanden lebenden Tamilen an der alljährlichen Wallfahrt teilgenommen hatten, kamen in den vergangenen zwei Jahren auch mehrere Busse aus London, Paris und Kopenhagen an den Niederrhein. Für die tamilischen Flüchtlinge ist die Wallfahrt zum Gnadenbild der "Consolatrix afflictorum" in der Kevelaerer Gnadenkapelle inzwischen der Höhepunkt im kirchlichen Jahreskreis.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel
15.08.2011
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