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19.01.2019
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Dr. Kajo Schukalla

Die Welt im Blick: Dr. Kajo Schukalla engagiert sich vielfältig in der Eine-Welt-Arbeit.

Kajo Schukalla engagiert sich in der Eine-Welt-Arbeit

Ein Lobbyist für Menschenrechte

Münster. Schon als Schuljunge sammelte er in der Ahauser Innenstadt Geld für die Aktion Medeor – das deutsche Medikamentenhilfswerk für die Dritte Welt. Mit ihm ist er bis heute verbunden. In seiner Heimatstadt war er in der katholischen Jugendarbeit aktiv und engagierte sich über die Schulzeit hinaus im Stadtjugendbund. Später als Student in Münster und München setzte er sich in der katholischen Jugendarbeit ein. Seine Fächerwahl – Ethnologie und Geografie – weist früh auf seine Leidenschaft für die weite Welt. Dass er Germanistik auf Lehramt studierte, war ein Exkurs in Richtung Schule. Die Referendarzeit absolvierte er noch, dann promovierte er 1990 zum Thema Bodenrecht und ländliche Entwicklung in Malawi, arbeitete an der Uni und in der Erwachsenenbildung. Seit mehr als drei Jahrzehnten mischt Dr. Karl-Josef – "Kajo" wird er genannt – Schukalla kräftig mit, wenn es um die Rechte von verfolgten Minderheiten und von bedrohten Völkern geht, die im Zeitalter der Globalisierung und Egalisierung um ihr kulturelles Überleben kämpfen.

1977 war er Mitbegründer der münsterschen Regionalgruppe der Gesellschaft für bedrohte Völker. Bis heute ist er ihr Sprecher, auch überregional ist er für die Organisation tätig. Bedrohte Völker? "Ja, dass ist so ein missverständlicher Begriff", gibt Schukalla zu. Es gebe sie auf der ganzen Welt und direkt vor unserer Haustür: die Masiren in Nordafrika, die Kopten in Ägypten, die Xinka in Guatemala, religiöse und ethnische Minderheiten in Burma, Sinti und Roma in Europa.

Hauptberuflich ist Schukalla Koordinator des Ghana-Forums NRW, ein Großteil seiner Arbeit ist jedoch ehrenamtlich: Er ist aktiv in der Gesellschaft für bedrohte Völker, Mitbegründer des Eine-Welt-Forums in Münster, Vorsitzender des Beirats für kommunale Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Münster, er engagiert sich in Netzwerken für Entwicklungszusammenarbeit, im Diözesanausschuss Weltkirche, im Pfarrgemeinderat – unter anderem! In mindestens zehn Netzwerken arbeitet Schukalla mit, nimmt an Sitzungen teil, schreibt Dokumentationen und Dossiers, engagiert sich in Gremien und Untergruppen. Um 6 Uhr morgens steht er auf, seine Termine halten ihn bis in die Abendstunden auf den Beinen – "tagesfüllend", sagt er, sei dieses Engagement, Nachtsitzungen inklusive. Warum tut sich jemand so etwas an?

Verpflichtung als Christ

"Mich interessieren Gremien im Grunde gar nicht", lacht Schukalla gut gelaunt, denn für ihn ist sein außerordentliches Engagement Ergebnis eines "ganzen Bündels von Motiven": "Mir geht es darum, Strukturen zu verändern." Und das gehe nun einmal nur über Netzwerke und nachhaltiges Engagement. "Wenn man Menschen mit Problemen kennen gelernt und ihnen ins Gesicht geschaut hat, kann man das nicht einfach wieder vergessen", sagt er. Als Christ ergebe sich daraus eine Verpflichtung. Seit 25 Jahren arbeitet Schukalla zum Beispiel bei der Diözesanpartnerschaft Münster-Nordghana mit, "da haben sich Freundschaften entwickelt".

Warum ist er dann nicht Entwicklungspolitiker geworden? Schukalla lacht: "Dafür hätte ich meine eigene Partei gründen müssen, und dafür habe ich nun wirklich keine Zeit." Dann wird er ernst. Das Gerechtigkeitsempfinden sei ihm in die Wiege gelegt worden. Er stamme aus einem christlich engagierten Elternhaus, der Vater sei früh gestorben. Die Mutter setzte sich in der Katholischen Frauengemeinschaft ein und sei in kirchlichen und sozialen Aufgaben viel unterwegs gewesen. Eine Geschichte seiner Familie habe ihn aber besonders geprägt. Er sei nach den früh verstorbenen Brüdern des Vaters, Karl und Josef, benannt worden. Der Soldat Josef sei 1942 von den Nazis zwangsrekrutiert und später exekutiert worden, als er sich weigerte, für die deutschen Besatzer als Übersetzer zu arbeiten. Dieser moralische Eigenstand des Onkels habe ihn tief geprägt.

Neben soviel Ehrenamt bleibt da Zeit für die Familie? "Aus dem zufriedenen Familienleben schöpfe ich die Kraft für meine Arbeit", sagt Schukalla. Seine Frau, Professorin in Paderborn, sei viel unterwegs, aber das gemeinsame Essen gehöre zu den wichtigen Familienriten. Seine Kinder studierten – der Sohn das Fach des Vaters: Geografie, die Tochter Sonderpädagogik und Psychologie. "Ich bin stolz darauf, dass unsere Kinder ihren Lebensweg selbstbewusst gehen", sagt Schukalla. Und Hobbys? Schukallas Augen blitzen auf. 8000 Bände umfasse die Familienbibliothek – liebend gern würde er mehr lesen. Aber die Menschenrechtsarbeit habe Vorrang.

Sein Engagement führte ihn in verschiedene Regionen Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und auf den Balkan. Nicht als Tourist. Wo immer er ist, hat er Kontakte zu Bürgerrechtsbewegungen. Hat er im Lauf der Jahre Erfolge erzielt? "Seit drei Jahrzehnten bohre ich ganz dicke Bretter, etwa wenn ich mich für das Bleiberecht von Roma und Flüchtlingen einsetze. Viele Einsatzfelder sind frustrierend und von Misserfolgen gekennzeichnet", sagt er. Aber es gebe auch viele schöne Erlebnisse, etwa im überaus lebendigen interkulturellen Austausch zwischen dem Bistum Münster und den Kirchenprovinzen in Nordghana. "Das ist wunderbar, daran habe ich mitgearbeitet", sagt er, und die Freude ist ihm ins Gesicht geschrieben. Die Menschenrechtsarbeit sei hingegen oft niederdrückend, "aber wenn wir dann einen Menschen aus dem Gefängnis herausgeholt haben, ist das ein riesiger Erfolg". Es seien manchmal Kleinigkeiten, die man erreichen könne. "Man muss es schaffen, mit Themen, die einem das Herz zerreißen können, professionell umzugehen."

Ist er ein Gutmensch, ein Lobbyist für die Schwachen? "Solche Begriffe schränken ein", wehrt Schukalla ab, "aber ich bemühe mich, ein guter Mensch zu sein und ja, wenn man so wolle, leiste ich Lobbyarbeit für die Diskriminierten und Schlechtergestellten in Teilen der Welt und in meiner Stadt." Die biblische Geschichte vom Samariter habe ihn berührt. Durch Nächstenliebe könne man helfen, "aber man muss auch dafür sorgen, dass dieses Räuberwesen abgeschafft wird". 2005 habe er mit westsudanesischen und deutschen Mitstreitern die Dafurhilfe gegründet, um Jugendlichen im Ost-Tschad eine Ausbildung zu ermöglichen. Als Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit beobachte er die Lage in Israel und Palästina. Es ärgere ihn auch, wie Politik und Gesellschaft die Menschenrechtsverletzungen in China ignorierten. Schukalla: "Als Mensch und Christ kann ich gegensteuern – gemeinsam mit anderen."

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Text: Karin Weglage | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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