
Auch echte Pilger sind im Internet unterwegs.
Der Weltjugendtag in den sozialen Netzwerken
Pilgern im Netz
Bistum. "Wie, du bist nicht bei Facebook? Hast du keine Freunde?!" Das wird bald wohl niemand mehr fragen, denn mittlerweile nutzen nach Unternehmensangaben rund 600 Millionen Menschen weltweit das soziale Netzwerk im Internet. In Deutschland sind es rund 20 Millionen, die über Facebook Neues mitteilen, Fotos einstellen, Empfehlungen verlinken oder alte Kontakte auffrischen. Nach einiger Anlaufzeit haben auch die Kirchen Facebook für sich entdeckt.
Bei den "Pionieren" ist auch das Weltjugendtagsbüro Münster zu finden: "Wir zeigen uns dort als Kirche, denn uns war einfach klar: Web 2.0 muss sein, wenn wir Jugendliche weiter erreichen wollen", sagt Frank Rauhaus, Projektleiter beim münsterschen WJT-Büro.
Neuigkeiten aus Spanien verbreiten
Facebook war also quasi unverzichtbar – auch wenn gerade dieses Portal immer wieder mit negativen Schlagzeilen beim Thema Datenschutz auffällt. Das aber ist wohl ein Problem der Masse: Nirgendwo vernetzen sich so viele Menschen online wie bei dem geschätzt 100 Milliarden US-Dollar schweren Unternehmen, das 2004 als Netzwerk für Harvard-Studenten gegründet wurde: "Gruppenprofile in anderen sozialen Netzwerken sind mit hohen Kosten verbunden", erklärt Rauhaus. Außerdem verlören deutsche Portale zunehmend an Bedeutung, "weil eben alles zu Facebook abwandert". Die WJT-Gruppe im "Studi-VZ" bestehe nur noch aus drei Mitgliedern.
Gerade im Vorfeld großer Treffen wie der Internationalen Messdienerwallfahrt nach Rom 2010 oder jetzt dem Weltjugendtag eignet sich das soziale Netzwerk, um sich zu verabreden, auszutauschen und Neues zu verbreiten. Die Facebook-Seite des offiziellen WJT-Büros in Madrid habe mehr als 200.000 registrierte regelmäßige Leser, sagt Rauhaus. "Die News können wir in unser Profil einlaufen lassen. Das geht teilweise so schnell, das können wir gar nicht über die offizielle Bistumsseite pflegen."
Einblick auch für Nicht-Registrierte
Auch Menschen, die nicht bei Facebook sind, können über die Internetseite des Weltjugendtagsbüros Münster das Profil einsehen. Über Nützliches wie etwa eine interaktive Karte der "Tage der Begegnung" in Pamplona werden die "Fans" über Facebook prompt informiert. Die Karte zeigt die Unterkünfte der Pilger – und bei den Gruppen aus Ahaus, Raesfeld und Reken könnte man fast neidisch werden: Ihre Gastfamilien leben fast an der Atlantikküste.
Rund zwei Stunden ist Pia Wachenfeld aus Wilhelmshaven einmal am Tag bei Facebook unterwegs. Sie hat online rund 200 Freunde, von denen die meisten aber auch in ihrem "echten" Leben eine Rolle spielen. Durch ihr Engagement in der Kolpingjugend Wilhelmshaven oder im Jugendteam St. Willehad kenne sie eben viele Menschen, sagt die 18-Jährige: "Ich kann kostengünstig Kontakt halten, Fotos einstellen und chatten in einem, das macht das Portal für mich interessanter, als wenn ich nur E-Mails schicken würde", berichtet Pia, die zum ersten Mal mit zum Weltjugendtag fährt.
In Madrid entstehen neue Kontakte
Wie sich die Kommunikation nach dem WJT entwickelt, kann Thomas Mollen, Pressesprecher des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im Bistum Münster, nicht sagen. Nach dem vorherigen Weltjugendtag 2008 in Sydney sei das Forum rasch "praktisch tot" gewesen. Zuvor war das Profil vor allem zum Austausch von praktischen Infos genutzt worden. Zum Beispiel wurden Ideen für Gastgeschenke gesammelt.
Nach einem Weltjugendtag würden sich die meisten neuen Bekannten eher privat vernetzen, aber damit sei ja auch schon viel erreicht, sagt Mollen: "Wir können Angebote machen, aber Jugendliche suchen sich eigene Wege. Wir müssen sie nicht verwalten."
Risiken sozialer Netzwerke
Wer soziale Netzwerke nutzt, muss sich im Klaren sein, dass er persönliche Informationen von sich preisgibt. Facebook ändert zudem immer wieder Einstellungen, ohne die Nutzer zu informieren. Inzwischen ist das Portal nicht mehr über "sichere" https-Seiten zu erreichen, wie sie etwa Banken für Online-Geschäfte nutzen, sondern über "normale" Seiten. Damit können Nutzerprofile leichter gehackt werden. Unter "Kontoeinstellungen" kann diese Einstellung rückgängig gemacht werden. Hier kann auch jeder entscheiden, welcher Nutzer seine Informationen lesen soll. Der Nachteil: Bis man alle entsprechenden Häkchen gesetzt hat, kann es schon mal dauern. Nach massiven Protesten von Datenschützern und Verbraucherorganisationen – etwa in den USA – hat Facebook immerhin die Einstellungsmöglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre verbessert.
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Text: Marie-Theres Himstedt | Foto: Marie-Theres Himstedt
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