
Seppendorf: "Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals, geht es aber darum, die verantwortlichen Mitarbeiter zu sensibilisieren, zu qualifizieren und zu stärken, um präventiv aktiv werden zu können."
Interview mit Jugendamtsleiter Michael Seppendorf
Der Missbrauch und die Folgen: Präventionsarbeit
Bistum. Seit November vergangenen Jahres sind annähernd 1.500 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter in der katholischen Jugendarbeit Themenbereich "Sexualisierte Gewalt" fortgebildet worden. Dies erklärt Michael Seppendorf; er ist Leiter der Abteilung Jugendseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat in Münster. Ihn befragte kirchensite.de nach den Folgen des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche für die Jugendarbeit.
kirchensite.de: Welche Folgen hat der Missbrauchsskandal für die Jugendarbeit in der katholischen Kirche?
Michael Seppendorf: Kinder- und Jugendarbeit in der katholischen Kirche ist Beziehungsarbeit. Der Missbrauchsskandal hat bei den ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu einer massiven Verunsicherung hinsichtlich eines unbefangenen, aber auch angemessenen Umgangs mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen geführt.
kirchensite.de: Wie gehen die Jugendverbände und die hauptamtliche Jugendseelsorge mit den Folgen um?
Seppendorf: Im Bistum Münster wird viel dafür getan, damit eine gute Jugendarbeit in den Pfarrgemeinden und Jugendverbänden stattfinden kann. Kinder und Jugendliche sollen in der Jugendarbeit einen sicheren Ort vorfinden und vor körperlichen und seelischen Schäden geschützt werden. Prävention ist seit Jahren Grundprinzip der Jugendarbeit und integraler Bestandteil der zahlreichen Ausbildungskurse für Ehrenamtliche in der Gruppenarbeit und in Ferienfreizeiten, die Jahr für Jahr von den Jugendverbänden und von der Abteilung Kinder- und Jugendseelsorge durchgeführt werden. Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals, geht es aber nochmals verstärkt darum, die verantwortlichen Mitarbeiter, ob ehren- oder hauptamtlich, zu sensibilisieren, zu qualifizieren und zu stärken, um präventiv aktiv werden zu können.
kirchensite.de: Was kann präventiv gemacht werden?
Seppendorf: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit sind aufgefordert, achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz zu den Kindern und Jugendlichen umzugehen. Wir werben für einen "Verhaltenskodex" in diesem Bereich, der die Intimsphäre junger Menschen unbedingt anerkennt und der zusätzlich darauf ausgelegt ist, Grenzverletzungen zu unterbinden und offensiv gegen Übergriffe vorzugehen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit müssen sich der Tatsache stellen, dass sich unter den Kindern und Jugendlichen nicht nur Opfer von sexualisierter Gewalt befinden können, sondern auch Täter oder Täterinnen in den eigenen Reihen. Handlungsleitfäden können für den Umgang mit Grenzverletzungen, Verdachtsmomenten oder Offenlegung eines sexuellen Missbrauchs, Sicherheit im Umgang mit der Situation geben.
kirchensite.de: Gibt es verpflichtende Schulungsangebote? Wie sehen sie aus?
Seppendorf: Mit Inkrafttreten der neuen Präventionsordnung zum sexuellen Missbrauch der fünf NRW-(Erz-)Bistümer am 1. April 2011, sind nicht nur für die Kinder- und Jugendarbeit, sondern für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im kinder- und jugendnahen Bereich, Schulungen und Informationsveranstaltungen zu Fragen der Prävention von sexuellem Missbrauch vorgeschrieben.
kirchensite.de: Wie sehen sie aus?
Seppendorf: Die Schulungen werden für die verschiedenen Mitarbeitergruppen aus unterschiedlich intensiven Modulen bestehen. Die Module werden aber immer die Vermittlung von Basiswissen zum Thema "Sexualisierte Gewalt", die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen, mögliche Vorkehrungen zur Erschwerung von sexuellem Missbrauch und Informationen zu Ansprechpartnern und Hilfemöglichkeiten beinhalten. Zusammen mit dem BDKJ Diözese Münster hat die Abteilung Kinder- und Jugendseelsorge mit ihren Regionalbüros seit November 2010 bereits annähernd 1.500 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei zentralen und regionalen Veranstaltungen zum Themenbereich "Sexualisierte Gewalt" fortgebildet. Aktuell werden drei große regionale Veranstaltungen für Ferienfreizeitleiter in Münster, Geldern und Coesfeld angeboten.
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