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23.05.2012
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Notburga Heveling.

Notburga Heveling ist Vorsitzende des Diözesankomitees.

Aufruf des Diözesankomitees:

Landkarte von Hoffnung und Sorge im Bistum erstellen

Bistum. Das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum macht sich Sorgen um die Stimmungslage unter den Engagierten in Gemeinden und Verbänden. Es ruft dazu auf, vor Ort miteinander ins Gespräch über den aktuellen Zustand der Kirche zu kommen. Die Ergebnisse sollen gesammelt und der Bistumsleitung übergeben werden. Im Interview erläuterte die Komitee-Vorsitzende Notburga Heveling die Intention: "Wir erhoffen uns ein differenziertes Bild, eine Art 'Landkarte' der Sorgen und Hoffnungen für unser Bistum."

Kirche+Leben: Die Deutsche Bischofskonferenz hat für die nächsten drei Jahre zu einem Gesprächsprozess in der Kirche eingeladen, und auch das Diözesankomitee lädt die engagierten Laien in Gemeindegremien und Verbänden ein, über die Kirche, über ihre Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen ins Gespräch zu kommen. Das findet statt unter der Überschrift "Hör mir doch mal zu ...". Was bewegt Sie dazu?

Notburga Heveling: Wir nehmen aus Pfarreien und Verbänden sehr unterschiedliche Stimmungen wahr. Was wir immer wieder hören: Die Kirchenleitung bekommt nicht mit, was uns bewegt; es werden Pläne und Konzepte erarbeitet, aber wir werden nicht gefragt; es wird ein Dialog angekündigt, aber uns hört man nicht zu. Vor Ort gibt es viel Unruhe und Frust. Gerade bei denen, die sich teilweise schon seit Jahren und Jahrzehnten engagieren, ist es jedoch mehr: nämlich die tiefe Sorge eines suchenden Gottesvolks, die Sorge um die Zukunft von Glauben und Glaubensweitergabe, von Kirche. Diese Wahrnehmung hat uns als Diözesankomitee dazu bewegt, Raum zu schaffen, um diese Sorge und alles, was dahinter steckt, zur Sprache bringen zu können.

Kirche+Leben: Geht es dabei um Frustbewältigung?

Heveling: Nein, denn diese Sorge liegt tiefer als Frust. Es geht uns besonders um die, die noch bereit sind, mitzuarbeiten und mitzugestalten. Den Frust, der bei der Zusammenarbeit von unterschiedlichen Menschen entsteht, können sie bewältigen, aber das Gefühl, mit seiner ernsthaften Sorge und Suche nicht wahr- und ernst genommen zu werden, geht viel tiefer. Deshalb wollen wir einen spirituellen Rahmen bieten, um diese Sorge und Suche sichtbar zu machen, auch um die, die vor dem inneren oder äußeren Rückzug stehen, zu motivieren, bei ihrem Engagement zu bleiben.

Kirche+Leben: Welche Fragen sollten bei den Gesprächsrunden im Mittelpunkt stehen?

Heveling: Wir haben drei Fragen formuliert, die den einzelnen Menschen ansprechen, nämlich: Was beunruhigt mich am derzeitigen Zustand der Kirche und hindert mich in meinem Glaubensleben? – Was erwarte ich an Veränderungen in der Kirche? – Was kann und will ich dazu beitragen, damit die Kirche glaubwürdig dem Evangelium folgt? Diese drei Fragen sollen dazu anregen, über die ganz persönlichen Sorgen, Wünsche und Hoffnungen nachzudenken, aber sich auch ehrlich zu fragen, was ich bereit bin, dazu beizutragen. Das soll in einer Atmosphäre des Aufeinander-Hörens ausgesprochen werden können.

Kirche+Leben: Was erhoffen Sie sich davon?

Heveling: Wir erhoffen uns ein differenziertes Bild, eine Art "Landkarte" der Sorgen und Hoffnungen für unser Bistum. Ich hoffe auch, dass sich neue Perspektiven abzeichnen, Ideen davon, was Katholiken und Katholikinnen vor Ort brauchen, um ihren Glauben hier und heute zu bezeugen, um Kirche zu sein. Ich würde mir wünschen, dass wir einen Beitrag dazu leisten, dass wir in unserem Denken und Handeln dazu kommen, die gemeinsame Verantwortung für die Kirche, das gemeinsame Priestertum, zu dem alle Getauften und Gefirmten berufen sind, wahrzunehmen.

Kirche+Leben: Was soll das bringen?

Heveling: Wir haben keine festen Erwartungen, sondern sind offen für das, was die Menschen mitbringen und gespannt darauf, was wir zu hören bekommen. Wir hoffen, dass sich Viele aus Gemeinden, Verbänden und Gruppen ermutigt fühlen, solche Anhör-Runden durchzuführen. Je mehr mitmachen, desto klarer und zugleich differenzierter wird das Ergebnis sein.

Kirche+Leben: Was soll am Ende mit den Ergebnissen gemacht werden?

Heveling: Alles, was vor Ort zur Sprache kommt, mündlich oder schriftlich, soll aufgeschrieben, gesammelt und an das Diözesankomitee nach Münster geschickt werden.

Kirche+Leben: Was machen Sie dann mit den Sammlungen?

Heveling: Wir werden alles, was kommt, aufnehmen und ernst nehmen, wo es möglich ist bündeln und strukturieren und ein hoffentlich dickes Paket an die Bistumsleitung weitergeben. Also: erst vor Ort einander zuhören, und wir bringen alles gesammelt bei der Bistumsleitung zu Gehör.

Kirche+Leben: Was soll die Bistumsleitung damit machen?

Heveling: Sie wird es mindestens zur Kenntnis nehmen, aber bestimmt auch für sich bewerten – weil sie klug ist: man kann nicht ignorieren, was die engagierten Laien in Gemeinden und Verbänden bewegt. Ich hoffe, dass Perspektiven und Wege erkennbar werden, die die Bistumsleitung aufgreifen kann.

Kirche+Leben: Und welche Bedeutung haben die Eingaben für die Arbeit des Diözesankomitees als Laienvertretung im Bistum?

Heveling: Wir werden Vorschläge und Aufträge daraus erarbeiten, die zu Handlungsoptionen führen sollen. Außerdem können wir helfen, dass diejenigen, die sich daran beteiligen, von einander erfahren und so wissen, dass sie mit ihren Hoffnungen, Sorgen und Erwartungen nicht allein sind. Es geht also auch um Vernetzung und im günstigen Fall auch darum, dass man voneinander lernen kann. Wir werden die Ergebnisse in den Dialogprozess auf Bistumsebene einfließen lassen. Außerdem wollen wir unseren Stand auf dem Katholikentag in Mannheim im kommenden Jahr als Podium dafür nutzen, die genannten Themen mit Engagierten und Verantwortlichen zu diskutieren.

Kirche+Leben: Glauben Sie denn, dass Sie der Bistumsleitung Vorschriften machen können?

Heveling: Wir wollen der Bistumsleitung keine Vorschriften machen. Wir können deutlich machen, welche Bereitschaft zur Mitgestaltung und Mitarbeit es gibt, denn die Kirche wird in Zukunft mehr denn je die engagierten Christen und Christinnen brauchen, um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können. Dabei können wir mithelfen, dass auf Seiten der Laien ein größeres Selbstbewusstsein entsteht. Dass wir mutiger die Möglichkeiten nutzen, die uns gegeben sind, um das kirchliche Leben zu gestalten und auch als Kirche die Gesellschaft (Welt) mitzugestalten. Leider gibt es auch unter Laien einen Hang zum Klerikalismus: Es ist nicht nötig, dass wir immer nur auf die Priester schauen, um von ihnen Anweisungen zu erwarten, was wir tun oder lassen sollen. Es geht dabei nicht um ein Gegeneinander, sondern um ein selbstbewusstes Wahrnehmen und Ausfüllen der eigenen Rolle als Laien in dieser Kirche, zu der selbstverständlich das Amt gehört.  

Kirche+Leben: Gibt es Vergleichbares in anderen Diözesen?

Heveling: In vielen Bistümern gibt es ähnliche Initiativen. Auf der Internetseite des ZdK findet man die Informationen unter dem Stichwort "Einen neuen Aufbruch wagen".

Pfingstbrief

Das Diözesankomitee der Katholiken im Bistum Münster hat in einem "Pfingstbrief" dazu aufgerufen, in Gruppen, Gremien und Verbänden zu Gesprächen zusammenzukommen und sich über die Kirche, über Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen auszutauschen. Viele Christen fühlten sich gelähmt, "wenn sie an die im letzten Jahr bekannt gewordenen Skandale und den Reformstau in unserer Kirche denken". Nicht wenige seien den inneren Weg der stillen Resignation gegangen oder ausgetreten. Pfingsten ermutige zu einem Neuaufbruch.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedLaienkomitee: Pfingstbrief an alle Gemeinden (09.06.2011)

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.dioezesankomitee.de

Interview: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
06.07.2011

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Unterwegs nach Emmaus: Kleopas und sein Freund.

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