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23.05.2012
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Die Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte.

Die Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte gehört zu den größten Fußwallfahrten im deutschsprachigen Raum.

Die Saison beginnt

Wallfahrt: Hoffnung in Zeiten der Sehnsucht

Bistum. Am kommenden Sonntag (01.05.2011) wird im Bistum Münster an den großen Wallfahrtsorten Kevelaer, Cloppenburg-Bethen und Haltern die diesjährige Pilgerzeit eröffnet; in Telgte bereits am Samstag (30.04.2011). "Zur Hoffnung berufen" heißt das Motto der Wallfahrtszeit 2011, das dem Epheserbrief des Apostels Paulus entnommen ist. Bischof Felix Genn wird auch in diesem Jahr einige Wallfahrtsorte besuchen. So eröffnet er am 1. Mai die Wallfahrt in Eggerode. Für den Bischof bündelt sich in der Wallfahrt christliches Leben: Menschen machen sich auf den Weg zu Gott.

Für Prälat Egon Mielenbrink, Leiter der Fachstelle Wallfahrtsseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat, trifft das diesjährige Motto den Nerv der Zeit: "Die Menschen sind vielfach von Hoffnungslosigkeit bestimmt. Da sind die großen Katastrophen wie in Japan, die Kriege in Libyen und in anderen Teilen der Welt, der Terrorismus, der immer wieder zuschlägt", sagt Mielenbrink gegenüber Kirche+Leben.

Symbol der Hoffnung

"Auch die Kirche ist, auf den ersten Blick gesehen, zurzeit keine Hoffnungsträgerin. Die Nachwirkungen des Missbrauchsskandals sind festzustellen: Kirchenaustritte, Unzufriedenheit in den Gemeinden über Zusammenlegungen, das Gegeneinander von Konservativen und so genannten Fortschrittlichen. Das eigene Leben wird manchmal von Krankheiten, Behinderungen, Enttäuschungen oder dem Scheitern von Beziehungen bestimmt. Depressionen nehmen bei vielen zu."

Für Mielenbrink sind die Wallfahrtsorte Orte der Hoffnung. So sei das Kreuz, das beispielsweise in Stromberg, Kranenburg und Freckenhorst verehrt werde, als Zeichen der größten Erniedrigung ein Symbol der Hoffnung, die über den Tod hinausweise. "Die meisten Wallfahrtsorte sind solche Stätten, an denen Maria, die Mutter Jesu, verehrt wird. Selbst im tiefsten Leid, wie die Gnadenbilder in Telgte, Bethen, Buddenbaum und Aengenesch zeigen, sind die Schmerzen dieser Frau von der Hoffnung auf Zukunft bestimmt. Das vermitteln auch die Gräber der Heiligen: Ida von Herzfeld, Gottfried von Cappenberg, Karl Leisner, Schwester Euthymia und Clemens August von Galen. Sie sind Vorbilder der Hoffnung in unserer Zeit. Hier holen sich Pilger immer wieder Kraft, um durch ihr eigenes Leben Hoffnung zu bezeugen und auch vor denen davon zu sprechen, die keine Hoffnung haben", sagt Mielenbrink.

Bischof Genn besucht in der kommenden Wallfahrtszeit wieder zahlreiche Wallfahrtsorte. So wird er am Sonntag (01.05.2011) zum ersten Mal den Wallfahrtsort Eggerode besuchen und dort die Wallfahrt eröffnen. Am 14. Mai 2011 pilgert er zum Annaberg bei Haltern und am 2. Juni 2011 zur Trösterin der Betrübten nach Kevelaer.

"Der erste Grund ist zunächst, dass ich auf diese – besonders schöne – Weise das Bistum buchstäblich Schritt für Schritt kennen lerne und dies nicht auf Konferenzen oder Sitzungen, sondern in Bewegung, wie durch die Feier des Glaubens", erläutert Bischof Felix Genn seine Beweggründe.

Bündelung des Christseins

"Die Wallfahrt ist gewissermaßen eine Bündelung dessen, was unser Leben nach christlichem Verständnis ausmacht, nämlich dass es, in Gemeinschaft mit den Schwestern und Brüdern, mit denen wir in der Einheit der Kirche verbunden sind, ein Weg zu Gott ist. Ein Weg, der uns zu Gott, zueinander und zugleich in die Tiefe und so mehr zu uns selbst führt. Das Zweite Vatikanische Konzil hat an das biblische Bild des pilgernden Gottesvolks als Sinnbild für die Wirklichkeit der Kirche in besonderer Weise erinnert."

In besonderer Weise ist Bischof Genn mit Kevelaer verbunden, wo er zu Beginn seiner Amtszeit einen Ring aus dem Nachlass Johannes Pauls II. gestiftet hat. Aber auch zu Telgte besteht eine tiefe Beziehung – auch im Hinblick darauf, dass dem seligen Clemens August dieser Ort besonders am Herzen lag.

Übereinstimmend beobachten die Wallfahrtsorte, dass die Zahl der Einzelpilger zunimmt. "Vermehrt ist festzustellen, dass auch diejenigen kommen, die nicht zum Kern der Gemeinde gehören, die oft nur eine Kerze entzünden und ein kurzes Gebet verrichten", beschreibt Prälat Mielenbrink die Entwicklung des Wallfahrtsgeschehens.

Wallfahrt ist Feiertag

Eine ähnliche Entwicklung hat nach Auskunft von Rainer Killich, Generalsekretär der Kevelaerer Wallfahrt, im Marienort am Niederrhein stattgefunden. "Vor 20 Jahren hatten wir noch zwei Drittel organisierte und ein Drittel freie Wallfahrten, heute ist es umgekehrt", sagt er. Für die Wallfahrtsorte bedeutet das nach seiner Beobachtung ein höheres Maß an Organisation.

"Wir müssen immer gut vorbereitet sein, auch wenn die Zahl der Anmeldungen zunächst überschaubar ist. Für jeden Pilger ist der Wallfahrtstag ein Feiertag. Er erwartet einen feierlichen Gottesdienst und ein entsprechend gut organisiertes Rahmenprogramm. Je mehr kirchliches Leben vor Ort reduziert wird, desto mehr entwickeln sich die Wallfahrtsstätten als Orte des Glaubens."
Für Rainer Killich ist auch die Fußwallfahrt attraktiver geworden. Das betrifft in erster Linie junge Pilger. Für sie hat Kevelaer neue Streckenangebote entwickelt.

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Text: Jürgen Kappel in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben | Foto: Andrea Hertleif
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