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23.05.2012
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Osternacht.

Bedeutsam für das Osterlob ist das Licht. Ostern wird aber nicht dadurch, dass eine Kerze entzündet wird, sondern Ostern, Übergang vom Tod zum Leben, wird in dem Augenblick, da das Evangelienbuch geöffnet und aller Welt verkündet wird: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden" (Lk 24, 5-6).

Eine Nacht der Wache für den Herrn

Die Feier der Osternacht

Bistum. Reich an Zeichen ist die Feier der Osternacht. Sie wird in allen Pfarreien begangen, aber zu unterschiedlichen Zeiten. Für den Liturgiewissenschaftler Klemens Richter ist die rechte Wahl des Zeitpunkts der Feier schon ein Zeichen dafür, was gefeiert werden soll.

Die Osternacht, die Nacht vom Karsamstag auf den Ostersonntag, ist im Liturgischen Jahr die "Nacht der Nächte": eine Nacht des Wachens und Betens zum Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten und damit an den Durchgang vom Tod ins Leben. Die rechte Wahl des Zeitpunkts einer Feier ist schon ein Zeichen für das, was gefeiert werden soll, meint der Liturgiewissenschaftler Professor Klemens Richter aus Senden, der viele Jahre an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster lehrte und in der Fortbildung von Priestern, Diakonen und Pastoralreferenten tätig ist.

Nach ältester Überlieferung ist die Osternacht eine Nacht der Wache für den Herrn, dessen Wiederkunft nach Mt 25,6 mitten in der Nacht erwartet wurde. Das Messbuch verlangt  daher ausdrücklich, dass die ganze Feier in der Nacht geschieht. Sie darf danach "nicht vor Einbruch der Dunkelheit beginnen und nicht nach der Morgendämmerung enden".

Das Besondere erkennen

"Der wichtigste Gottesdienst des Jahres darf also weder eine verlängerte Vorabendmesse noch eine Frühmesse sein", erklärt Klemens Richter. Das Besondere der Osternacht müsse erkennbar sein. Das sei möglich in einem Zeitansatz um Mitternacht wie im Dom oder am sehr späten Abend, aber auch am sehr frühen Morgen. "In seiner ganzen Fülle soll der Glaube erfahrbar werden", sagt Richter und nennt die im Gotteslob 207 enthaltenen Aussagen zum Ostergeheimnis: "Durch Dunkel zum Licht – Durch Leid zur Freude – Aus der Gefangenschaft in die Freiheit – Vom Tod zum Leben – Durch das Kreuz zur Auferstehung."

Für den Liturgiewissenschaftler ist die Feier der Ostervigil eben keine Abendfeier, sondern eine Feier in der Nacht. "Und dieser Gottesdienst ist ein Nachtgottesdienst. Wenn Christus das in der Auferstehung aufstrahlende Licht ist, der im Osterlobpreis besungene Morgenstern, wenn die Gemeinde mit ihm aus der Knechtschaft in die Freiheit, vom Tod ins Leben, von der Nacht in den Tag und von der Finsternis ins Licht geht, dann ist der optimale Zeitpunkt der Feier wohl gegen Ende der Nacht anzusetzen."

Die Wahl des Beginns der Feier sei schließlich eine katechetische Aussage, die keineswegs nur von der Frage bestimmt sein dürfe, wann die meisten Gemeindemitglieder wohl kommen könnten. Dem Aufbau der Feier – Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauf- und Eucharistiefeier – entspreche die Liturgie am frühen Morgen gut, meint Richter.

Im Anschluss daran könne die Gemeinde auf dem Kirchplatz zusammenbleiben, um Osterlieder zu singen. "Es lohnt den Versuch, die Osternachtfeier am frühen Morgen zu wagen – gegen alle noch so praktisch erscheinende Gründe", empfiehlt Richter, dem es darum geht, die Zeichen in den Gottesdiensten wieder zu entdecken. "Unsere Gottesdienste leben aus der Kraft der sakramentalen Zeichen. Im Bewusstsein vieler Christen ist diese geheimnisvolle Welt dieser Zeichen weitgehend verblasst", sagt er. Für das große Osterlob beispielsweise habe das Licht eine hohe Bedeutung: "Wo Licht in das Dunkel kommt, wird die Nähe Gottes spürbar und daher Gott gedankt."

Eine Feier mit Lichtriten

Die Osternachtfeier wird mit drei verschiedenen Lichtriten eröffnet: Der erste Lichtritus ist das Entzünden des Feuers. Dazu gehört das Entzünden der Osterkerze. Ein zweiter Ritus ist dann die Lumen-Christi-Prozession, das Hineintragen der brennenden Osterkerze zum Gesang "Christus, das Licht". Der dritte Lichtritus besteht in der Begrüßung des Lichts  mit dem feierlichen Exsultet, dem großen Osterlobpreis.

"Die Lichtfeier an sich ist kein österliches Charakteristikum", erklärt Richter. Wenn die Osterliturgie einen solchen Ritus an den Anfang setze, könne es nicht unmittelbares Zeichen für die Auferstehung sein. Denn Ostern werde nicht dadurch, dass eine Kerze entzündet werde, sondern Ostern, der Übergang vom Tod zum Leben, werde in dem Augenblick, wenn das Evangelienbuch geöffnet und aller Welt verkündet werde: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden" (Lk 24,5-6).

Im Exsultet, dem Osterlob auf das Licht, wird  Christus gehuldigt als dem wahren Licht. Aber die eigentliche Verkündigung geschieht im Evangelium.

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