
Bischof Genn wandte sich mit deutlichen Worten zu den Diskussionen um die Strukturveränderungen im Bistum Münster an die Geistlichen.
Genn feiert Chrisammesse im St.-Paulus-Dom
"Verunsicherung wahrnehmen, Zerrissenheit vermeiden"
Bistum. Bischof Felix Genn hat die Priester seines Bistums nachdrücklich an ihr Weiheversprechen erinnert, in dem sie sich auch für den Einsatz für "die Braut Jesu, die Kirche" ausgesprochen hätten. "Mangelnde Solidarität und gegenseitige Verdächtigungen, Aufrufe zur Spaltung und zur Verweigerung der Kommuniongemeinschaft bauen nicht auf, sondern zerstören und durchbohren auch den Herrn neu", sagte Genn am Montag (18.04.2011) in seiner Predigt in der Chrisammesse zur Weihe der litugischen Öle im St.-Paulus-Dom.
Der Bischof nahm Bezug auf die Strukturdiskussionen der zurückliegenden Monate, die alle Akteure in der Seelsorge vor große Herausforderungen gestellt hätten. Die notwendigen und wichtigen Gespräche dürften aber nicht zu innerer Spaltung und Zerrissenheit führen: "Dann kann es nicht fruchtbar werden."
Genn forderte die Geistlichen auf, mit Blick auf den "tiefen Liebgehorsam des Herrn", der in der Passion besonderen Ausdruck bekomme, die tiefe Dimension des Gehorsams zu bedenken. "Sie ist nicht eine oberflächliche und bloß juridische Größe, sie ist ein Habitus, eine Lebenshaltung, die wir immer wieder neu von Jesus empfangen können."
In der Strukturdebatte Druck erfahren
Er habe in den zurückliegenden Wochen persönlich oft erfahren müssen, welcher Druck ausgeübt werde, die Probleme der Kirche nur dadurch zu lösen, indem er aus der Verbundenheit mit der Gesamtkirche aussteige, sagte Genn. "Mit aller Kraft muss ich all dem widerstehen, ohne zugleich die inneren Anliegen der vielen Gläubigen zu übersehen, die vor Ort durch die Strukturdebatten in Verunsicherung leben."
Ohne das Vertrauen, dass "wirklich alle, die zum Dienst und zur Sendung in der Kirche geweiht und beauftragt sind, mit dem Bischof und der Gesamtkirche zusammenstehen", könnten die Geistlichen ihre Sendung nicht leben. Damit wolle er keine Fragen und keine Diskussionen ausklammern. "Aber ich weiß, dass es Grundentscheidungen der Kirche gibt, von denen ich mich weder lösen will noch lösen kann."
Die Feier der Weihe der Heiligen Öle in der Chrisammesse, zu der das Bistum alle Priester am Montag der Karwoche eingeladen hatte, könne die Geistlichen stärken, Gott auch in diesen schweren Zeiten zu vertrauen, so Genn. "Im Hören auf Sein Wort und in der Feier Seiner großen Liebestaten, vor allem in der Feier der Eucharistie, empfangen wir immer wieder neu Kraft, um an dem Platz, an dem wir stehen, der Welt Sein Angesicht zu zeigen." Die Priester erneuerten in der Chrisammesse traditionell ihr Weiheversprechen.
Nutzung der Atomkraft "Frage des Lebensstils"
In seiner Predigt nahm Genn auch Bezug auf die derzeitige Diskussion über die Nutzung der Atomenergie. "Es ist eine Frage unseres Lebensstils, eine Frage, was wir uns noch leisten können, sollten und wollen." Oft lebten die Menschen so, als ob es Gott nicht gäbe, um in Zeiten schwerer Katastrophen zu fragen, wo er dann sei. Genau in diesem Augenblick erwache aber "die Leidenschaft des Herrn für sein Volk". "Es ist eine Leidenschaft, die Trauernde trösten und erfreuen will, die an die Stelle der Verzweiflung den Jubel setzen möchte."
In Jesus nehme diese Leidenschaft Gottes Gestalt an, werde in den Geschehnissen der Karwoche zu "äußersten Passion". Diese einmalige Hingabe sei "dauerhafte Wirklichkeit und Gegenwart", sagte Genn. Der Geist der Liebe Gottes widerfahre jedem, der die Sakramente empfange, wofür die Heilige Öle ein besonders dichtes Bild seien. Die Öle, die in der Chrisammesse geweiht werden, seien Zeichen der Kräftigung, der Heilung und der Schönheit. Sie werden bei der Taufe, der Firmung, der Krankensalbung und etwa bei der Weihe von Priestern verwendet.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Die Predigt von Bischof Genn im Wortlaut (18.04.2011)
Kirche von A bis Z: Öl
Dossier: Bischof Felix Genn
Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
18.04.2011
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