
Jesus reitet am Palmsonntag nach Jerusalem.
Die "Stille Wiäke" führt zum Kern des Glaubens
Die Karwoche im Spiegel des Bistums
Bistum. Viele Gläubige im Bistum Münster begehen die "Heilige Woche" besonders intensiv: in Gebet, Gottesdienst und Prozessionen – aber auch im gelebten Brauchtum.
In der Karwoche feiern die Christen den Kern ihres Glaubens; es ist der Höhe- und Mittelpunkt christlicher Liturgie. Höhepunkt sind die "Drei Österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn". Die Liturgie dieser kommenden Woche enthält eine Vielfalt von Symbolen. Karwoche und die Osterzeit sind aber auch seit Jahrhunderten reich an religiösem Brauchtum. Dies gilt vor allem für die Karwoche: Es ist die so genannte stille Zeit – oder wie sie im Plattdeutschen auch genannt wird: die "Stille Wiäke" (Stille Woche).
Der Palmsonntag, an dem des Einzugs Christi in Jerusalem gedacht wird, leitet die Karwoche ein, in vielen Gemeinden mit feierlichen Prozessionen. Die Gläubigen begrüßen wie im alten Jerusalem Jesus mit Palmzweigen, die hierzulande meist durch Weidenkätzchen oder Buchsbaumzweige ersetzt werden. Sie werden im Gottesdienst gesegnet und sollen das ganze Jahr über in den Häusern der Gläubigen vor Gewitter und Unglück schützen. Im Münsterland wird bis heute die Tradition der Palmstöcke gepflegt: An geschnitzten Stöcken werden Buchsbaumzweige befestigt; der Stock selbst wird verziert mit Süßigkeiten, Äpfeln und Gebäck, mit roten und blauen Schleifen und Papierkrausen. Fast jede Gemeinde hat ihre eigene Palmstocktradition.
An einigen Orten ist der Tag mit einem "süßen" Brauch verbunden: Nach dem Gottesdienst gehen die Kinder zu den Nachbarn und kündigen ihnen das bevorstehende Osterfest an, wofür sich die Nachbarn bei den Kleinen mit Süßigkeiten bedanken, die allerdings – zumindest war es früher so – erst an Ostern getreu den Fastenvorsätzen verzehrt werden. In Vreden machen das die Kinder mit einem plattdeutschen Lied: "Palm, Palm Paosken, laot den Kuckuck raosken, laot de Vögelkes singen, laot den Geldbühl klingen. Häisukkeräi. Häisukkeräi. Wenn‘t noch eenmol Sunndagg wödd, krieg wie alle ‚nen Äi." (In freier Übersetzung: Palmen, Palmen, Ostern, lass den Kuckuck schreien, lass die Vögel singen, lass den Geldbeutel klinken. Häisukkeräi. Häisukkeräi. Wenn‘s noch einmal Sonntag wird, dann bekommen wir alle ein Ei.)
Doch der Palmsonntag verweist schon deutlich auf das Sterben Christi: In den Kirchen wird die Leidensgeschichte verlesen. Für viele Gemeinden und einzelne Gläubige gehört das gläubige Nachgehen des Kreuzwegs zu dieser Woche.
Auch die tägliche Mitfeier der Eucharistie ist bei vielen Katholiken in der Karwoche üblich. Am Montag, Dienstag und Mittwoch werden in den Gottesdiensten die alttestamentlichen Gottesknechtlieder vorgetragen. Dies sind prophetische Voraussagen des Leidens Jesu.
"Düstere Metten"
Im münsterischen St.-Paulus-Dom, aber auch etwa in Rheine St. Dionysius, hat sich überdies die alte Tradition der "Düsteren Metten" erhalten: In sinnfälligen Zeichen – nach und nach werden in der dunklen Kirche die 15 Kerzen eines Leuchters gelöscht – wird so symbolträchtig das Sterben Jesu nachempfunden, begleitet von Gebeten und Liedern. Der Gottesdienst ist meditativ – und tief beeindruckend!
Ein besonderes Zeichen am Gründonnerstag ist die Fußwaschung: Der Priester wäscht in Anlehnung an das Evangelium einigen Gottesdienstteilnehmern die Füße. Im Judentum war dies Sklavenarbeit. Die Fußwaschung in der Liturgie ist eine Aufforderung an die Christen, ebenfalls einander zu dienen. Dieser "Dienstcharakter" gilt auch für die Eucharistie, deren Einsetzung als Sakrament die Katholiken am Gründonnerstag feiern.
Am Abend und in der Nacht werden Betstunden vor dem Allerheiligsten vielerorts als Ölbergandachten gestaltet, die an die Angst Jesu im Garten Getsemane erinnern.
Am Morgen des Karfreitags wird in vielen Gemeinden der Kreuzweg gebetet; in einigen Orten gibt es noch die Kreuztracht wie etwa in Hörstel-Bevergen, wo diese Tradition seit mehr als 300 Jahren lebendig ist.
Um 15 Uhr, dem Zeitpunkt der überlieferten Todesstunde Christi, treffen sich die Christen dann in den Kirchen zum Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu. Dabei hören sie die Leidensgeschichte, beten für die Anliegen der Kirche und der Menschheit.
Besonders verehrt wird dabei das Kreuz. Ein verhülltes Kreuz wird in die Kirche getragen und dann enthüllt. Dadurch soll den Gläubigen wieder neu das Leiden Christi bewusst werden.Westfälische Karfreitagsessen sind zum Beispiel Bier- oder Mehlsuppe und Struwen, in Öl gebackener Hefeteig mit Rosinen.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte in
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