Letzter Geistlicher Abend zur Fastenzeit mit Alttestamentler Steins
Die Heute-Dimension des Auszugs aus Ägypten
Münster. Das Buch Exodus, das zweite Buch Mose im Alten Testament, hat die vielen Hundert Zuhörer der Geistlichen Themenabende im Dom zu Münster in dieser österlichen Bußzeit intensiv beschäftigt: Was ist das für ein Gott, der seinem Volk den "Aufbruch vom Tod zum Leben" verheißt, wie die meditativen Abende überschrieben waren?
Der Osnabrücker Alttestamentler Professor Georg Steins fügte dem Thema nach Angaben der Bischöflichen Pressestelle Münster am Mittwoch (13.04.2011) abschließend eine gewichtige Schlussbetrachtung hinzu: Die Israeliten erleben das Wunder des Auszugs aus Ägypten und ihrer Errettung, einmündend in den Zug durch das Rote Meer und das Schreckensende der geballten Streitwagenmacht des Pharao.
Steins (52), vor seiner Berufung nach Osnabrück Privatdozent an der Katholischen Fakultät in Münster, wählte den Exodus-Text des Alten Testaments nach seiner eigenen Übersetzung. Mose und die Israeliten danken Jahwe mit dem Lied: "Singen will ich dem Ewigen, denn hoch erhob er sich." Doch ist der Gott des Alten Bundes hier nicht als mächtiger Krieger eine Art "Super-Rambo"? fragte der Prediger. Und wie passt ein so "verstörender" Bibeltext eigentlich in den Kanon der Lesungen in den Osternachtfeiern der christlichen Kirchen?
Steins riet dazu, die "Heute-Dimension" im Erzählten zu entdecken statt den Text als Kriegsbericht misszuverstehen. Der Exodus fasse bereits die wichtigste Botschaft des Neuen Testaments zusammen: "Die Geschichte von der Rettung am Meer vermittelt die Osterbotschaft, die lautet: Gott rettet aus dem Tod." Die Bibel variiere ihr Thema, die zentrale Botschaft laute zu Ostern wie an Weihnachten: Der Retter ist da, und er bleibt es in Ewigkeit." Damit beantworte sich die Frage, wer stärker sei, der Tod oder das Leben: "Gott steht auf der Seite des Lebens." Der Tod habe nicht das letzte Wort.
Der Exeget leitete in einem Vergleich über zum Neuen Testament – mit der Geschichte der Rettung des Apostels Petrus vor dem König Herodes. Alle Exodus-Parameter tauchen in der Apostelgeschichte wieder auf. Und wieder ist es eine Errettung aus Unfreiheit und Tod. Steins zitierte David Ben-Gurion: "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." Gottes Möglichkeiten überstiegen bei weitem die Möglichkeiten des Menschen, selbst seine Träume. Die Bibel solle man nicht als eine Art himmlisches Geschichtsbuch lesen, sondern in ihr "das Wort Gottes suchen, das aus den Ängsten und Zwängen herausführt, die das Leben zerstören."
In der Osternacht habe die Exodus-Erzählung für Christen einen "Deute-Ort": mit der Taufe bzw. Tauferneuerung als Weg aus dem Tod in das Leben. Steins wörtlich: "Ohne die Taufe würde Christsein zur Vereinsmitgliedschaft – ein Verbleib in den gewohnten Bahnen." Die Gotteserfahrung sei insofern eine Erfahrung der Befreiung zum Leben, die Freiheit das Signal und der Prüfstein echten Gottesglaubens: "Wo es keine Freiheit gibt, da ist Gott verraten und vergessen, auch wenn es noch so bibeltreu, fromm oder kirchlich zugehen sollte."
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Text: pd
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