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23.05.2012
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Tafel

Tafeln, Kleider- und Möbelshops könnten und dürften laut Kessmann keine dauerhafte Lösung sein.

Aktuelle Caritas-Studie

Caritasdirektor Kessmann: Tafeln spalten Gesellschaft

Bistum/Düsseldorf. Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern lindern laut einer Studie zwar akute Notlagen, sie verfestigen aber auch eine Spaltung der Gesellschaft. Nach der am Dienstag (12.04.2011) in Düsseldorf vorgestellten Untersuchung der Caritas in NRW fühlen sich die Nutzer solcher existenzunterstützender Angebote dauerhaft aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Zugleich verstehen sich die Mitarbeiter "als Ausfallbürgen für die mangelnde staatliche Unterstützung".

Eine solche Spaltung der Gesellschaft sei nicht akzeptabel, sagte der Sprecher der nordrhein-westfälischen Diözesan-Caritasdirektoren, Heinz-Josef Kessmann. Existenzsicherung sei Aufgabe des Sozialstaates und dürfe nicht auf die Armenfürsorge der Wohlfahrtsverbände und der Gesellschaft verschoben werden. Aufgabe des Staates sei es auch, Armut und Ausgrenzung zu verhindern. Tafeln, Kleider- und Möbelshops könnten und dürften deshalb keine dauerhafte Lösung sein.

"Selbstheilungskräfte" aktivieren

Allerdings könnten die Einrichtungen nicht schnell abgeschafft werden, sagte Kessmann. Vielmehr sei es erforderlich, sie so weiterzuentwickeln, dass sie auch die "Selbstheilungskräfte" der Armen aktivieren. Laut Kessmann sollten etwa Suppenküchen und Kleiderkammern mit anderen Angeboten der Caritas wie der Schuldner- und Erziehungsberatung verknüpft werden.

Diözean-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann.

Diözean-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann.

"Wir müssen an den Problemen ansetzen und nicht Symptome kurieren." Gleichzeitig führe das weg von der Essens- oder Kleiderausgabe in Hinterhöfen und hin zu einer Art Sozialkaufhäuser, in denen den Betroffenen "auf Augenhöhe" geholfen und die Teilhabechance von Menschen in Armut gefördert werde.

1000 existenzunterstützende Einrichtungen in NRW

Die Studie trägt den Titel "Brauchen wir Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern?". Sie wurde von der Forschungsgruppe "Tafelmonitor" unter Leitung der Sozialwissenschaftler Stefan Selke aus Furtwangen und Katja Maar aus Esslingen im Auftrag der Caritas in NRW erstellt. Befragt wurden nach Worten der stellvertretenden Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz, Michaela Hofmann, sowohl regelmäßige Nutzer als auch "Nutzungsverweigerer" von Tafeln und anderen Hilfseinrichtungen sowie deren ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter.

In NRW gibt es nach den Angaben mehr als 1000 existenzunterstützende Einrichtungen für sozial Schwache, darunter rund 540 der Caritas. Ein Großteil davon entstand erst nach Inkrafttreten der Hartz-IV-Reform 2005. Sie werden vor allem von Langzeitarbeitslosen und deren Angehörigen genutzt. Die Studie ist als Buch im Freiburger Verlag Lambertus erschienen.

Buchhinweis:

Caritas in NRW (Hg.)
Brauchen wir Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern?
Hilfen zwischen Sozialstaat und Barmherzigkeit
Verlag Lambertus, Freiburg 2011, 15,80 Euro.

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  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Caritas im Bistum Münster

Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Fotos: Norbert Ortmanns, pd
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