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23.05.2012
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Intensiv haben sich die Teilnehmer des Seelsorgertags mit der Frage nach der pastoralen Ausrichtung des Bistums beschäftigt.

Intensiv haben sich die Teilnehmer des Seelsorgertags mit der Frage nach der pastoralen Ausrichtung des Bistums beschäftigt.

Rückblick auf den Tag der Seelsorger

Seelsorge: Wie Arbeit auf einer Baustelle

Bistum. 800 Pastoralreferenten und -referentinnen, Diakone und Priester haben sich vor zwei Wochen mit Bischof Felix Genn Gedanken über die künftige Seelsorge im Bistum gemacht. Was hat der Tag gebracht?

"Seelsorge zu betreiben, ist mit der Arbeit auf einer Baustelle zu vergleichen: Man wird schmutzig, es passieren auch schon einmal Fehler, und ab und an steht man auch im Regen – und doch entsteht etwas Neues." Pater Manfred Kollig hat sich bei aller Leidenschaft für die Sache einen nüchternen Blick bewahrt. Als Leiter des münsterschen Seelsorgeamts arbeitet der Arnsteiner Pater mit einem Team derzeit im Auftrag des Bischofs am neuen Pastoralplan für das Bistum Münster. Wenn alles gut läuft, kann er Ende kommenden Jahres vom Diözesanrat als oberstem synodalen Beratunsgremium beschlossen und durch den Bischof in Kraft gesetzt werden.

Für den 55-Jährigen war der Seelsorgertag eine wichtige Etappe bei der Erstellung des neuen Diözesanpastoralplans: Bischof Felix habe sich in die Debatte mit einer Standortbestimmung eingeschaltet. Genn habe deutlich gemacht, dass ihm bis dahin vor allem das Zuhören wichtig gewesen sei. Seinen Vortrag habe er bewusst als Diskussionsbeitrag in einem laufenden Prozess deklariert und um ehrliche Reaktionen gebeten.

Dies habe dem Tag gut getan, meint der Seelsorgeamtsleiter. Pater Manfred hat eine "intensive Stimmung" beim Seelsorgertag erlebt. "Nachdenklich und wohlwollend" hätten die rund 800 Frauen und Männer auf das Bischofsreferat reagiert.

In seiner persönlichen Reflexion am Abend war der Ordensmann  "davon überwältigt, dass eine so große Zahl von Seelsorgern gemeinsam an einer großen, alle verbindenden Frage mit der gleichen Intention gearbeitet haben: Wir wünschen, dass viele Menschen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus suchen, weil sie von ihm bereits gefunden sind". In den vielen Gesprächen und Arbeitsgruppen sei ein "ehrliches Ringen um richtige Wege deutlich geworden". Und: "Wir haben nicht nur die Probleme gesehen, sondern nach Lösungen gesucht."

Der Tag der Seelsorger war für ihn ein "Doppelpunkt". Will sagen: "Es war nicht ein Anfang und es soll auch kein Ende sein." In diesem Sinn bezeichnet Kollig es als aufschlussreich, dass Bischof Genn in seinem Referat verdeutlicht hat, wie in den Jahren seit Ende des Weltkriegs immer wieder neu nach angemessenen Formen der Seelsorge gesucht wurde. "Das hilft einzuordnen, dass die Frage nach Strukturen keine neue Erfindung ist und dass frühere Generationen auch inhaltlich gute Ideen hatten."

Wer vom Seelsorgertag fertige Lösungen erwartet hatte, wurde enttäuscht. "Jeder in  der Pastoral Tätige weiß, dass es keine Patentrezepte gibt", meint Kollig. So wurden denn auch die Ausführungen des Bischofs von den Teilnehmern in Verbindung mit eigenen Erfahrungen gesetzt. Ein Beispiel: "Wenn der Bischof von missionarischer Kirche spricht, wird es eine Vielzahl unterschiedlichster Vorstellungen von missionarischer Tätigkeit geben." Sich darüber auszutauschen, sei hilfreich gewesen.

Praktische Fragen hätten ebenso eine Rolle gespielt, etwa bei der Wertschätzung von Charismen in den Gemeinden, zu der Bischof Felix nachdrücklich aufrief. "Die Seelsorger hatten die Frage, wie sie diese einbinden können und wie man verfährt, wenn etwa nach Beauftragung für Dienste gefragt wird", erläutert Pater Manfred. Ein Beispiel: "Wenn jemand die Gabe hat, Trauernde zu trösten, darf er dann auch Beerdigungen leiten?" So werde vieles zu überlegen und einiges zu erproben sein, meint der Pater.

Für die Seelsorger habe sich auch die Frage gestellt, wie sie denn künftig selbst konkret seelsorglich wirken können, wenn sie vor allem auf der so genannten Multiplikatoren-Ebene tätig seien. Auch das Setzen von Vorrangigem und Nachrangigem wurde diskutiert: Wer lege dies fest? Der Vorschlag von Pater Manfred lautet: "Dies kann am besten das Seelsorgeteam einer Pfarrei gemeinsam machen, weil es die Anforderungen vor Ort am besten kennt." Der künftige Pastoralplan werde für solche Entscheidungen Orientierung geben.

Positiv bewertete auch Personaldezernent Domkapitular Hans-Bernd Köppen den Seelsorgertag: "Er hat eine gute Resonanz gefunden." Folgen werde das Gespräch für die Fortbildung der Seelsorgerinnen und Seelsorger haben. Man wolle noch gezielter Angebote für die einzelnen Gruppen, aber auch für die Seelsorge insgesamt machen. So denke man etwa an Angebote für leitende Pfarrer ebenso wie für die Cooperatoren, die künftig nach dem Willen des Bischofs "Priester im Gemeindedienst" heißen werden. Auch Pastoralreferenten werden gezielter durch Fortbildungsmaßnahmen angesprochen, wie Köppen erläutert. Dass die Veränderungen in der Seelsorge eine Belastung für die Seelsorgerinnen und Seelsorger darstellen, weiß der Personaldezernent. Es sei schwer, Dinge abzugeben, die einem lieb geworden seien. Vieles sei im Fluss und verändere sich. Und auch er nutzt das Bild von der Baustelle: Davon gebe es zurzeit viele.

Pater Manfred sieht das ähnlich: "Die Herausforderungen der Gegenwart an die Seelsorger sind enorm." Es sei derzeit keine "Macher-Zeit", sondern eine Phase des Suchens.

"Lösungen für die Seelsorge der Zukunft zu finden, ist nicht leicht und wird sicher auch nicht alle zufrieden stellen. Ohnehin ist alles vorläufig, was wir in der Kirche machen, wie auch die Kirche selbst nur endlich ist – das kann uns auch entlasten." Dennoch: "Wir säen auch. Es entsteht Neues, das aber liegt nicht in unserer Hand. Sich nicht nur in Idealvorstellungen zu verlieben, sondern gemeinsam die Lebenswirklichkeit auszuhalten und zu lieben, ist eine geistliche Grundhaltung, die durch den Tag gefördert wurde."

Oder anders: Auf einer Baustelle kann man das Künftige erahnen und sich darauf freuen, aber vorher ist es vor allem Eines: Arbeit.

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