
Der Pastoralplan richtet sich an Hauptamtliche und engagierte Laien in Gruppen und Gremien.
Beratungen im Diözesanrat:
Pastoralplan soll Schwerpunkte der Seelsorge benennen
Bistum. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigen sich die Pfarreien im Bistum Münster mit Strukturen. Wer kann oder soll mit wem kooperieren? Wer hat die Leitung? Und: Welche Mitsprache-Möglichkeiten haben die gewählten Gremien?
Diese Fragen will man geklärt sehen, aber Struktur-Debatten zeigen sicher kein attraktives Bild der Kirche. Auch darum will man davon wegkommen. Das ist erklärtes Ziel der Bistumsleitung um Bischof Felix Genn. Inhalte sollen wieder verstärkt in den Blick genommen werden: das, worum es wirklich geht in der Kirche.
Arbeitsgruppe um Seelsorgeamtsleiter Kollig
Dazu soll ein Pastoralplan her. Damit beschäftigt ist eine Arbeitsgruppe um den Seelsorgeamtsleiter Pater Manfred Kollig. Sie arbeitet dem Diözesanrat als oberstem Beratungsgremium des Bischofs zu; Bischof Felix muss am Ende den Plan in Kraft setzen.
Was will das Pastoralkonzept? "Pläne sind Hilfsinstrumente, um das Handeln zu orientieren und zu korrigieren, Verbindlichkeiten zu erzeugen und in regelmäßigen Abständen Entscheidungen und deren Umsetzung zu überprüfen", erläutert Pater Manfred, der seit Anfang des Jahres die Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat in Münster leitet.
Der neue Pastoralplan richtet sich nach seinen Worten vor allem an diejenigen, die sich in der Seelsorge engagieren: in Pfarreien, kirchlichen Einrichtungen, in Verbänden und Gremien. Es gehe auch darum, diesen Engagierten biblische Leitmotive und -bilder an die Hand zu geben, an denen sie sich in ihrem pastoralen Dienst orientieren könnten.
Menschen motivieren
Der Plan wolle Menschen motivieren, zusammen mit anderen in einer "lebendigen Beziehung zu Christus zu leben", sagt der Arnsteiner Pater. "Das heißt konkret, Jesus Christus wahrzunehmen und ihn zu betrachten – sowohl in der Eucharistie als auch in uns selbst als auch in den anderen Menschen, besonders in den Ärmsten." Kollig wird nicht müde, immer wieder zu betonen: "Es gibt zwei durch die Heilige Schrift gesicherte Orte der Begegnung mit Christus: das ist die Eucharistie und das ist der Nächste."
Das Pastoralkonzept soll nach dem Wunsch von Pater Manfred Schwerpunkte der Seelsorge benennen. Dafür sei es aber auch erforderlich, sich über "Leichtpunkte" im Klaren zu werden. Er tut sich schwer, dies konkret zu machen. "Das möchte ich der Entwicklung der Diskussion im Diözesanrat überlassen; außerdem kann das auch vor Ort sehr unterschiedlich sein."
Allerdings: "Es hat eine innere Logik, wenn ich von Schwerpunkten rede, dass anderes dann weniger bedeutsam sein muss." Und doch gibt es eine Reihe von Fixpunkten, von denen sich der Ordensmann leiten lässt. Ein Zitat von Johannes Paul II. nennt er: "Der Weg der Kirche ist der Mensch." Auch will er nicht "alte Wahrheiten" aufgeben, aber er weiß: "Die Sicht auf diese Wahrheiten verändert sich."
Pater Manfred Kollig. |
Kirche als Lebensraum oder als Institution
Ihn beschäftigt die Frage, was die Menschen in der Kirche suchen: Ist es die Kirche als Lebensraum oder eher die Kirche als Institution? Und er ist überzeugt: "In unserem Bistum benötigen wir einige konkrete pastorale Ziele, für die wir gemeinsam leben, unabhängig von unterschiedlichen Meinungen und Positionen."
Nachdrücklich wendet sich Kollig gegen die Idee der Kirche "als kleine Herde". Alle Getauften und Gefirmten gehören für ihn dazu, "denn wenn dies nicht die ausschlaggebenden Kriterien sind, möchte ich erfahren, welche es sein sollen". Seine Überzeugung: "Keiner ist zu viel." Und: "Dies gilt unabhängig von seiner Art und Weise, sich in dieser Kirche einzubringen oder beheimatet zu fühlen."
"Selbst im Exil bin ich noch zuhause"
Pater Manfred ist sich bewusst, dass die Kirche in diesen Breiten einen enormen Wandel durchlebt, der auch mit Verunsicherung einhergeht. "Heimat, Geborgenheit, Vertrauen suchen die Menschen in der Kirche. Das kann mir vielleicht sogar alles genommen werden, aber selbst im Exil bin ich noch zuhause, denn die einzig wirkliche Konstante bleibt: Er ist da!" In dieser Spannung – zwischen der Sammlung um Jesus Christus und dem Auftrag zur Sendung zu den Menschen – sieht der Ordensgeistliche die Kirche und die konkrete Arbeit am Pastoralplan.
Für die Menschen da sein – das soll die Kirche nach dem Wunsch Pater Kolligs. Und dann wird er doch konkret: "Es gibt viele Menschen in unserem Bistum, die von uns als Kirche noch etwas erwarten. Es geht um Wünsche und Fragen, die sich aus konkreten Lebenssituationen ergeben." Es gehöre zur Sendung der Kirche, dass "wir auf diesen Anruf der Menschen hören und ihnen im Geist Jesu Christi antworten". Dazu brauche es Gemeinden, die dazu in der Lage seien. "Das bedeutet, wir müssen dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft als womöglich zahlenmäßig kleine Gemeinde von Engagierten für die große Gemeinde der Suchenden und Fragenden und Erwartungsvollen im Namen Jesu da sein können."
Kirche nicht als Summe der Hauptamtlichen sehen
Kirche, das ist für Pater Manfred das Volk Gottes unterwegs. Und damit will er zugleich verdeutlichen: Kirche darf nicht als Summe der Hauptamtlichen gesehen werden. "Innerhalb der Kirche als Volk Gottes und Leib Christi muss es unterschiedliche Formen der Teilnahme am Leben der Kirche geben." – Ein anspruchsvolles Unterfangen, dem sich Kollig mit seiner Arbeitsgruppe stellt.
Dem Pastoralplan vorangestellt werden soll eine Präambel – ein programmatisches Vorwort. Darin geht es um das Thema "Sendung". Einen Textentwurf hatte die Bistumsleitung in Januar gemacht, der nun seit einigen Wochen in unterschiedlichen Gremien und Kreisen diskutiert und variiert wird; in der Diözesanratssitzung am 10. Juni will man darüber weiter debattieren. "Die Mitarbeit daran ist ausdrücklich gewünscht", stellt der Seelsorgeamtsleiter heraus. "Es liegt kein fertiges Papier in der Schublade; das gilt auch für den Pastoralplan", sagt Kollig.
Niemals fertig
Über eines macht er sich keine Illusionen: "Der Plan wird niemals fertig, sondern bedarf einer ständigen Bearbeitung und Entwicklung." Der letzte Pastoralplan für das Bistum trägt den Titel "Communio – Kirche ist Gemeinschaft" und stammt aus dem Jahr 1980. Nach dem Willen von Pater Manfred soll der neue in dieser Kontinuität sowie der des Zweiten Vatikanischen Konzils, der Würzburger Synode und des Diözesanforums Münster stehen.
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Text: Norbert Göckener | Fotos: Michael Bönte, Norbert Göckener in
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