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28.09.2016
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Bischof Felix Genn.

Bischof Felix Genn.

Bischof Felix im kirchensite.de-Interview

Genn: "Kann mich für Thema 'viri probati' nicht erwärmen"

Bistum. Den Dialogprozess in der deutschen Kirche bewertet Bischof Felix Genn als "richtig und wichtig", hält aber die Memorandum-Vorschläge von mehr als 200 Hochschullehrern nicht für "den Weg, der die Bewältigung dieser Krise leistet". Im Interview mit dem katholischen Online-Magazin kirchensite.de bekräftigte Bischof Genn am Freitag (11.02.2011) zugleich die "Verbindung zwischen priesterlichem Amt und eheloser Lebensform". Deshalb könne er sich für das Thema der "viri probati", also verheirateter Priester "nicht erwärmen".

kirchensite.de: 2010 war das Jahr der Sprachlosigkeit nach erschütternden Missbrauchsfällen in der Kirche. Wird 2011 das Jahr des Gesprächs, eines bundesweiten Dialogs unter den Katholiken über die Zukunft der Kirche in Deutschland?

Bischof Felix Genn: Ja, 2010 war ein Jahr mit tief bedrückenden kirchlichen Ereignissen. Die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wird sich in einem Bußakt dieser Verantwortung noch einmal in besonderer Weise stellen. Im Herbst vergangenen Jahres hat Erzbischof Robert Zollitsch zu einem Dialogprozess aufgerufen, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und Zukunft zu gestalten. An diesem Dialogprozess arbeiten wir. Ich selbst halte diesen Dialogprozess für richtig und wichtig.

kirchensite.de: Während das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, führende christliche Politiker und jüngst mehr als 200 Theologieprofessoren Themenlisten erstellt und Forderungen für den Dialogprozess benannt haben, steht der inhaltliche Rahmen der Bischöfe noch aus. Warum?

Bischof Felix: Ein fundiertes und zielführendes Gespräch bedarf intensiver Vorbereitung. Wenn es Wirkung entfalten soll, sollte es bundesweit flächendeckend erfolgen. Und deshalb gilt es, auf unterschiedliche Ausgangslagen Rücksicht zu nehmen. Wenn der Dialog Gemeinschaft stärken soll, müssen sich die Kräfte darauf konzentrieren, von vornherein auch alle mit auf den Weg zu nehmen. Ich empfinde im Augenblick, dass durch Initiativen wie das Memorandum der Hochschullehrer der Dialogprozess eher erschwert wird.

kirchensite.de: Wie sollte sich das Bistum Münster nach Ihrer Einschätzung in diesen Dialogprozess einbringen?  

Bischof Felix: Seit ich im Bistum Münster tätig bin, habe ich in den unterschiedlichen Räten viele Dialoge geführt. Angesichts der Strukturveränderungen, die in unserem Bistum anstehen, kann ich ohne Dialog mit dem Priesterrat, mit dem Diözesanrat, mit dem Pastoralreferenten- und Diakonenrat und mit vielen Gruppen und Gremien diesen Prozess gar nicht gestalten. Dabei schließe ich mich den beiden Themen an, die Erzbischof Zollitsch in den Vordergrund gestellt hat: Wie verhält sich die Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien? Wie kann die Kirche ihre Stimme in die Gesellschaft noch stärker einbringen?

kirchensite.de: Die Hälfte der deutschen Theologieprofessoren hat in einem Memorandum Reformen in der Kirche angemahnt, darunter eine größere Zahl von Theologinnen und Theologen aus Münster, von der europaweit größten theologischen Fakultät. Wie bewerten Sie diesen Vorgang?

Bischof Felix: Mit den Unterzeichnern des Memorandums weiß ich mich verbunden in der Sorge um die Situation der Kirche, vor allen Dingen im Rückblick auf das vergangene Jahr und in der notwendigen Aufarbeitung dessen, was der sexuelle Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute an vielfältigen Wunden geschlagen hat. Allerdings sehe ich in dem, was die Profes-sorinnen und Professoren vorschlagen, nicht den Weg, der die Bewältigung dieser Krise leistet.

kirchensite.de: Wie bewerten Sie die Reform-Vorschläge der Professoren insgesamt?

Bischof Felix: Zwischen meiner Verantwortung als Bischof in der Kirche und der Verantwortung, die der Bischof von Münster den Lehrenden übertragen hat, sehe ich einen starken Dissens.

kirchensite.de: Was die unterschiedliche Bewertung angeht, stimmen Sie zumindest mit der im Memorandum beschriebenen Ausgangslage überein, wonach das Jahr 2011 "ein Jahr des Aufbruchs für die Kirche" sein soll und ein "echter Neuanfang" empfohlen wird?

Bischof Felix: Die Autoren sprechen von einer "vielleicht letzten Chance zu einem Aufbruch" und benennen als Alternative "Grabesruhe, weil die letzten Hoffnungen zunichte gemacht wurden". Ich bin überzeugt davon, dass die Kirche sich ständig erneuern muss, ständig neu aufbrechen muss, um dem Evangelium Raum zu geben. Dies ist aber immer auch ein Werk der Gnade Gottes. Er ist für mich die letzte Hoffnung, die ich als Christ habe, und ich traue dem Wirken seines Geistes zu, dass er die Kirche auch durch diese schwere Krise führt.

kirchensite.de: Soll heißen, für Sie gibt es immer noch eine Chance und nie die letzte?

Bischof Felix: Richtig. Ich kann die Meinung der Hochschullehrer nicht teilen, die letzte Chance sei vertan, wenn ihre Überlegungen nicht verwirklicht würden. Ich setze vielmehr auf den, der uns "Fruchtbarkeit" verheißen hat, wenn wir in ihm bleiben, wie es im Evangelium nach Johannes (Joh 15) heißt.

kirchensite.de: Die Professorinnen und Professoren begründen ihre Problemskizze mit der Beobachtung, viele Christen hätten "der Kirchenleitung ihre Gefolgschaft gekündigt und ihr Glaubensleben privatisiert, um es vor der Institution zu schützen". Widersprechen Sie diesem Befund ebenfalls?

Bischof Felix: Leider ja, weil das dort beschriebene Kirchenbild falsch ist. Denn es trennt die institutionelle Seite der Kirche, die notwendig zu ihr gehört, von der Innenseite, in der der Einzelne seinen Glauben lebt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Professorinnen und Professoren nicht die Konsequenzen bedacht haben, die auch staatskirchenrechtlich mit ihren Aussagen verbunden sind.

Bischof Genn im Gespräch.

Bischof Genn im Gespräch.

kirchensite.de: Das Memorandum der Theologen thematisiert auch die Strukturveränderungen in den deutschen Diözesen ...

Bischof Felix: ... die ich wesentlich mitgestaltet habe, und über die man trefflich streiten kann. Ich sehe durchaus Möglichkeiten, darüber zu diskutieren, wie die konkrete Gestalt einer Gemeindeleitung im Zusammenspiel der unterschiedlichen Dienste und Ämter und in der Kooperation mit den vielen ehrenamtlichen Kräften aussehen kann.

kirchensite.de: Und die Gemeindeleitung?

Bischof Felix: Auch in Zukunft wird die Leitung einer Pfarrei mit dem priesterlichen Dienst verbunden bleiben.

kirchensite.de: Vermissen Sie Aussagen zum Zölibat im Memorandum?

Bischof Felix: Zwar wird derzeit immer wieder von der Wertschätzung des Zölibats gesprochen, aber bisweilen erscheinen mir solche Aussagen wie Leerformeln. Und zwar, weil mit der Wertschätzung ein "Aber" verbunden ist: Es könnte auch anders gehen. Allerdings bedrückt mich die Frage: Wie soll eine Lebensform in ihrem Wert erkannt werden, wenn sie durch das Zeugnis Einzelner so verdunkelt wurde, wie wir es im vergangenen Jahr wahrnehmen mussten?

kirchensite.de: Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit der Zölibat sachgerechter bewertet wird?

Bischof Felix: Sein Inhalt müsste verstärkt näher dargelegt werden. Der Zusammenhang der priesterlichen Ehelosigkeit mit den Evangelischen Räten – also Armut, Keuschheit und Gehorsam – in der Nachfolge Christi müsste mehr zur Sprache kommen. Weil das Bewusstsein für das Leben in den Evangelischen Räten in der Kirche unseres Landes wenig ausgeprägt ist, ist die Zahl der Berufungen in das Ordensleben ebenso zurückgegangen wie die Zahl derer, die sich für das Priestertum im ehelosen Leben entscheiden. Hier braucht es eine neue Sensibilität und eine wachsende Überzeugung, dass solche Berufungen vom Herrn erbetet werden können. Dann wird Gott sie uns auch schenken, weil wir ihm vertrauen.

kirchensite.de: Die Hochschullehrer fürchten riesige "XXL-Pfarreien", in denen Pfarrer "verheizt" werden und empfehlen deshalb auch verheiratete Priester, sogenannte "viri probati". Ein zukunftsweisender Weg?

Bischof Felix: Von der Verbindung zwischen priesterlichem Amt und eheloser Lebensform bin ich überzeugt. Ich könnte mich niemals zu einer anderen Form entscheiden – persönlich und kirchlich. Deshalb kann ich mich für das Thema der "viri probati" nicht erwärmen.

kirchensite.de: Das Memorandum fordert auch "Frauen im kirchlichen Amt". Wäre ein Diakonat der Frau ein nachdenkenswerter Reformschritt?

Bischof Felix: Papst Johannes Paul II. hat im Jahr 1994 lehramtlich festgehalten, dass die katholische Kirche vom Auftrag und der Weisung Jesu her nicht ermächtigt ist, das Sakrament der Weihe Frauen zu spenden. Dies ist für die kirchliche Lehrverkündigung und die damit Beauftragten verbindlich.

kirchensite.de: Dialog zielt nicht nur auf Veränderung ab, sondern auch auf Verständigung. Reicht ein "Nein" aus, wenn fragende Frauen tiefe Sehnsucht zu einem kirchlichen Amt verspüren?

Bischof Felix: Ich kann nicht genug Wertschätzung ausdrücken, die dem hohen Engagement unzähliger Frauen in der Kirche entgegenzubringen ist. Und natürlich müssen wir weiter darüber nachdenken, wie Frauen in Leitungsaufgaben der Kirche, die nicht an die Weihe gebunden sind, noch mehr Berücksichtigung finden. Gerade die Schreiben von Papst Johannes Paul II. zur Rolle und Würde der Frau sind bei weitem in der Kirche in Lehre und Praxis noch nicht ausgeschöpft.

kirchensite.de: Das Memorandum wehrt sich gegen ein Ausschließen derjenigen Menschen, die in einer gleich-geschlechtlichen Partnerschaft leben. Was kann sich daran ändern?

Bischof Felix: Natürlich muss die Kirche in ihrer Seelsorge allen Menschen in ihren unterschiedlichen Lebens-situationen zur Seite stehen. Das gilt auch für Männer und Frauen, die sich als homosexuell lebende Menschen verstehen. Die kirchliche Lehre aber hat eine klare Grenze gesetzt – zweifellos eine Herausforderung für die Pastoral in der Begegnung mit diesen Menschen: Kirchlich können wir nicht von einer Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts sprechen. Darum sollten wir allen Tendenzen widerstehen, die sich in der Gesellschaft für eine Auflösung des Ehebegriffs stark machen. Zugleich müssen wir insgesamt lernen, den Menschen zu helfen, mit ihrer Sexualität keusch umzugehen.

kirchensite.de: Die Hochschullehrer lenken den Blick ebenso auf die wiederverheirateten Geschiedenen. Ist das nicht der Ernstfall christlicher Barmherzigkeit?

Bischof Felix: Ein dornige und leidvolle Frage. Sie stellt für jeden Seelsorger, also auch für die Bischöfe, eine immense Herausforderung dar. Man kann nicht – wie das Memorandum – pauschal davon sprechen, die Kirche schließe solche Menschen aus. Die Frage der fehlenden Möglichkeit, zu den Sakramenten hinzuzutreten, ist ein Teil, wenn auch ein wichtiger Teil der Gesamtsorge, der weiter zu bedenken ist.

kirchensite.de: So wertvoll das Sakrament der Ehe ist: Darf die Kirche die Augen davor verschließen, wenn immer mehr Menschen – oft nach fortgesetztem und ernsthaftem Bemühen – in ihrer Partnerschaft scheitern und der Staat auch andere Formen des Zusammenlebens rechtlich anerkennt?

Bischof Felix: Gerade weil es um die hohe Wertschätzung der Ehe geht, muss die Kirche um die Menschen besorgt sein, die das vom Evangelium vorgegebene Ideal in ihrem Leben nicht verwirklichen konnten. Gerade weil es um die Wertschätzung der Ehe geht, ist es aber höchst gefährlich, wenn das Memorandum die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in einer Reihung mit den geschiedenen Wiederverheirateten, mit der Ehe und der christlichen Ehelosigkeit aufnimmt. Hier wird einer Auflösung des Ehebegriffs zugearbeitet.

kirchensite.de: Was erhoffen Sie sich vom bevorstehenden Besuch Papst Benedikts XVI. in seinem Heimatland für den Dialogprozess in der deutschen Kirche?

Bischof Felix: Vom Papstbesuch erhoffe ich mir Ermutigung und Stärkung in unserem Glauben, um miteinander den Weg der Kirche in die Zukunft zu gehen.

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