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23.05.2012
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Kirchengeschichtler Arnold Angenendt.

Kirchengeschichtler Arnold Angenendt.

Kirchengeschichtler Arnold Angenendt:

Pflichtzölibat überdenken

München / Münster. Der Pflichtzölibat in der katholischen Kirche gehört nach Ansicht des münsterschen Kirchengeschichtlers und Bistumspriesters Professor Arnold Angenendt auf den Prüfstand. "Als Kirchengesetz kann der Zölibat nur so lange bestehen, wie er der Kirche nützt", schreibt Angenendt in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch (09.02.2011). Eben das sei heutzutage fraglich.

Angesichts des aktuellen Priestermangels in Deutschland und anderen Ländern seien flexiblere Ansätze gefragt, so Angenendt weiter. Eigentlich habe seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) Einigkeit über das Vorgehen in solchen Fällen bestanden. "Der Zölibat dient der Seelsorge; sonst sind andere Lösungen zu suchen, etwa viri probati, 'erprobte, verheiratete Männer', zu Priestern zu weihen." Den kürzlich veröffentlichten Appell einiger CDU-Politiker zu diesem Thema nannte Angenendt einen "Notschrei", weil in vielen Pfarreien das Gemeindeleben in der vom Konzil gewünschten Form nicht mehr möglich sei.

"Höchstmöglicher Einsatz"

Die Forderung nach priesterlicher Ehelosigkeit lasse sich nicht aus der Bibel ableiten, sondern komme aus dem Feld der "kultischen Reinheit", betonte der Liturgiewissenschaftler und Kirchengeschichtler. Entsprechende Vorschriften seien in vielen Religionen und Kulturen zu finden. Jesus habe demgegenüber einen "totalen Bruch" vollzogen: "die zuletzt schon im Alten Testament angebahnte Umwandlung der kultischen Reinheit in Ethik". Erst im Mittelalter mit seinen radikalen Reinheitsvorstellungen habe sich die priesterliche Ehelosigkeit als eher unverbindlicher "charismatischer Ruf für Priesterdienst und Seelsorge" in den heute noch gültigen Pflichtzölibat gewandelt.

Angenendt räumte ein, dass der Zölibat wegen der Unabhängigkeit von Familie ganze Priestergeneration zu "höchstmöglichem Einsatz" motiviert habe. "Ein nicht-zölibatärer Klerus wird anders leben." Entscheidend sei jedoch, dass die dem Pflichtzölibat zugrunde liegenden Reinheitsvorstellungen in der modernen Gesellschaft nicht mehr vermittelbar seien.

"Nicht eurozentristisch entscheiden"

Zugleich wies der Theologe darauf hin, dass der Vatikan in dieser Frage nicht eurozentristisch entscheiden könne. Die überwiegende Zahl der Katholiken lebe außerhalb Europas und habe andere Vorstellungen von Reinheit und Unreinheit. Am Ende helfe nur der Verweis auf die biblische Ausgangssituation. "Indem das Neue Testament verheiratete Bischöfe und Diakone bezeugt, ist die kultische Reinheit grundsätzlich abgetan."

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Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Almud Schricke
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