
Stellten in Emsdetten die Ideen für das Kreisdekanat Steinfurt vor: Weihbischof Hegge, Generalvikar Kleyboldt, Domkapitular Köppen (v.l.).
Strukturplan war Thema in der Steinfurter Kreisdekanatsversammlung
Hegge: Umgestaltung als "Chance und Herausforderung"
Kreisdekanat Steinfurt. 23 statt der bislang 36 Pfarreien soll es künftig im Kreisdekanat Steinfurt geben. Das erklärte die Bistumsleitung am Donnerstag (03.02.2011) bei der Bekanntgabe der Strukturpläne in einer Kreisdekanatsversammlung in Emsdetten.
In Greven, Ibbenbüren, Mettingen, Recke, Hopsten, Rheine und Steinfurt sollen sich nach den Vorschlägen der Bistumsleitung neue Pfarreien bilden. Innerhalb der nächsten acht Wochen können die betroffenen Pfarreien Rückmeldungen an das Bischöfliche Generalvikariat in Münster geben. Diese sollen dann in die weiteren Überlegungen einfließen.
Stellenplan wird bis 2020 umgesetzt
Der neue Struktur- und Stellenplan für die Pfarreien soll im Herbst von Bischof Felix Genn in Kraft gesetzt werden. Bis spätestens 2015 sollen sich die Pfarreien gebildet haben; der neue Stellenplan wird bereits jetzt nach und nach bis 2020 umgesetzt. Damit käme der seit 1999 laufende Prozess der Neustrukturierung zu einem Abschluss.
Die Planungen stellten in Emsdetten Weihbischof Christoph Hegge als Regionalbischof für die Region Borken-Steinfurt, Generalvikar Norbert Kleyboldt und Personaldezernent Domkapitular Hans-Bernd Köppen vor.
Nur "so viel Struktur wie nötig"
Weihbischof Hegge warb nachdrücklich dafür, die Neugestaltung der Pfarreistrukturen als "Chance und Herausforderung" anzugehen. Jetzt gehe es darum, äußere Formen zu finden, die längerfristig Bestand hätten, damit auch neue missionarische Impulse ausgingen. Idee der Planungen sei es, nur "so viel Struktur wie nötig" vorzugeben. Damit könnten sich vor Ort darin Entfaltungsmöglichkeiten für die seelsorglichen Aufgaben entwickeln.
Hegge appellierte an die rund 230 haupt- und ehrenamtlichen Vertreter der Pfarreien, auch an die Ränder des bisherigen kirchlichen Lebens zu gehen, um dort "Menschen für Christus zu begeistern". Leidenschaftlich sagte er: "Wir wollen Menschen gewinnen, damit sie Freude am Glauben gewinnen."
"Keine Kirche der Hauptamtlichen"
Der Regionalbischof für die Region Borken-Steinfurt wies zugleich auf die Gefahr hin, "in kleinen Gruppen zu vertrocknen". Daher müsse eine Neugier entstehen, Neues zu entwickeln. Dabei gehe es darum, in Anlehnung an den Apostel Paulus in dem "einen Leib Christi" – in der Kirche – verschiedene Talente zu entdecken. "Verkündigung ist nicht nur eine Sache des Pastors", meinte Hegge. Das Bistum wolle die Pfarreien tatkräftig bei der Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen unterstützen. Denn: "Wir wollen keine Kirche der Hauptamtlichen." Der Weihbischof richtete den Blick in die Zukunft: "Wir wollen ein Wachstum aus Überzeugung."
Generalvikar Kleyboldt betonte, dass mit dem neuen Struktur- und Stellenplan Rahmenbedingungen vorgegeben würden, die auf absehbare Zeit Geltung hätten und Verlässlichkeit gäben. Die Planungen zeigten, dass die Bistumsleitung keineswegs auf das Modell der Großpfarrei setze. Es gebe auch zahlreiche pastorale Räume, die zwischen 5.000 und 7.000 Katholiken zählten.
Weihbischof Hegge warb für einen missionarischen Aufbruch vor den 230 Vertretern der Pfarreien. |
Kleyboldt: Seelsorge mit Gesicht
Allen Unkenrufen zum Trotz beharren die Verantwortlichen des Bistums nach den Worten des Generalvikars darauf: "Wir wollen eine Seelsorge mit Gesicht." Kleyboldt verwies auf Anstrengungen der Diözese, die Verwaltungsarbeit für die Hauptamtlichen in den Pfarreien zu vereinfachen und zu reduzieren. Unterstützung erhielt er in diesem Punkt vom Steinfurter Kreisdechant Markus Dördelmann. Er berichtete von seiner früheren Tätigkeit in Kamp-Lintfort, dass ihm durch diese Verwaltungsvereinfachungen ausreichend Freiraum für die Seelsorge geblieben sei.
Kleyboldt zeigte Verständnis für die Situation der Laien, die zum Teil zum wiederholten Mal eine Zusammenlegung von Pfarreien organisieren und gestalten müssten. "Mir ist bewusst, dass das, was wir derzeit einfordern, nicht einfach für die Ehrenamtlichen ist." Er sicherte zu, dass das Bischöfliche Generalvikariat die Engagierten vor Ort unterstützen werde.
Außerdem wurde bei der Kreisdekanatsversammlung bekannt, dass das Seelsorgeamt an einem Pastoralkonzept für das Bistum arbeitet. Erste Überlegungen sollen bereits am 18. Februar 2011 in der Diözesanratssitzung vorgestellt und diskutiert werden.
Köppen: Der Rahmen gibt Freiheit
Personaldezernent Köppen stellte die Ideen der Bistumsleitung im Detail vor. Dabei verwies er auf den gesamtgesellschaftlichen Kontext (demografischer Wandel) und stellte Zahlen vor, die die Veränderungen im kirchlichen Leben belegen. Danach ging die Katholikenzahl im Kreisdekanat Steinfurt von 1970 bis 2005 von 302.000 auf 262.000 zurück. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer verringerte sich im gleichen Zeitraum von 148.000 (1970) auf 34.000 (2005) Gläubige.
Köppen betonte, dass der neue Stellenplan den Pfarreien und auch den Hauptamtlichen mehr Sicherheit geben soll. Bewusst gebe es aber in diesem Rahmen die Freiheit, das konkrete pastorale Handeln vor Ort zu gestalten und wie sich die einzelnen Seelsorgerinnen und Seelsorger einbringen könnten. "Mit dem Stellenplan möchten wir eine gerechte Verteilung der Priester und der hauptamtlich tätigen Laien erreichen. Wir schaffen Transparenz für jede Pfarrei, und wir schaffen eine verlässliche Planung für den Personaleinsatz", sagte Köppen.
Von der Weltkirche lernen
Kontrovers wurde in der anschließenden Aussprache der Einsatz von "Priestern der Weltkirche" diskutiert. Köppen berichtete, dass dafür eine neue Ordnung entwickelt werde; diese sehe eine verstärkte sprachliche und pastorale Vorbereitung der ausländischen Geistlichen vor. Er warb für den Einsatz der Priester der Weltkirche; sie seien jetzt eine wertvolle Hilfe und überdies bestünde die Möglichkeit, von ihren Erfahrungen zu lernen.
Mit der Kreisdekanatsversammlung in Emsdetten sind bereits vier Konferenzen zur Vorstellung der neuen Strukturen absolviert. Am 8. Februar 2011 geschieht dies noch für das Kreisdekanat Recklinghausen, am 21. Februar 2011 werden die Pläne für das Kreisdekanat Wesel vorgestellt, den Abschluss bildet die Kreisdekanatsversammlung für Warendorf.
Zitiert:
"Ich war überrascht, dass es so wenig überraschend war."
Generalvikar Kleyboldt, der mit anderen Reaktionen auf die Vorstellung der Strukturpläne gerechnet hatte.
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Strukturplan für das Kreisdekanat Steinfurt im Detail
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Übersicht: Gemeindekooperation
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Schwerpunktthema: Gemeindekooperation
Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener
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