
Vorfreude in Emmerich (v.l.): Michael Beermann mit der Fahne des Weltjugendtags, Brigitte Peerenboom mit der Fahne der Gäste aus Alindao und Lina Hübers mit der spanischen Flagge.
Die Zeit bis zum Großereignis im August wird intensiv genutzt
Der Weltjugendtag hat schon begonnen
Bistum. Richtig "getrommelt" haben sie gar nicht. Und trotzdem ist der Bus schon voll. 39 Jugendliche aus der Seelsorgeeinheit St. Christophorus und St. Johannes der Täufer aus Emmerich werden im August nach Spanien aufbrechen. Der Weltjugendtag (WJT) indes hat für sie schon längst begonnen.
"Wir haben ein paar Plakate geklebt", sagt Pastoralreferent Michael Beermann. "Und einige Informationstreffen für Interessierte organisiert." Die große Dynamik sei aber durch die Jugendlichen selbst gekommen. "Es waren einige von ihnen in Sydney mit dabei, die haben schon früh vieles vorangetrieben." Mund-zu-Mund-Propaganda oder Erlebnisberichte in den Schulen waren die eigentlichen Initialzündungen. "Authentische Begeisterung zieht noch immer am Besten."
Schon im Oktober 2010 war Anmeldeschluss. "Ein bewusst früher Zeitpunkt." Denn die Zeit bis zum WJT sieht Beermann als eine wertvolle Zeit, die man nicht verstreichen lassen sollte. "Wir wollen sie intensiv nutzen – für die Gruppendynamik, für Projekte, für Inhalte." Ein Mal im Monat werden nach den Familiengottesdiensten bereits Waffeln verkauft, auf dem Weihnachtsmarkt haben sie selbstgebackene Plätzchen angeboten und bei anderen Veranstaltungen gekellnert.
Es geht ums Erleben
Insgesamt 1.000 Euro für die Finanzierung der Reise sind dabei schon zusammengekommen. "Es geht aber weniger ums Geld als um das gemeinsame Erleben", sagt Beermann. Sie nutzen die Zeit, um zusammenzuwachsen, Vorfreude zu entwickeln und jetzt schon ein wenig zu schmecken, was
Madrid bedeuten kann. Den Blick über den Tellerrand vergessen sie dabei nicht. "Wir planen, etwa fünf Jugendliche aus Alindao mitzunehmen", erklärt Pastoralreferentin Brigitte Peerenboom. Sie begleitet schon seit einigen Jahren die Partnerschaft der Gemeinde mit dem Bistum in der Zentralafrikanischen Republik, war vor einem Jahr noch mit acht Jugendlichen vom Niederrhein dort zu Besuch. "Es geht uns vor allem darum, eine Partnerschaft mit den Menschen dort zu entwickeln." Das Projekt bekommt durch Besuche ein Gesicht, Gegenbesuche bringen das Gesicht nach Emmerich.
Auch dafür haben sich die Jugendlichen der Gemeinde bereits ins Zeug gelegt: Reibekuchen und Eintöpfe verkauften sie in der Fußgängerzone, und bei ihren afrikanischen Reiseberichten sammelten sie Spenden. Mit vielen weiteren Einzelspenden sind so bislang etwa 5.000 Euro zusammengekommen. "Das meiste wird für die Flugkosten draufgehen", rechnet Peerenboom. Für alles andere werde dagegen kaum Geld gebraucht: "Das wird über den Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer laufen."
Generell könnten sie auf viele helfende und offene Hände in Emmerich bauen, verrät sie. "Ich bin mir sicher, dass am Geld und an persönlicher Unterstützung keine einzige Reise scheitern würde." Jetzt komme es vor allem darauf an, die Visa- und Reiseformalitäten für die afrikanischen Gäste zu regeln. Ein schwieriges Kapitel mit vielen bürokratischen Hürden – das erlebt sie derzeit. Aber ein Kapitel, das sich am Ende für beide Seiten lohnen wird, ist sie sich sicher: "Sie bringen etwas mit an den Niederrhein und dann nach Spanien, das wir in dieser Form nicht besitzen: die afrikanische Art zu leben und zu glauben."
Lina Hübers ist eine der 39 Jugendlichen, die viele Gründe für ihren Einsatz in den Vorbereitungen für Madrid nennen kann. Die 18-Jährge war 2008 mit beim Weltjugendtreffen in Sydney und hat von dort einiges an Begeisterung mitgebracht. Nach dem Abitur im nächsten Jahr plant sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Alindao. Die Zeit in Spanien mit den afrikanischen Gästen soll damit für sie zu einer besonders dichten werden.
Nur beim WJT
"Genau so stelle ich mir meine Urlaubszeit vor", verrät sie. "Menschen kennenlernen, feiern, andere Kulturen erfahren, Gleichgesinnte treffen, Glaubensimpulse bekommen." Sie sei schon ein wenig verwundert, wer sich alles für die Fahrt angemeldet habe. "Da sind viele dabei, die sonst wenig mit Kirche zu tun haben." Aber auch das mache den WJT aus. "Es zeigt, dass Jugend und Kirche zusammenpassen, dass Glaube vielen jungen Menschen etwas zu sagen hat, dass man sich – so unterschiedlich man auch denkt – begegnen kann." Dabei ist sie sich sicher: "Das geschieht nicht im Pauschalurlaub, sondern nur beim WJT."
Auch Pastoralreferent Michael Beermann kennt diese einzigartige Ausstrahlung der Veranstaltung: "Es ist eine Wucht, die man sonst in der Jugendpastoral kaum entwickeln kann." Die wenigsten, die zum WJT führen, säßen später zwar beim Sonntagsgottesdienst in der ersten Reihe. "Du kannst nicht kalkulieren, was hängen bleibt", sagt er. "Aber du kannst garantieren, dass etwas hängen bleibt."
Geistliche Vorbereitung
Schon am 29. Januar 2011 beginnt die inhaltliche Vorbereitung auf den WJT. Dann lädt die Jugendkirche "effata!" in Münster under dem Titel "Roots to grow" zu einer liturgischen Revue ein. Am 8. April findet im St.-Paulus-Dom ein Jugendgebetsabend mit Bischof Felix Genn statt, der sich ebenfalls mit dem WJT beschäftigt. Zudem gibt es zur Fasten- und Osterzeit Impulse und Gebetsaktionen auf der Hompage des Weltjugentagsbüros Münster:
www.wjt2011-muenster.de. Dort findet man auch weitere Hilfen für die Arbeit rund um das Motto des WJT: "Verwurzelt und aufgebaut in Christus, fest im Glauben".
Bischöfe kommen mit
Aus dem Bistum Münster werden die beiden Weihbischöfe Heinrich Timmerevers aus Vechta und Christoph Hegge (Region Borken-Steinfurt) die Reise begleiten. Für die Tage in Madrid hat auch Bischof Felix Genn sein Kommen angekündigt.
Vernetzen
Schon im Vorfeld können sich Teilnehmer und Gruppen im Internet austauschen. In den Netzwerken "
www.facebook.com/wjtbuero" und "
www.twitter.com/wjtbuero_ms" sind Angebote geschaltet.
Buntes Programm
Bereits vor dem großen Festival in Madrid wird es für die Gäste aus dem Bistum Münster bei den Tagen der Begegnung im Erzbistum Pamplona-Tudela einen besonderen Höhepunkt geben. Während des "Festivals der Nationen" sind die Gruppen aus den verschiedenen Ländern eingeladen, etwas Traditionelles aus ihrer Heimat zu präsentieren. Die Spanier haben angekündigt, für alle Teilnehmer eine "Riesen-Paella" zu kochen.
Reise zum Weltjugendtag 2011
Anmeldeschluss am 1. Februar
Das Reiseangebot des Weltjugendtagsbüros im Bistum Münster können alle Gruppen annehmen, deren Mitglieder zwischen 14 und 30 Jahre alt sind. Die Gruppen müssen von einer erwachsenen Person begleitet werden. Einzelne Interessierte können sich direkt im WJT-Büro melden, von wo sie den Kontakt zu möglichen Reisegruppen vermittelt bekommen. Der Reisepreis beträgt 559 Euro. Enthalten sind An- und Abreise sowie alle weiteren Transfers, Verpflegung und Beiträge sowie ein Solidaritätsbeitrag. Gereist wird in modernen Reisebussen, die den Gruppen die ganze Zeit zur Verfügung stehen. Die Abfahrt ist am 10. August von verschiedenen Orten im Bistum. Vom 11. bis zum 15. August sind die Teilnehmer Gast im Erzbistum Pamplona-Tudela. Zwischen dem 16. und 19. August findet das traditionelle Programm im Rahmen des WJT in Madrid statt. Der Anmeldeschluss ist der 1. Februar.
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in
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