
Bischof Martin Happe.
Weihnachtsbrief von Bischof Martin Happe aus Mauretanien
Personenschutz "dankend abgelehnt"
Nouakchott / Bistum. Der afrikanische Wüstenstaat Mauretanien gilt als gefährlich für westliche Staatsbürger, aber Martin Happe will keinen Personenschutz. Daran lässt der aus Sendenhorst im Kreisdekanat Warendorf stammende Bischof von Nouakchott keinen Zweifel. Ein solches Angebot der deutschen Botschaft habe er "natürlich dankend abgelehnt", schreibt der 65-Jährige in einem Brief zu Weihnachten 2010 an seine deutschen Freunde.
Damit ist Happe offenbar in der Minderheit in Mauretanien, wo der Islam die einzig zugelassene Religion ist. Aus Furcht vor Anschlägen würden sich westliche Diplomaten nur noch in gepanzerten Autos bewegen. Botschaften seien in den vergangenen Jahren zu "Hochsicherheitsgefängnissen" umgebaut worden, von Betonmauern eingefriedet, auf denen Stacheldrahtrollen befestigt seien, schreibt der Bischof.
Seine Tür bleibt offen
Die Tür zu seinem Bischofshaus bleibe jedoch "weiterhin geöffnet für alle, die mich besuchen wollen", schreibt Happe. "Ich gehe weiterhin zu Fuß durch die Stadt, selbst nach Einbruch der Dunkelheit, und ich fahre auch weiterhin ohne Chauffeur und ohne beschützende Sicherheitskraft durchs Land", um Pfarreien zu besuchen.
Deutsche Diplomaten sind da weniger ruhig. Das Außenministerium in Berlin spricht eine "Teilreisewarnung" aus: "Von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mauretanien wird abgeraten. Vor Reisen in das Grenzgebiet zu Algerien und Mali wird ausdrücklich gewarnt. Mit weiteren terroristischen Anschlägen – auch gegen Ausländer – muss in Nouakchott und im ganzen Land gerechnet werden." Wirksame Maßnahmen gegen den Terror des örtlichen Arms der Al-Qaida, der westliche Staatsbürger als potenzielle Entführungsopfer im Blick habe, zeichneten sich derzeit nicht ab.
Die Flagge von Mauretanien. |
Kein Piepser am Gürtel
Der deutsche Botschafter Eberhard Schanze hatte Bischof Happe nach dessen Worten zu sich in die Botschaft gebeten. Er wollte dafür sorgen, dass Sicherheitskräfte rund um die Uhr das Bischofshaus bewachen. Zudem sollte Happe eine Art "Notfall-Piepser" am Gürtel tragen.
Der Bischof wollte das nicht. Er könne sich "beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich unter den gewünschten Umständen mein Bischofsamt ausüben sollte", schreibt er. Man möge sich nur die Folgen für die Kirche, die Projekte und Mitarbeiter der Caritas vorstellen, "wenn der Bischof und seine Mitarbeiter sich in Festungen verkriechen oder gar das Land verlassen würden".
Zuversicht der Weihnachtsbotschaft
Dann würden Tausende von Kranken nicht mehr versorgt, Hunderten Müttern würde nicht mehr geholfen, ihre unter- oder fehlernährten Säuglinge zu ernähren, Hunderte arme Kinder bekämen keine Schulbildung mehr, Büchereien würden geschlossen, Flüchtlinge nicht mehr beraten, im total überfüllten Gefängnis der Hauptstadt gäbe es keine kulturellen und sozialen Angebote mehr. Nicht zuletzt bekämen die rund 4.000 Katholiken – sämtlich Ausländer, die in Mauretanien arbeiten – Angst.
Die Liste sei bei weitem nicht komplett, schreibt Happe. Mit Blick darauf aber werde ihm bewusst, was die kleine katholische Kirche in und für Mauretanien erreichen könne, "weil wir an die Weihnachtsbotschaft glauben, weil wir daran glauben, dass Gewalt und Terror nicht das letzte Wort haben werden". Der Bischof verweist auf eine Jesaja-Lesung aus der Liturgie der Christmette: "Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt." (Jes 9,4-5)
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Text: Jens Joest | Foto: Jens Joest
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