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23.05.2012
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Schröder im Gespräch im Genn.

Bankvorstand Ulrich Schröder im Gespräch mit Bischof Felix Genn.

Erstes Unternehmertreffen des Bistums Münster

Bankier Schröder ruft Finanzwelt zur Nachhaltigkeit auf

Bistum. Mit der konjunkturellen Erholung der Wirtschaft ist die Finanzkrise längst nicht überwunden. "Viele europäische Staaten stecken in einer Verschuldungskrise. Dies hat mittlerweile zu einer Euro-Krise geführt. Die Euro-Krise darf nun nicht noch eine politische Krise in der EU heraufbeschwören",  sagte Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW-Bankengruppe am Montagabend (13.12.2010) beim ersten "Unternehmertreffen des Bistums Münster".

Dazu waren rund 300 Unternehmer und Mittelständler der Einladung von Bischof Felix Genn ins Franz-Hitze-Haus nach Münster gefolgt. Dort sprach als Hauptreferent der 58-jährige promovierte Jurist Schröder, der seit zwei Jahren die staatseigene KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) leitet.

Schröder sagte, auch die Banken habe der aktuelle Aufschwung überrascht. "Niemand hat mit einem wirtschaftlichem Wachstum von derzeit 3,7 Prozent gerechnet. Der Export entwickelt sich außerordentlich gut." Neben den guten Wirtschaftsdaten gebe es aber unkalkulierbare Risiken auf den Finanzmärkten. Zum einen sei ein mangelndes Vertrauen der Investoren in die Banken festzustellen, zum anderen seien die Bilanzen einiger Banken "nicht sauber". Es gebe einige Bankiers, "die nicht die Größe haben, Fehler einzugestehen", meinte Schröder.

Ulrich Schröder von der KfW-Bankengruppe referierte beim Unternehmertreffen.

Keine Hilfe ohne solide Finanzpolitik

Der Bankvorstand warnte vor Populismus in der deutschen Diskussion über die Finanzkrisen in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. "Zum Euro gibt es keine Alternative. Wer den Euro auflöst, löst letztlich die EU auf." Es sei eine Frage der Solidarität der EU-Staaten, helfend einzuspringen. Doch Hilfe müsse an Bedingungen geknüpft werden: "Eine solide Finanzpolitik ist Grundvoraussetzung für Unterstützung." Den Fall Griechenland mit gefälschten Bilanzen hätte es nicht geben müssen, wenn von Anfang an klare Transparenz vorgeherrscht hätte.

Schröder sprach sich für eine bessere Regulierung der Finanzmärkte aus und plädierte für eine neue Balance zwischen Freiheit und Ordnung. Er nannte drei Regulationsmechanismen, die umgesetzt werden müssten: die Haftung verstärken, mehr Transparenz schaffen und Nachhaltigkeit fördern. "Eigentlich braucht die Bankenwelt ein Leitbild, das für Familienunternehmen selbstverständlich ist. Denn im Familienunternehmen ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Prinzip, das die nächste Generation schon im Blick hat. Diese Verantwortung muss auch für Finanzmärkte gelten."

Emunds: Kontrolle der Kreditströme

In einem Korreferat nannte der Direktor des Oswald-von-Nell-Breuning-Instituts in Frankfurt, Professor Bernhard Emunds, einige sozialethische Maßstäbe für die Finanzmarktregulierung. Die Privatwirtschaft sei so zu ordnen, dass sie dem Gemeinwohl diene. In der Finanzwirtschaft sollte es "nahezu unmöglich sein, hohe Einkommen ohne Wertschöpfung zu erzielen". Dies erfordert nach Ansicht von Emunds eine Kontrolle und Begrenzung jener Kreditströme, die zum Wachstum von Preisblasen auf Vermögensmärkten beitragen. Die Ursachen der Finanzkrise fasste Emunds mit den Schlagworten "zu viel Risiko in den Finanzinstituten" und "zu viel Geld auf Vermögensmärkten" zusammen.

Das erste Unternehmertreffen des Bistums Münster bereiteten das Franz-Hitze-Haus, die Industrie- und Handelskammer Nordwestfalen, die Handwerkskammer Münster, der Bund Katholischer Unternehmer und das Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster vor. In der Begrüßung unterstrich Bischof Felix Genn die Bedeutung des Dialogs der Kirche mit verschiedenen Berufsgruppen und die Notwendigkeit, aktuelle Themen unter dem Blickwinkel der christlichen Sozialethik und katholischen Soziallehre zu behandeln. Das Unternehmertreffen soll künftig – ähnlich wie das Juristentreffen, das Ärztetreffen und das Künstlertreffen – jährlich stattfinden und das Gespräch zwischen Kirche und Wirtschaft fördern.

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