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23.05.2012
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Marienfigur.

Die zentrale Marienfigur des Altars.

Serie "Biblische Heilige des Advents": Maria

Altar in Xanten stellt Lebensstationen Mariens dar

Xanten. Der Marienaltar im Xantener St.-Viktor-Dom gehört zu den schönsten sakralen Kunstwerken des Spätmittelalters.

In großer Zahl sind in der ehemaligen Stiftskirche die Altäre in den Seitenschiffen und im Westchor erhalten. Sie zeugen von der herausragenden Bedeutung, die das Gotteshaus in damaliger Zeit besessen hat. Einen glanzvollen Höhepunkt der Ausstattung bilden die aus Eichenholz geschnitzten, zudem vielfach farbig gefassten mittelalterlichen Altarretabeln, die – wie sonst nur im benachbarten Kalkar – noch heute eine Vorstellung von dem einstigen Reichtum der Niederrheinlande und ihrer Kirchen vermitteln.

Eine der szenischen Darstellungen, die sich um die zentrale Marienfigur des Altars gruppieren.

Weitgehende Beachtung

Am zweiten (ursprünglich am dritten) Pfeiler von Osten befindet sich der weit über Xanten hinaus bekannte, ab 1530 nach einem Entwurf von Henrik Douvermann in Kalkar gefertigte Marienaltar, ein Hauptwerk niederrheinischer Schnitzkunst, das schon früh weithin Beachtung fand.

Der in Anlehnung an Brabanter Retabel geschaffene, von Anbeginn an unbemalte, hölzerne Aufbau vollendet zudem die Reihe der von Douvermann entworfenen Marienaltäre. Über der Predella, deren virtuos von Douvermann selbst geschnitztes Rankenwerk die Wurzel Jesse zeigt – die sinnbildliche Darstellung des Stammbaums Jesu –, erhebt sich der 1536 aufgestellte Schrein.

Gesamtansicht des farbenprächtigen Altars.

In acht Feldern werden die zentralen Ereignisse aus dem Leben Mariens dargestellt. Die Bekrönung zeigt Maria als Apokalyptische Frau im Strahlenkranz, daneben als Propheten des Heilsgeschehens die tiburtinische Sybille mit dem Kaiser Augustus und einen Engel mit dem Evangelisten Johannes. Die szenischen Reliefs stellen die Abweisung des Opfers Joachims dar, das im linken Teil des Altarschreins zu sehen ist. Darüber sind die Geburt Mariens und der Tempelgang dargestellt. Oberhalb der Mittelnische sind der Tod und die Krönung Mariens abgebildet. Im rechten Teil des Altars wird die Reinigung Mariens gezeigt.

Die Szenen der Verkündigung und der Heimsuchung darunter, die sich, wie die umlaufende Ranke des Schreins, durch einen sehr viel geschmeidigeren Figurenstil auszeichnen, wurden erst 1550 durch Arnt van Tricht geschaffen. Die ungemein bewegten Figurengruppen, deren Gewänder teilweise vom Wind erfasst erscheinen, können zu den herausragendsten Werken dieses Bildhauers gerechnet werden, dem in diesen Jahren noch weitere Arbeiten in Xanten übertragen wurden. Ihren Abschluss fanden die Arbeiten 1553 durch die Anbringung der gemalten Flügel.

Henrik Douvermann - Unerreichte Qualität

Henrik Douvermann (1480-1544) ist der bedeutendste Meister einer großen Gruppe von Holzbildhauern, die ab 1500 den Nordwesten Deutschlands mit Schnitzaltären versorgte. Douvermann hebt sich gegenüber den anderen Künstlern weniger stilistisch, als vielmehr durch die unerreichte Qualität seiner Werke hervor.
Die Quellen von Douvermanns Schaffen sind im flämischen Kunstkreis, besonders in Antwerpen und Brüssel zu suchen. Douvermanns Entwicklung setzt mit dem Klever Marienaltar (Stiftskirche, 1510-15) ein, der als Schrein für eine ältere Muttergottes (14. Jahrhundert) gearbeitet wurde. Die figürliche Anordnung wie auch die Schnitztechnik sind der geläufigen spätgotischen Manier niederländischen Gepräges verpflichtet. Einen bedeutenden Fortschritt bringt der Kalkarer Siebenschmerzenaltar (St. Nicolai, 1518-21), wohl die schönste Arbeit des Meisters. Der persönliche Stil hat sich zu einer sicheren Erfassung des Charakteristischen durchgearbeitet.
Meisterhafte Beherrschung des Schnitzmessers bis in die kompliziertesten Astgeflechte des Ornaments sowie psychologischer Scharfblick bei der Gestaltung der Charakterköpfe weisen den Altar als Hauptwerk der niederrheinischen Schnitzkunst aus.

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Text: Jürgen Kappel | Fotos: Jürgen Kappel, Stiftsmuseum in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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