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16.12.2018
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Pater Thomas Dienberg

Pater Thomas Dienberg.

Interview mit Pater Thomas Dienberg

"Trotz allem eine einmalige Chance"

Bistum. Gemeinsam mit der Fachstelle für Franziskanische Forschung in Münster organisiert die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) der Kapuziner in Münster das Symposium "Veränderung als Chance begreifen". In Münster kommen dazu vom 20. bis 23. Oktober 2010 Vertreter unterschiedlicher Ordensgemeinschaften zusammen, um über anstehende strukturelle Veränderungen bei Kongregationen und Ordensgemeinschaften zu diskutieren. kirchensite.de sprach am Rande der Veranstaltung mit Pater Thomas Dienberg, dem Rektor der PTH.

kirchensite.de: Wie beschreiben Sie die Situation der Ordensgemeinschaften?

Pater Thomas Dienberg: Sie ist positiv herausfordernd. Denn auch wenn die Situation für manche vielleicht bedrohlich wirken mag, so ist sie dennoch ein einmalige Chance. Wir sind gezwungen, uns hinzusetzen und uns zu fragen, wohin wir wollen, welche Werte uns wichtig sind, und wie unsere Zukunft aussehen soll. Wir können die Veränderungsgeschichte nutzen, um uns noch einmal ganz neu aufzustellen.

kirchensite.de: Hatte man das in der Vergangenheit aus den Augen verloren?

Dienberg: Ein wenig ganz sicher, weil es ja lief. Wenn man viel macht und alles irgendwie im Fluss ist, wenn Nachwuchs da ist und kein direkter Zwang zum Innehalten gegeben ist, dann ist man auch nicht genötigt, zurückzutreten und zu fragen: Wo und für was stehen wir überhaupt?

kirchensite.de: Kommt die Diskussion um Strukturveränderungen denn rechtzeitig?

Dienberg: Wir liegen gut in der Zeit. Die meisten Gemeinschaften haben bereits früh gesehen, dass sie etwas tun müssen. Wenn wir wirklich kreativ agieren wollen, dann dürfen wir nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist.

kirchensite.de: Welche Schwierigkeiten ergeben sich konkret bei strukturellen Veränderungen?

Dienberg: Da gibt es viele. Denn es wird ja personell nicht besser, nur weil wir etwa Provinzen zusammenlegen. Wir werden dadurch nicht jünger und nicht mehr. Es geht vielmehr darum, sich auch von Aufgaben zu trennen. Was vielen nicht leicht fällt, weil sie ihnen wichtig sind. Da geht es manchmal schon ans Eingemachte, wenn etwa ein Wallfahrtsort aufgegeben werden soll, oder wenn man sich entschließt, keine Novizinnen oder Novizen mehr aufzunehmen. Dabei sollten gerade auch die Personen gehört werden, die sich gegen Entwicklungen sperren. Denn in Widerständen stecken oft wichtige Ansätze und Kräfte zur Veränderung.

kirchensite.de: Wie sollte man den Weg der Veränderung beginnen?

Dienberg: Das Wichtigste ist zu überlegen, warum wir diesen Schritt machen. Dabei sollten wir nicht die Not in den Vordergrund stellen, die ist ein schlechter Ratgeber. Sondern wir sollten die Perspektive in den Mittelpunkt rücken: Mit welchem Ziel gehen wir diesen Schritt? Dann ist es wichtig, möglichst alle Beteiligten mit ins Boot zu holen, sie in ihren Sorgen und Ängsten ernst zu nehmen. Gerade in unseren meist überschaubaren Lebensgemeinschaften ist das enorm wichtig. Schließlich ist es wichtig, im Prozess so zu kommunizieren, dass alle auf dem Laufenden gehalten werden. Viele Prozesse kranken gerade daran.

kirchensite.de: Schlagen die Wellen dabei ähnlich hoch wie bei den Fusionen in den Pfarrgemeinden?

Dienberg: Zunächst einmal geht es auch bei uns um Verletzungen, in denen emotionaler Sprengstoff steckt. Das muss man im Blick behalten. Wenn jemand über Jahre gute und erfüllende Arbeit geleistet hat und plötzlich durch Strukturveränderungen aus dieser Situation herausgeholt wird, kann das sehr frustrierend sein. Das ist nicht anders als in den Gemeinden. Da wir aber kleinere Gemeinschaften sind und die Kommunikation dadurch besser möglich ist, besteht die Chance, ruhiger, persönlicher und intensiver auf die Situationen einzugehen.

kirchensite.de: Können Ordensgemeinschaften aus den scharfen Diskussionen um die Gemeindefusionen lernen?

Dienberg: Bestimmt. Ich finde zum Beispiel, dass eine Unternehmensberatung zu Beginn der Diskussionen nichts verloren hat. Am Anfang darf nicht der Zwang stehen, aus verschiedenen kleinen Verbänden einen größeren zu machen, um etwa effizienter zu werden. Es ist zu spät, wenn erst am Ende, sozusagen als I-Tüpfel, ein spirituelles Konzept oben aufgesetzt wird. Es muss umgekehrt laufen, also mit der Frage begonnen werden, wie wir als spirituelle Gemeinschaft künftig Akzente setzen wollen.

kirchensite.de: Wird das dadurch schwieriger, dass die meisten Orden weltweit agieren?

Dienberg: Ich glaube, es wird eher einfacher. Denn man hat einen besonderen Rückhalt, wenn es in Deutschland in den neuen Strukturen nicht klappen würde. Es hängt nicht alles an uns, sondern wir haben immer noch die Chance, in anderen Ländern der Welt zu wirken.

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