
Der Kirchenrechtler Professor Thomas Schüller.
Internationale Fachtagung in Münster
Schüller: Gemeindeleitung durch Laien "sinnvolle Form"
Bistum. Die Leitung einer Pfarrei durch Laien betrachtet der münstersche Kirchenrechtler Professor Thomas Schüller als "durchaus sinnvolle Form", die Präsenz der Kirche vor Ort zu erhalten. "Kirchenrechtlich ist es möglich, der pfarrlichen Gemeindeleitung durch Gläubige Raum zu geben. Beauftragten Laien Verantwortung in der Seelsorge zu übertragen, kann ein Weg sein, dem Priestermangel zu begegnen und feste Ansprechpartner für die Seelsorge vor Ort zu haben", sagte Schüller auf einer internationalen Fachtagung von Kirchenrechtlern und Pastoraltheologen am Donnerstag (14.10.2010) im Franz-Hitze-Haus in Münster.
Vier Tage beschäftigen sich dort Wissenschaftler mit der Frage nach "Gemeindeleitung durch Laien" vor dem Hintergrund der sinkenden Zahl aktiver Priester in Deutschland. In einigen Diözesen werden bald zwei von drei Pfarreien keinen eigenen Priester mehr haben. Damit ist das kirchenrechtlich als Grundform vorgesehene Modell "Ein Pfarrer – eine Pfarrei" auf Dauer nicht mehr umsetzbar.
Als Ausnahme möglich
Die Beteiligung von Diakonen und Laien an der Ausübung der Hirtensorge einer Pfarrei sieht das Kirchenrecht im Kanon 517 § 2 vor. Von dieser Regel kann ein Diözesanbischof im Ausnahmefall Gebrauch machen, sagte Schüller, Direktor des Instituts für Kanonisches Recht an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Dies sei bis Ende 2009 in einigen Gemeinden im Bistum Limburg erfolgt, im Bistum Aachen werde es in fünf Pfarreien praktiziert.
"Mit der Anwendung dieser Form wollten die Bischöfe die Präsenz der Kirche vor Ort durch Laientheologen beziehungsweise Pastoralteams sowie die sakramentalen Dienste durch einen Priester gewährleisten. Die mit diesem Modell verbundene Schwierigkeit ist dessen Ausnahmecharakter. Er kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Beauftragungen der am Modell beteiligten Laien und Priester nur auf Zeit erfolgen." Dadurch werde angezeigt, dass der Diözesanbischof sich bemühe, die vakante Pfarrstelle wieder zu besetzen.
Einige Bischöfe machten von der Ausnahmeregelung keinen Gebrauch mehr, weil sie fürchteten, die sakramentale Struktur der Kirche sowie die Profilierung kirchlicher Berufe könne bei einer dauerhaften Anwendung von Kanon 517 § 2 Schaden nehmen. Nach Ansicht Schüllers bietet dieser Kanon den Bischöfen aber ein "befristetes Planungsinstrument und die Chance, Spuren in der Kirche von morgen zu legen". Beispiele gäbe es auch in mehreren österreichische Diözesen, wo die Gemeindeleitung durch Laien gängige Praxis sei.
Domvikar Hans-Bernd Köppen. |
Köppen: Zeit noch nicht gekommen
Diese alternative Form der Gemeindeleitung wird es in absehbarer Zeit im Bistum Münster aber nicht geben. Domvikar Hans-Bernd Köppen, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Bischöflichen Generalvikariat, sieht die Zeit noch nicht für gekommen, Ausnahmeregelungen einzuführen. Das Bistum setze auf eine weitere Zusammenführung von Gemeinden. Zuständig für diese sei ein Seelsorgeteam, dem ein leitender Pfarrer vorstehe.
"Unser Ziel ist es, die Pfarrer von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Dies geschieht zum Beispiel durch die Zentralrendanturen. Durch die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte besitzen Laien verfasste Mitwirkungsrechte an der Leitung einer Pfarrei." Wichtig sei eine gute Kooperation von Laien-Gremien und dem für die Seelsorge verantwortlichen Pfarrer. Es sei nötig, die leitenden Pfarrer zu schulen, damit sie ihre Funktion verantwortungsbewusst ausüben könnten.
Köppen sagte, der Prozess der Gemeinde-Zusammenlegung werde weitergehen. Als Zielgröße nannte Köppen die Zahl von 180 Pfarreien, die aus den derzeit 320 Gemeinden gebildet würden. "Damit hoffen wir, einen Pastoralplan auf den Weg zu bringen, der für die nächsten 15 Jahre Bestand hat." Die durchschnittliche Gemeinde zähle dann 10.000 Gläubige. Im städtischen Bereich könne eine Pfarrei 20.000 Mitglieder umfassen, im ländlichen Raum aber auch nur 5.000. Erforderlich bei der Errichtung größerer pastoraler Räume sei ein kommunikativer Prozess aller Beteiligten, den die Bistumsleitung fördern wolle.
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Text: Johannes Bernard | Fotos: Johannes Bernard
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